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Helmut Newton war weit mehr als nur ein Fotograf von unbekleideten Frauen. Er photographierte auch nackte Männer, bekleidete Frauen, Hühnchen in High Heels, Autos, Landschaften, alles im Zeitgeist der 70er und 80er Jahre. „The Bad and the Beautiful“ von Gero von Boehm porträtiert den Star-Fotografen, der 1938 vor den Nazis aus Berlin geflohen war und zeitlebens mit radikalen Bildern provozierte.

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Gut gebräunt mit Blümchen-Hemd

Er trug Blümchen-Hemden, lächelte viel, war immer gut gebräunt, und offenkundig genoss er das Leben. Für große Teile der Kulturkritik der 70er Jahre war dieser Mann viel zu gut gelaunt, viel zu hedonistisch und viel zu wenig daran interessiert, was die anderen über ihn dachten.

Für mich gibt’s in der Fotografie zwei dreckige Worte: Eins ist „Kunst“ und das andere ist „guter Geschmack“.

Hemut Newton

Film „Helmut Newton - The Bad and the Beautiful“ von Gero von Boehm

Helmut Newton von Gero von Böhm (Foto: Pressestelle, FilmPressKit)
Anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Newton am 31. Oktober 2020 erzählt Regisseur Gero von Boehm die bewegte und bewegende Lebensgeschichte des jüdischen Starfotografen Helmut Newton. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Der Film wirft einen besonderen Blick auf Newtons nicht unumstrittenes Werk, in dessen Zentrum stets der weibliche Körper stand. FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Mit seinen oft provozierenden Aufnahmen von Frauen hat Helmut Newton die internationale Mode-, Werbe-, Porträt- und Akt-Fotografie entscheidend geprägt. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Der Dokumentarfilm über Helmut Newton fällt in eine Zeit, in der der Blick der Kunst, der Blick von Malern, Fotografen und Filmemachern auf den weiblichen Körper auf dem Prüfstand steht. Einzelne Werke gelten als „unmoralisch“. In Museen wird diskutiert, ob man sie nicht besser vor den Augen der Öffentlichkeit verbergen sollte. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Außer dem Fotografen selbst kommen im Film nur Frauen zu Wort, so auch das deutsche Supermodel Claudia Schiffer, die häufig mit Newton zusammengearbeitet hat. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen

Einer der größten Photo-Künstler seiner Zeit

Newton war einer der größten Photo-Künstler seiner Zeit. Und er war egoistisch, narzisstisch, ästhetizistisch, oberflächlich. Zugleich war er aber viel mehr. Eine Frau, die in ein Krokodil hinein kriecht - ist das pervers? Ist das erotisch? Ist das ein Sexobjekt? Ist das eine starke Frau? Es sind solche Fragen, die den faszinierenden Dokumentarfilm von Gero von Böhm antreiben.

Dokumentarfilm als Assoziationsraum

Dieser Film geht weit über das hinaus, was übliche Dokumentarfilme tun. Er stellt Fragen - und er stellt seinen Fragen Fragen. Er eröffnet damit einen ganzen Assoziationsraum. Das liegt auch an seinem Objekt. Denn es ist ein Objekt, das uns heute provoziert, das dem heutigen Zeitgeist komplett zuwiderläuft. Und das gleichzeitig von diesem Zeitgeist nicht so einfach in einen seiner vielen geistigen Setzkästen einzuordnen und wegzuschließen ist.

Was ist Sexismus?

In diesen Dokumentarfilm von Gero von Böhm berichten nun zehn berühmte Frauen, die von Helmut Newton abgelichtet wurden, von ihren Erfahrungen vor Newtons Kamera.

Er war ein bisschen pervers, aber das bin ich auch, das ist okay.

Grace Jones (lacht)

Frauen bei Helmut Newton sind immer stark. Sie sind immer provokativ. Sie haben immer das Kommando.

Damit ist dieser Film, wie die Photographien Newtons, ein Statement gegen allzu einfache Wahrheiten: Was ist denn Sexismus? Wo fängt Sexismus an und wo hört er auf? Was ist Missbrauch und was große Kunst?

Ich habe die Situation beherrscht. Ich war nicht das Objekt, ich war dem Fotografen gleichgestellt. Ich konnte entscheiden was ich tun wollte. Die Welt braucht Provokation als eine stimulierende Kraft.

Charlotte Rampling

Hühnchen in High Heels

Dieser Film zeigt auch, dass Helmut Newton weit mehr ist, als nur ein Fotograf von unbekleideten Frauen. Er photographierte nämlich auch unbekleidete Männer, bekleidete Frauen, er photographierte Hühnchen in High Heels, Autos, Landschaften - heute sieht man darin den Zeitgeist der 70er und 80er Jahre. Man sieht eine Zeit, die vergangen ist, und man hat den Eindruck, dass die Tatsache, dass sie vergangen ist, in mancher Hinsicht auch sehr traurig ist.

Epoche eines unbeschwerten Hedonismus

Es war die Epoche eines unbeschwerten Hedonismus. Eine Zeit, in der es um Politik ging, nicht um Moral. Um Kunst, nicht um Anstand, um Haltung, nicht ums Angepasst sein an den Zeitgeist. Dies alles zumindest hat die Zeit Helmut Newtons uns voraus.

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