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Homosexualität in der Türkei: „This is not me“ beim Istanbuler Filmfestival

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„This is not me“ – das bin nicht ich. So heißt der Film zweier Filmemacherinnen, der die wahre Geschichte von drei Männern erzählt, die in der Türkei ihre Homosexualität nur im Verborgenen leben können. Der Film ist schon lange fertig, aber es gab bisher keine Gelegenheit für die Uraufführung. Auf dem 41. Internationalen Istanbuler Filmfestival am Oster-Wochenende war es endlich so weit. Und der Film war gleich nominiert als bester Dokumentarfilm.

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Geschichten sichtbar machen


„Herzlich willkommen, es ist ein sehr aufregender Tag für uns!“: So begrüßt Regisseurin Jeyan Kader Gülsen das Premierenpublikum ihres Films „Bu ben degilim“, „Das bin nicht ich“, auf dem Istanbuler Filmfestival.

„Als Frau wollte ich, dass ihre Geschichten etwas sichtbarer werden, gesellschaftliches Bewusstsein für sie erzeugen. Wir wissen, dass wir nicht viel bewegen werden, aber allein schon die Tatsache, dass wir gerade darüber reden trägt dazu bei, Verständnis zu entwickeln. Ich hoffe, dass der Film das bewirkt.“

Homosexualität wird nicht bestraft, aber auch nicht akzeptiert

Es ist eine Dokumentation über homosexuelle Männer in der Türkei und ihr Leben damit.  Es gebe Druck von Familie und Gesellschaft auf sie. Tradition und Sitte machten es ihnen schwer und führten dazu sich selbst zu verleugnen, sagt Regisseurin Gülsen. Das habe sie motiviert:

Es geht vor allem um die Geschichte des verheirateten Familienvaters Mehmet und seines Freundes Mustafa. Mehmet ist immer so gefilmt, dass er nicht zu erkennen ist. Anders Mustafa: Für ihn ist der Auftritt in dem Film eine Art Mission:

Unter Strafe steht Homosexualität in der Türkei nicht. Akzeptiert ist sie aber auch nicht. Es kommt vor, dass Politiker gleichgeschlechtliche Liebe öffentlich herabwürdigen. Homosexuellen-Demonstrationen werden in der Türkei seit Jahren verboten. Wer sich bekennt, muss mit gesellschaftlichen und beruflichen Schwierigkeiten rechnen. Filmemacherin Gülsen war daher klar, dass es schwierig werden würde, ihr Projekt umzusetzen:

„Ich gebe nicht auf. Tatsächlich müssen wir Homosexuelle viel durchmachen, insbesondere in diesem Teil der Welt. Aber für uns gibt es kein Halt - wir machen weiter!“

Die Rosa Luxemburg Stiftung und die EU haben den Film finanziert

„Auch wenn ich weiß, dass die Umsetzung überall nicht einfach ist, so ist es doch in der Türkei ganz besonders schwierig. Es ist eingetreten, was ich vermutet habe. Vielleicht lag es auch an der Wirtschaftskrise in der Türkei, aber ich habe damals keinerlei finanzielle Förderung erhalten. Das hat mich zunächst entmutigt, aber auch angefeuert.“

Schließlich hat sie Geld aus Deutschland bekommen - von der linken Rosa Luxemburg Stiftung - und von der Europäischen Union. Geld für einen Film über ein Thema, das auch mit Angst zu tun hat.

Auch kritische Stimmen

Doch es gibt auch kritische Stimmen in einer Diskussionsrunde nach der Premiere. Ein offenbar selbst homosexueller Mann sagt:

„Ich finde, Frau sein ist in der Türkei schwieriger als schwul zu sein. Sie werden belästigt, geschlagen. Ich kenne so viele Fälle. Wir dagegen sind der Regenbogen. Wenn wir uns nicht wehren und uns immer nur ducken, wird man uns attackieren. Wehren wir uns, erkämpfen wir uns was, und bekämpfen Vorurteile.“

Das wiederum ist genau das, was Regisseurin Gülsen und Mustafa mit dem Film bewirken wollen: zu sich selbst stehen. So wie Mustafa. Doch dafür muss man mutig und stark sein.

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