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Düsteres Kriegsheimkehrerdrama in Wien: „Hinterland“ von Stefan Ruzowitzky

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Die Faszination für die 1920er-Jahre ist ungebrochen. Auch Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky hat seinen Film „Hinterland“ in dieser wilden Zeit angesiedelt: Kriegsheimkehrer kommen zurück nach Wien und dort gleich ins Heim für Obdachlose, ein Serienmörder hat es auf sie abgesehen. „Hinterland“ – ein düsteres Genrestück über Kriegsversehrungen – überzeugt vor allem durch die am Computer entworfenen Szenenbilder. Kinostart am 7. Oktober.

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Beklemmende Seelenlandschaft der Kriegsheimkehrer

Regisseur Stefan Ruzowitzky macht aus dem Szenenbild eine beklemmende Seelenlandschaft der Kriegsheimkehrer. Sie kehren in eine alptraumhafte Welt zurück, in der nichts mehr zusammenpasst. Bald kämpfen sie nicht nur um ihren Platz in der Gesellschaft, sondern um ihr Überleben. Denn ein Serienmörder geht um in Wien. Seine Opfer: Soldaten.

Filmstill (Foto: Squareone Entertainment)
Stefan Ruzowitzky hat einen bildgewaltigen, atmosphärischen Thriller mit unverkennbarer Handschrift gedreht, der an moderne Kultfilme wie „Sieben“ oder „Sin City“ ebenso erinnert wie an die Meisterwerke des expressionistischen Films der 1920er-Jahre. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Peter Perg (Murathan Muslu) kehrt mit seinen verbliebenen Männern aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Als der Ex- Kriminalinspektor 1920 in seine Heimatstadt Wien kommt, ist nichts mehr so, wie es war. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Das ehemalige Kaiserreich ist jetzt eine Republik, seine Frau hat die Stadt verlassen, er wird von Albträumen geplagt. Und ein Serienmörder macht die Stadt unsicher. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Polizei trifft er auf seinen alten Freund Victor Renner (Marc Limbach), der es während Pergs Abwesenheit zum Polizeirat gebracht hat. Peter Perg war auch Polizist, ein Kriminalinspektor, der es zu Kriegsbeginn allerdings vorgezogen hatte, seinem Vaterland zu dienen. Aber wenn einer den Fall aufklären kann, so die Meinung der ehemaligen Kollegen, dann ist es Perg. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Zunächst gerät Perg selbst in den Fokus der Ermittlungen des Jungkommissar Paul Severin (Max von der Groeben). Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Gerichtsmedizinerin Dr. Theresa Körner (Liv Lisa Fries) misstraut zunächst Perg, doch dann schließen sie sich zu dritt zusammen, um die Bestie von Wien zu stellen, bevor es weitere Morde geben kann. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Aber das Verbrechen ist im Armenviertel verübt worden, die Dringlichkeit ist nicht besonders hoch. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen
Der Film lässt auf eine sehr spezielle Produktionsgeschichte blicken: „Hinterland“ wurde fast ausschließlich mit der Blue-Screen-Technik gedreht. Das Szenenbild, das an die modernen und expressionistischen Motive des Kinos der 20er Jahre erinnert, entstand hauptsächlich am Computer. Squareone Entertainment Bild in Detailansicht öffnen

Historisches Wien aus dem Computer

Wien sieht in „Hinterland“ aus wie ein düsteres, expressionistisches Gemälde. Die historischen Häuser stehen schief, Straßen sind verbogen, die Perspektiven verzerrt. Die Welt ist buchstäblich aus den Fugen. Die spektakulären Szenenbilder erinnern an den Stummfilmklassiker „Das Kabinett des Dr.Caligari“ von 1920. Entstanden sind sie ausschließlich am Computer, die Schauspieler spielten ihre Szenen im leeren Studio vor dem „Blue Screen“. Solch aufwendige Nachbearbeitung kennt man bislang vor allem aus Fantasy- und Superheldenfilmen. Aber auch für dieses historische Setting überzeugt die Technik.

Packender Thriller

Der Thriller erzählt für ein deutschsprachiges Genrestück ungewöhnlich zupackend und ohne Scheu vor krassen Bildern. Zwar sind die Dialoge nicht immer die tiefsinnigsten. Und das Rätselraten um den Mörder kann es an Perfidie nicht mit Vorbildern wie „Sieben“ aufnehmen. Sehenswert ist „Hinterland“ trotzdem, schon allein wegen der ungewöhnlichen Optik und der gelungenen Mischung aus Thriller und Kriegsdrama.

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