Satire

„House of Trumps“ – Olli Dittrich erzählt als angeblicher Cousin von seiner Jugend mit Donald Trump

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Olli Dittrich sitzt mit Günter Jauch im Studio und gibt sich als deutscher Cousin von Donald Trump aus. Seine Erinnerungen an gemeinsame Jugendtage im hessischen Würmeling gipfeln in Klageandrohungen wegen Erbstreitigkeiten. Die Olli-Dittrich-Mockumentary ist viel subtiler als die meisten Trump-Parodien, die zur Zeit kursieren. Eine hintersinnige Abrechnung, die auch das Format des Reportagemagazins an der Nase herumführt.

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House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis, eine neue Persiflage von und mit Olli Dittrich (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/beckground tv/Daniel Wolcke)
Olli Dittrich in der Rolle des deutschen Trump-Cousins „Peter Trump“. ard-foto s2-intern/extern WDR/beckground tv/Daniel Wolcke

Das betonierte blonde Haupthaar sei Familienerbe

Allzu viele Worte muss Günter Jauch gar nicht verlieren, denn dass sein Studiogast mit niemand anderem als Donald Trump verwandt sein kann, sieht man schon an der Frisur. Das betonierte blonde Haupthaar wird Olli Dittrich alias Peter Trump später als genetische Veranlagung erklären – Familienerbe quasi. In einer zugespielten typischen Homestory erinnert sich Peter an die frühen Tage mit seinem „Kusäng“ aus den USA.

„House of Trumps - Peter, ein deutsches Geheimnis“: Beim Kartenspiel im Wirtshaus erinnern sich Freunde an den jungen Donald (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/beckground tv/Daniel Wolcke)
ard-foto s2-intern/extern WDR/beckground tv/Daniel Wolcke

Der erfundene Onkel von Donald Trump war angeblich US-Flieger in Wiesbaden

Ansonsten sieht man dem schlichten Peter mit seinem Kassengestell auf der Nase, dem blonden Oberlippenbart und dem Pullunder die Rabaukenhaftigkeit nicht mehr an. Der Vater ist ein erfundener Onkel von Donald Trump, der als Flieger angeblich in Wiesbaden stationiert war und dann eine Bauersfrau aus Würmeling heiratete. Man sieht Fotos aus Kindheitstagen, einen Stammbaum, die Kamera begleitet Peter zum Kartenspiel ins Wirtshaus, wo sich Freunde erinnern.

Dittrich führt das Reportage-Format an der Nase herum

Olli Dittrich mischt lustvoll Dokumentarisches mit Erfundenem. Dafür nimmt er sich diesmal jenes Fernsehformat vor, das den Anspruch auf die größte Glaubwürdigkeit behauptet und mit privaten Enthüllungen und emotionalen Storys sensationell Neues verspricht: das Reportage-Magazin. Und er führt es geschickt und mit einer bewundernswerten Liebe zum Detail an der Nase herum.

ARD Mediathek: „House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis“

Überzeugender Günter Jauch als Sidekick

Mit einem Sidekick wie Günter Jauch ist das natürlich um ein Vielfaches leichter. Peter soll berichten, wie dieser zwiespältige bis zwielichtige Charakter Donald Trump als Kind so war. Ein Lügner erfährt man, ein eher gefühlloser, aber schon herrischer Charakter und ein sehr schlechter Verlierer – selbst beim Minigolf an der Mosel.

House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis, eine neue Persiflage von und mit Olli Dittrich (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/beckground tv/Daniel Wolcke)
Olli Dittrich in der Rolle des deutschen Trump-Cousins „Peter Trump“ bei Günther Jauch ard-foto s2-intern/extern WDR/beckground tv/Daniel Wolcke

„House of Trumps“ ist vielleicht nicht die beste aller Dittrich-Mockumentarys, aber es sticht im großen Meer der dankbaren Donald Trump-Parodien, -Satiren und Comedy-Programme heraus, als angenehm hintersinnige Abrechnung. Er schafft es, dem Fürst der Fake News mit einer gefälschten Doku beizukommen, die der scheinbar irren Realität und ihrem medialen Abbild ein leises Schmunzeln entgegensetzt. Wunderbar!

„House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis“ steht in der ARD Mediathek und läuft am 17.12. um 23:50 Uhr im Ersten.

Gespräch Jürgen Neffe – Das Ding. Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl

Donald Trump wird Literatur! Und zwar im Roman „Das Ding“ von Jürgen Neffe. In den 90er Jahren war Neffe zweieinhalb Jahre lang als Korrespondent für den „Spiegel“ in New York. In dieser Zeit traf er mehrmals mit dem schon damals schwerreichen Donald Trump zusammen, der immer wollte, dass Neffe eine große Geschichte über ihn schrieb. Jetzt – zur Präsidentschaftswahl 2020 – ist es soweit: Donald Trump wird nicht fake, aber fiktiv.

Europa Verlag, 240 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-95890-340-1  mehr...

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