Gespräch

„Im Westen nichts Neues“ aus deutscher Perspektive: Edward Berger über seine Netflix-Verfilmung

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AUTOR/IN
Martin Gramlich

„Im Westen nichts Neues“ erzählt die ergreifende Geschichte eines jungen deutschen Soldaten an der Westfront im Ersten Weltkrieg. Paul und seine Kameraden erleben am eigenen Leib, wie sich die anfängliche Kriegseuphorie in Schrecken, Leid und Angst umkehrt, während sie in den Schützengräben verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Der Film von Regisseur Edward Berger basiert auf der berühmten, gleichnamigen Buchvorlage von Erich Maria Remarque.

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„Ein deutscher Film“

Seine Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ sei ein „deutscher Film“, sagt Regisseur Edward Berger in SWR2 über den Antikriegs-Klassiker von Erich Maria Remarque. In amerikanischen oder britischen Kriegsverfilmungen schwinge häufig eine Heroisierung oder Glorifizierung der Handelnden mit. Das sei in einer deutschen Verfilmung nicht möglich. Die Netflix-Verfilmung von Edward Berger geht als deutscher Kandidat in das Rennen um die Oscars.

Filmstill (Foto: Netflix)
Der 17-jährige Gymnasiast Paul Bäumer (FELIX KAMMERER) und seine Freunde können es nicht erwarten, in den Krieg zu ziehen, den Franzosen die Hammelbeine lang zu ziehen, auf Paris zu marschieren, den Sieg davonzutragen. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Jubelnd und singend marschiert sie los, die „eiserne Jugend“, für Kaiser, Gott und Vaterland. Die Begeisterung hält nicht lange. Kurz hinter Malmaison, 25 Kilometer vor der Westfront, werden die jungen Soldaten erstmals angegriffen, Granaten schlagen ein. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Paul lernt Katczinsky (ALBRECHT SCHUCH) kennen. „Der Mensch ist ein Biest“, sagt der. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Nachts muss Paul mit seinem besten Freund, Albert Kropp (AARON HILMER), Wache halten. Sie hören Geräusche, schießen aufs Geratewohl. Auf das Mündungsfeuer wird sofort geantwortet. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Die Franzosen nehmen den Schützengraben unter Beschuss. Paul und seine Freunde gehen in Deckung, stehen Todesängste aus. „Feuerwalze“, sagt Tjaden (EDIN HASANOVIC). Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Im November 1918 ist der Krieg so gut wie verloren. Der liberale Abgeordnete Erzberger (DANIEL BRÜHL) will die Oberste Heeresleitung überzeugen, dass es an der Zeit ist, die Niederlage einzugestehen und einen Waffenstillstand auszuhandeln. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Am 8. November 1918 fährt Erzberger im Zug zu einem vereinbarten Ort in Compiègne, um dort die Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Ganz zum Missfallen des Generals Friedrich (DEVID STRIESOW), der das als Verrat am Vaterland empfindet. Er will lieber bis zum letzten Mann weiterkämpfen, wie es sich für deutsche Soldaten gehört. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Erzberger kann sich durchsetzen, den Waffenstillstand zu unterschreiben. Für Deutschland ist der Krieg zu Ende. Die Männer können nach Hause. Oder besser: könnten nach Hause, wenn General Friedrich sich mit der Niederlage anfreunden könnte. Er will diese Schande indes nicht akzeptieren. Und trifft eine Entscheidung. Netflix Bild in Detailansicht öffnen

Die Geburtsstunde der Dolchstoßlegende

Mit dem Zweiten Weltkrieg habe sich auch die Wahrnehmung von Remarques Roman verändert, sagt Edward Berger. Anders als Remarque, der seine Fronterlebnisse unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg niederschrieb, wüssten wir heute um den Krieg als Vorgeschichte zum Nationalsozialismus. Aus diesem Grund, so Edward Berger, sei es ihm wichtig gewesen, auch die Friedensverhandlungen von Compiègne mit Daniel Brühl als Matthias Erzberger und die Geburt der Dolchstoßlegende in dem Film unterzubringen.

Die Realität des Kriegs sei wohl noch härter gewesen als das, was der Film in drastischen Gewaltszenen zeige. Menschen in der Ukraine könnten das vermutlich bestätigen. Auf die Darstellung der Gewalt zu verzichten oder sie zu schönen, wäre ihm deshalb als Lüge erschienen, sagt Edward Berger.

Trailer „Im Westen nichts Neues“, ab 29.9. im KIno und ab 28.10. auf Netflix

Forum "Im Westen nichts Neues" bei Netflix – Wie aktuell ist Remarques Roman?

Gregor Papsch diskutiert mit
Prof. Dr. Sabina Becker, Literaturwissenschaftlerin, Universität Freiburg
Claudia Junk, Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Universität Osnabrück
Prof. Dr. Jörn Leonhard, Historiker, Universität Freiburg

SWR2 Forum SWR2

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Martin Gramlich