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„House of Gucci“ von Ridley Scott: Absturz einer Modedynastie

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Die italienische Nobelmarke Gucci feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum. Gegründet von Guccio Gucci 1921 wurde der Name ab den 1960er Jahren zum Inbegriff von Luxus, Eleganz und Glamour. Jetzt erscheint ein seit 20 Jahren geplanter Film von Blockbuster-Regisseur Ridley Scott. „House of Gucci“ erzählt vom tiefen Fall des Modeimperiums der Familie Gucci. In den Hauptrollen: Adam Driver, Al Pacino, Jeremy Irons, Jared Leto und Lady Gaga.

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Die Chance ihres Lebens

Diese Frau weiß, was sie will: und zwar alles. Auf einer Party lernt die schöne Patrizia Reggiani (Lady Gaga) Maurizio (Adam Driver) kennen, den Sohn des Modemoguls Rodolfo Gucci. Sofort erkennt die ambitionierte junge Frau: Dieser Jura-Student mit den riesigen Brillengläsern ist die Chance ihres Lebens. Der Name Gucci verspricht gesellschaftlichen Aufstieg, Reichtum, Erfolg.

Filmstill (Foto: © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures)
Diese Frau weiß was sie will: Patrizia Reggiani (Lady Gaga). © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures

Modeschöpfer wider Willen

Nach dem Tod seines Vaters nimmt Maurizio, nach zwischenzeitlicher Enterbung, dessen Platz im Unternehmen ein. Dabei kann er weder mit Mode etwas anfangen noch mit seiner Familie. Doch Patrizia hat große Pläne für ihn und die Marke Gucci. Sie beginnt Intrigen zu spinnen: gegen Maurizios Onkel Aldo, dem die andere Hälfte der Firma gehört und dessen Sohn Paolo, der so gerne ein großer Modeschöpfer wäre.

Filmstill (Foto: © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures)
Angetrieben von ihrer Wahrsagerin räumt Patrizia nach und nach im familieninternen Kleinkrieg um Macht, Geld und Anerkennung alle Widersacher aus ihrem Weg. Auch den Bruder des Clanchefs Aldo Gucci (Al Pacino). © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures

Starensemble in überdrehter Spiellaune

Regisseur Ridley Scott präsentiert den Clan der Guccis als Ansammlung exzentrischer Charaktere. In ihrer Konstellation und dem ausgestellten Italienisch-Sein erinnern sie ein bisschen an die Corleones. „House of Gucci“ versammelt ein Starensemble in überdrehter Spiellaune: Jeremy Irons als in Noblesse erstarrter Clanchef Rodolfo, Al Pacino als sein profitgieriger Bruder Aldo. Jared Leto, unter Makeup-Schichten kaum zu erkennen, ist dessen versponnener Sohn Paolo.

Lady Gaga als skrupellose Intrigantin

Als kleinbürgerliche Aufsteigerin Patrizia ist Lady Gaga das Zentrum des Films – mit einer Energie, die fast die Leinwand sprengt: vom lebenslustigen, verliebten Mädchen verwandelt sie sich in eine skrupellose Intrigantin bis hin zur Psychopathin. Angetrieben von ihrer Wahrsagerin, schreckt sie am Ende selbst vor der Ermordung ihres Mannes nicht zurück.

Filmstill (Foto: © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures)
Lady Gaga ist als kleinbürgerliche Aufsteigerin Patrizia das Zentrum des Films – mit einer Energie, die fast die Leinwand sprengt. © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures

 Die Mode bleibt nur schickes Accessoire für Ridley Scott

In Sachen Ausstattung kann man sich kaum satt sehen an diesem Film. Dazu kommt die Mode: in jeder Szene trägt Lada Gaga ein anderes aufsehenerregendes Gucci-Outfit. Modeschauen der 1990er lässt Ridley Scott originalgetreu nachstellen. Für das Geheimnis der Mode interessiert sich der Film allerdings nicht. Sie bleibt ein schickes Accessoire. In „House of Gucci“ geht es ausschließlich um den Gossip über diese Familie, erzählt als Mischung aus „House of Cards“, „Succession“ und einem „True Crime“-Format, in dem so ziemlich alles verhandelt wird von Mord bis zu Steuerbetrug und Markenfälschungen.

 Keine große Kunst, aber enorm unterhaltsam

Der familieninterne Kleinkrieg um Macht, Geld und Anerkennung ist im Grunde Stoff für eine Soap Opera, der hier aber zu einem schrillen Königsdrama aufgeblasen wird. Dazu kommt die großzügige Untermalung mit einer wild-wahllosen Mischung aus Pop, Jazz und einem Best of italienischer Opernarien. Ein großes Kunstwerk ist dieser Film sicher nicht, enorm unterhaltsam aber schon. Ein bisschen „Gala“, ein bisschen Crime und sehr viel Glitzer Glitzer.

Trailer „House of Gucci“ von Ridley Scott

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