Runder Geburtstag des schwedischen Erfolgsregisseurs 100 Jahre Ingmar Bergman

Am 14.7.2018 von Mareike Gries

Der hundertste Geburtstag von Ingmar Bergman: Über Jahrzehnte hat der am 14. Juli 1918 geborene Schwede die Filmwelt geprägt. In Cannes wurde er ausgezeichnet als bester Regisseur aller Zeiten. 2007 ist er gestorben. Einer seiner bekanntesten Filme ist „Das Schweigen“ aus dem Jahr 1963. Als sogenannter Skandalfilm lockte er allein in Deutschland fast 11 Millionen Zuschauer ins Kino und löste eine breite Zensurdebatte aus.

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Das Schweigen lässt sich nicht abschütteln

Zwei Frauen und ein Junge dösen in einem Zugabteil. Es ist heiß, der Schweiß glänzt auf ihren Gesichtern. Eine der Frauen bekommt einen Hustenanfall, hält sich ein Taschentuch vor den Mund, das dunkle Flecken bekommt. Viel gesprochen wird nicht, das Schweigen dominiert den Beginn des Films und lässt sich auch im Verlauf nicht abschütteln.

Großaufnahme von Ingrid Thulin, liegend, in "Das Schweigen" von Ingmar Bergman, Film von 1963. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: akg-images)
Ingrid Thulin in "Das Schweigen" von Ingmar Bergman. picture-alliance / dpa - Foto: akg-images

Ingmar Bergman: Ein Regisseur, der sich klaren Antworten verweigert

Ingmar Bergman, der auch das Drehbuch geschrieben hat, verweigert sich den klaren Antworten. Sein Film gleicht, wie so oft bei ihm, eher einem Gemälde, in dem manche Details ganz scharf zu erkennen sind, viele Umrisse aber unscharf bleiben.

Ist Ester nun eifersüchtig auf ihre Schwester oder auf den fremden Mann? Anna jedenfalls klammert sich wie eine Ertrinkende an diesen Fremden. Aus heutiger Sicht wirken die Liebesszenen eher harmlos.

Diese Szene sorgte für einen Skandal: Gunnel Lindblom als Anna liegt in "Das Schweigen" von Ingmar Bergman, 1963, mit gespreizten Beinen auf dem Bett. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: london express)
Diese Szene sorgte für einen Skandal: Gunnel Lindblom als Anna liegt in "Das Schweigen" mit gespreizten Beinen auf dem Bett. Das Drama rief aufgrund der damals als sehr freizügig empfundenen Szenen massive Kritik bei Politikern und Kirchenvertretern picture-alliance / dpa - Foto: london express

Proteststurm wegen angeblich hemmungsloser weiblicher Lust

1963, als „Das Schweigen“ ins Kino kam, lösten die Nacktheit und die hemmungslose weibliche Lust einen Proteststurm aus. Marcel Reich-Ranicki wetterte gegen den Film. Es gründete sich die „Aktion saubere Leinwand“, um gegen das Werk zu protestieren.

Die Freiwillige Selbstkontrolle aber zeigte sich erstmals auffällig liberal und  gab den Film unerwartet und  einstimmig ohne Schnitte ab 18 Jahren frei. Damit war Deutschland eines der wenigen Länder, in denen „Das Schweigen“ unzensiert gezeigt werden konnte.

Ingrid Thulin als Ester, Gunnel Lindblom als ihre Schwester Anna und Jürgen Lindstrom als Annas kleiner Sohn Johann in Ingmar Bermans Film "Das Schweigen" von 1963. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: london express)
Ingrid Thulin als Ester, Gunnel Lindblom als ihre Schwester Anna und Jürgen Lindstrom als Annas kleiner Sohn Johann in Ingmar Bermans Film "Das Schweigen" von 1963. picture-alliance / dpa - Foto: london express

Der Film erzählt von Verschwiegenem - ohne es zu zeigen

Es ist nicht der vermeintliche Skandal, der den Film hat überdauern lassen. Es ist seine klare Bildersprache, es sind die wenigen aber messerscharfen Dialoge, es ist das, wovon der Film erzählt, ohne es zu zeigen. „Das Schweigen“ – ein Film, den es lohnt wiederzuentdecken.

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