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„Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader: Nominiert für den Auslands-Oscar und den Deutschen Filmpreis

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Wissenschaftlerin Alma testet das Zusammenleben mit dem humanoiden Roboter Tom der speziell nach ihren Wünschen programmiert wurde. Maria Schraders Tragikomödie ist bereits für zahlreiche Preise nominiert, unter anderem als deutscher Beitrag für die Oscars.

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Partner auf Probe

Wissenschaftlerin Alma testet das Zusammenleben mit dem humanoiden Roboter Tom, der speziell nach ihren Wünschen programmiert wurde. Die Liebe steht auf Almas Prioritätenliste ziemlich weit unten. Ganz oben steht die Erforschung der Poesie ägyptischer Keilschriften. Die Mitvierzigerin ist Wissenschaftlerin am Berliner Pergamonmuseum. Als ihr Chef für eine Ethikkommission ein Gutachten über humanoide Roboter schreiben muss, soll Alma einen Prototypen für drei Wochen als Partner testen.

„Ich bin dein Mensch“  von Maria Schrader (Foto: Pressestelle, Berlinale)
Regisseurin Maria Schrader hat zusammen mit Jan Schomburg das Drehbuch geschrieben. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Die Berliner Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert) arbeitet im Pergamonmuseum. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Um an Forschungsgelder für ihre Arbeit zu kommen, lässt sie sich zur Teilnahme an einer außergewöhnlichen Studie überreden. Die Mitarbeiterin einer Partnerschaftsagentur (Sandra Hüller) stellt ihr den humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens) vor. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Alma soll auf Probe drei Wochen lang mit Tom (Dan Stevens) zusammenleben und anschließend ein Gutachten dazu schreiben. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Mit seiner künstlichen Intelligenz wird Tom ganz auf ihren Charakter und ihre Bedürfnisse programmiert. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
„Tom“ soll für Alma den perfekte Lebenspartner darstellen. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen

Rosenblätter und Schaumbad

Theoretisch müsste Tom Almas Traummann sein. Der Roboter wurde entsprechend ihrer Vorlieben und Bedürfnisse konfiguriert. Herausgekommen ist ein großer, gut aussehender Mann: intelligent, kultiviert, freundlich. Sogar sein leichter britischer Akzent, über den sich Alma wundert, scheint irgendwo in ihrem Innersten als Wunsch geschlummert zu haben.

Und doch empfindet die verschlossene Wissenschaftlerin zunächst nur Widerwillen gegen ihren gefügigen Partner, der sie morgens mit einem opulenten Frühstück verwöhnt oder Rosenblätter im Bad verstreut, wo er sie mit einem Glas Sekt und einem Schaumbad erwartet.

Der perfekter Algorithmus ersetzt die Liebe

In „Ich bin dein Mensch“ fragt Regisseurin und Co-Drehbuchautorin Maria Schrader nach dem Geheimnis der Liebe. Die Vorstellung, jemanden zu finden, der einem alle Wünsche aus Herz und Hirn abliest, ohne selbst je was zu wollen, mag verlockend klingen.

Aber machen nicht erst das Unberechenbare und Widerständige den Anderen begehrenswert? Wo bleiben Individualität, Phantasie und Emotionen in einer solchen Beziehung? Und macht es einen Unterschied, wenn ich weiß, dass mein Partner, etwas nicht aus Liebe tut, sondern lediglich aufgrund perfekt kalibrierter Algorithmen?

Private Paarbeziehung auf dem Prüfstand

Maria Schrader stellt mit diesem Film nicht nur die private Paarbeziehung auf den Prüfstand, sondern denkt auch über das soziale Miteinander in der Gesellschaft nach. Folgt man der Logik des Films, hat uns die Künstliche Intelligenz vermutlich bald auch auf diesem Gebiet abgehängt.

Wie schon mit ihrer preisgekrönten Miniserie „Unorthodox“ trifft Schrader mit diesem Zukunftsszenario einen ganz eigenen Ton: problembewusst, ohne anklagend zu sein und mit viel Sympathie für ihre Figuren.

Maren Eggert und Dan Stevens in berührender RobCom

So verstörend die Idee von Mensch-Roboter-Paaren sein mag, so absurd komisch ist sie in „Ich bin dein Mensch“ in vielen Momenten zugleich, was sowohl an den pointierten Dialogen liegt als auch am großartigen Ensemble, allen voran Maren Eggert als Alma und Dan Stevens als Roboter Tom. Dieses Paar macht aus der klassischen Romantic Comedy, der RomCom, eine berührende RobCom und ein Plädoyer für mehr Freundlichkeit im Umgang miteinander, egal ob Mensch oder Maschine. Für ihre Darstellung der Alma in der SWR Produktion erhielt Maren Eggert den Silbernen Bären der 71. Berlinale als beste Schauspielerin.

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