Film

In „Jeanne du Barry“ spielt Johnny Depp einen verknallten König – und feiert sein Leinwand-Comeback

Stand
AUTOR/IN
Rüdiger Suchsland

Die aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Jeanne Bécu, gespielt von Maïwenn, nutzt ihren Charme und ihre Intelligenz, um im Frankreich des 18. Jahrhunderts ganz nach oben zu kommen. Irgendwann erregt sie dabei sogar das Interesse von König Louis XV., gespielt von Johnny Depp. Dem gelingt in dem Kostümfilm der französischen Schauspielerin und Regisseurin Maïwenn das Leinwand-Comeback.

Audio herunterladen (4 MB | MP3)

Hofmohr der königlichen Favoritin

Wenn ein Kind kurz weint, dann kann das ein trefflicher, besonders schöner Filmmoment sein. In „Jeanne du Barry" bekommt die Titelfigur vom König ein Geschenk. Das große Paket öffnet sich, daraus erhebt sich ein schwarzer Junge von etwa sechs Jahren.

Filmstill (Foto: wildbunch Filmverleih)
Jeanne Vaubernier (Maïwenn), eine ehrgeizige und gesellschaftlich aufstrebende Bürgerliche nutzt geschickt ihre betörenden Reize, um ihren bescheidenen Verhältnissen zu entkommen. Bild in Detailansicht öffnen
Über den über den einflussreichen Herzog de Richelieu wird Jeanne dem König Louis XV (Johnny Depp) vorgestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen Louis XV (Johnny Depp) und Jeanne ( (Maïwenn) entbrennt eine leidenschaftliche Liebe auf den ersten Blick. Bild in Detailansicht öffnen
Mit der bezaubernden Kurtisane an seiner Seite findet der König die Freude am Leben wieder - so sehr, dass er ohne sie nicht mehr sein kann und beschließt, sie zu seiner offiziellen Favoritin zu ernennen. Bild in Detailansicht öffnen
Jeanne zieht gegen alle Regeln des Anstands und der Etikette nach Versailles, wo ihre Ankunft den gesamten Hof in Aufruhr versetzt. Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin Maïwenn nahm sich vor „...die Geschichte auf die Beziehung zwischen Jeanne und Louis XV zu konzentrieren weil diese Beziehung zu ihrem Untergang führt und weil alles, was nach ihrem Abschied von Versailles folgt, das direkte Ergebnis dieser Zeit ist, in der sie mit dem Etikett "die Hure des Königs" leben muss.“ Bild in Detailansicht öffnen
„Ich hatte sehr früh schon eine Vorstellung davon, wohin ich gehen wollte. Ein Film mit einem relativ langsamen Rhythmus, der nie von der historischen Rekonstruktion eingeschränkt wird. Mit Bildern, die den Gemälden des 18. Jahrhunderts sehr nahekommen und mit wenigen Nahaufnahmen oder zu stark zerschnittenen Szenen.“ (Regisseurin und Hauptdarstellerin Maïwenn) Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin Maïwenn über JEANNE DU BARRY: „Jeanne du Barry hat mich verführt, weil sie eine wunderbare Verliererin ist. Vielleicht wegen der Ähnlichkeiten ihres Lebens mit meinem, aber das ist nicht der einzige Grund. Ich verliebe mich in sie und in diese Zeit.“ Bild in Detailansicht öffnen

Er wird der Hofmohr der königlichen Favoritin werden, und später – aber das ist nicht mehr im Film – wird er sie verraten und an die Guillotine ausliefern. Eine herausragende Szene in einem durchschnittlichen Film.

Vereinzelte tolle Kino-Momente

Libertinage, Neugier, Anmut - dieser Film setzt die richtigen Zeichen. Er zeigt das menschliche Leben nüchtern und kühl, sozusagen anti-idealistisch: Als ein Leben, in dem es um Geld geht, um Macht und Karriere.

Es gibt Parallelen zu größeren Vorbildern: Man denkt an Stanley Kubricks „Barry Lyndon" und natürlich auch an „Marie Antoinette" von Sofia Coppola. Dies ist ein anständiger Film, mehr nicht. Aber er besitzt sehr viele einzelne schöne Details, szenische Edelsteine, die für sich genommen tolle Kino-Momente sind.

„Le Bien Aimee"- vielgeliebter Ludwig XV.

Dies ist auch ein Film voller Ironie, der in seinen besten Momenten unserer Gegenwart einen sehr scharfen, sehr fremden Spiegel vorhält: Radikales Formbewusstsein gegen die Formlosigkeit vieler heutiger Verhältnisse; Genuss gegen Puritanismus; Großzügigkeit und Menschlichkeit gegen Kleingeistigkeit und Cancel-Lust unserer Gegenwart.

„Le Bien Aimee", den „Vielgeliebten" nannte man Ludwig XV. doppelsinnig: Ein Lebemann, ein König, der sehr viele Mätressen hatte, der die Libertinage gefeiert hat, und über dessen Regime die Menschen, jedenfalls die der sogenannten besseren Kreise, damals sagten, dass es sich um eine der glücklichsten Epochen der Menschheitsgeschichte gehandelt habe.

Filmstill (Foto: wildbunch Filmverleih)
Über den über den einflussreichen Herzog de Richelieu wird Jeanne dem König Louis XV (Johnny Depp) vorgestellt.

Gelungenes Leinwand-Comeback für Johnny Depp

Johnny Depp spielt diesen König. Und dies ist tatsächlich der Film von Johnny Depp: Es gibt ein paar Momente in denen er richtig aus dem Vollen schöpft, in denen sich witzige Kontraste und Parallelen zwischen der Schauspieler-Persona und der Rolle ergeben.

Hier sieht man eben auch einen Filmstar, der sich lustig macht über den Star-Betrieb und den Filmbetrieb, der bekanntlich auch viele höfische Seiten zeigt.

Die Frau hinter dem Film Gräfin und Edelhure? Jeanne du Barry, die letzte große Mätresse Frankreichs

Mit Filmen über Frauen im Schatten großer Staatsmänner lassen sich ganze Archive füllen. Eine der berühmtesten unter ihnen war Jeanne Bécu, Gräfin du Barry. Ihr hat die französische Regisseurin und Schauspielerin Maïwenn eine neue Filmbiografie gewidmet. Eine junge Frau aus einfachsten Verhältnissen wird die Favoritin des Königs und ist Marie Antoinette, der Frau des Thronfolgers, ein Dorn im Auge.

Inszenierung ist das große Thema dieses Films

Alles in diesem Film ist Form, alles ist nur Theater, nur Performance. Es geht unentwegt auch auf der Leinwand um Inszenierung und alles ist große Inszenierung: Versailles selbst, der Auftritt des Königs und seiner Mätressen dort und der diversen verschiedenen Figuren bei Hofe.

Aber auch der Film selbst mit einer Regisseurin, die auch noch die Hauptrolle spielt und das zu eitel, und oft etwas überfordert.

Wenn nicht eine Frau den Film inszeniert hätte, dann würde man von einer Männerphantasie sprechen: Denn die Heldin ist eine Frau, die ihren Körper und ihren Geist verkauft, die alles einsetzt, um aufzusteigen, und die damit aber überhaupt kein Problem hat. Die Männerphantasie wird zu einer Frauenphantasie.

Trailer „Jeanne du Barry“ von Maïwenn, ab 24.8. im Kino

Neues aus der Filmwelt

Biopics im Trend Diese 4 Filme über berühmte Kunstschaffende locken zum Filmfestival Ludwigshafen

„Alma & Oskar“, „Ingeborg Bachmann“, „Daniel Richter“ oder „Vermeer“: Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gibt es spannende Filme über Künstler zu entdecken.

„Heimat Europa Filmfestspiele“ in Simmern Weg vom Kitsch: Wenn die Klimakrise den Heimatfilm erreicht

Heimatfilm klingt angestaubt. Dabei hat er sich seit dem Kitsch der Nachkriegszeit weiterentwickelt. Wie sieht er heute aus und warum ist auch die Klimakrise ein Heimat-Thema?

Gespräch Täter, Opfer und Spiegel seiner Zeit: Der Regisseur Roman Polanski wird 90

„Es gibt wenige Regisseure, deren Werk man so eng an der Biografie erklären muss wie bei Polanski“, sagt Filmkritiker Rüdiger Suchsland in SWR2.

SWR2 am Morgen SWR2

Kommentar Nasen-Diskussion um Leonard Bernstein-Biopic: Darf Bradley Cooper einen jüdischen Dirigenten verkörpern?

Ein Biopic über den jüdischen Komponisten Leonard Bernstein sorgt für Antisemitismus-Diskussionen. Der Trailer zeigt Hauptdarsteller Bradley Cooper mit einer Nasenprotese.

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Zum 80. Geburtstag Martina Gedeck über Robert De Niro: „Bester aller Spielpartner“

Robert De Niro sei ein "ungeheuerlicher Meister seines Fachs", sagt Martina Gedeck. Ihre Rolle in De Niros Thriller „Der gute Hirte“ von 2006 war eine prägende Erfahrung für sie.

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Film „Forever Young“ über die Schauspielschule „Les Amandiers“ versetzt in die 80er Jahre zurück

Ein Dutzend Schauspielschülerinnen und -schüler beginnt das Studium bei dem berühmten Theaterrevolutionär Patrice Chéreau. Sie teilen berufliche und amouröse Krisen und Sehnsüchte.

SWR2 am Morgen SWR2

Stand
AUTOR/IN
Rüdiger Suchsland