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Nach der Serie „Deutschland 83“ von 2015 waren plötzlich Serien aus Deutschland auch international gefragt. Auch wenn die Geschichte eines jungen NVA-Offiziers, der als Spion in den Westen geschickt wird, für die Ansprüche von RTL in Deutschland zu wenige Zuschauer hatte. Die Nachfolgeserie „Deutschland 86“ wanderte zu Amazon Prime und wurde von Kritikern sehr gelobt. In der letzten Staffel geht es nun um den Mauerfall: „Deutschland 89“. Auch jetzt ist die frisch gebackene Emmy-Preisträgerin Maria Schrader wieder dabei, in der Rolle der skrupellosen DDR Agentin Lenore Rauch.

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Als Leonore Rauch ist Maria Schrader eine Wucht

Maria Schrader ist als Symbolfigur für die untergehende DDR eine Wucht. Wer sie bei „Deutschland 83“ und „86“ als eine Art Söldnerin für den Sozialismus lieben oder wohl besser hassen gelernt hat, erlebt sie hier als Lenore Rauch noch einmal in einer stärkeren Performance: zunächst sitzt sie in der Haftanstalt Charlottenburg, wird dann spektakulär befreit und ist später involviert in verschiedene terroristische Anschlagspläne. Eine Frau mit dem Rücken zur Wand, die keinerlei Hoffnung mit den Freiheitsbestrebungen ihres Volkes verbindet.

Wieder auf Abwegen: Martin Rauch, Deckname „Kolibri“

Während der unruhigen Tage Anfang November 1989 versucht der Auslandsgeheimdienst, die Hauptverwaltung Aufklärung, von der untergehenden DDR zu retten, was zu retten ist. Mittendrin natürlich Martin Rauch, Deckname „Kolibri“, Lenores Neffe, der mit seinem Sohn Max zu Anfang wieder in Ost-Berlin wohnt. In einem Spezialauftrag soll Martin verhindern, dass Pläne der neuen DDR-Regierung zur Lockerung der Reisefreiheit veröffentlicht werden. Er macht aber das genaue Gegenteil.

Wie schon in der letzten Staffel der Serie Weissensee suggeriert auch „Deutschland 89“ Einblicke in die Hinterzimmer der Hauptverwaltung Aufklärung. Wie historisch korrekt das Ganze für den Abend des 9. November ist, ist dann gar nicht so wichtig, was zählt ist die stille Freude als den Kontrollfetischisten der Stasi bei den Fernsehbildern von der Bornholmer Straße die Gesichtszüge entgleisen.

„Deutschland 89“: ein Katz- und Mausspiel von CIA, BND und HVA

Für die historische Beglaubigung sorgen in bewährter Manier Nachrichtenbilder, die mit der Story um Martin verknüpft werden und mit der Frage, wie er wohl diesmal seinen Kopf aus den verschiedensten Schlingen ziehen kann. Denn in erster Linie ist und bleibt „Deutschland 89“ eine spannende Agentengeschichte, ein Katz- und Mausspiel von CIA, BND und HVA, aus dem Martin nur allzu gerne aussteigen würde. Stattdessen wird er jedoch mal von dem einen Geheimdienst gejagt, dann wieder von dem anderen vereinnahmt.

Retro-Welle mit DDR-Klamotten, -Brillen und Design

Die Serie reitet die Retro-Welle mit den passenden Klamotten, Brillen oder hübschem DDR-Design und findet vor allem mit Punk und Ostrock zu einer 80er Jahre Coolness, die großen Spaß machen kann. Auch wenn Hauptdarsteller Jonas Nay als Martin etwas zu „Normalo“ daherkommt und immer so ein bisschen aussieht wie ein James Bond von der traurigen Gestalt: mit ihm und den vielen gut besetzten Nebenrollen läuft „Deutschland 89“ zum Abschluss nochmal zur Hochform auf.

Die Serie erzählt - manchmal sprunghaft, meistens aber ziemlich lässig, wie sich Menschen notgedrungen neu erfinden. Wobei immer mitschwingt, dass das Denken in Mauern und Feindbildern damit längst nicht von der Bildfläche verschwunden ist.

Film Emmy-Verleihung 2020: Maria Schrader gewinnt mit „Unorthodox“

Kein roter Teppich, keine Stars, keine Zuschauer im Saal - und selbst das Klatschen im Hintergrund wurde virtuell zugespielt - das war die Verleihung der Emmy-Filmpreise unter Corona-Bedingungen, als „Pand-Emmy“ bezeichnete es Moderator Jimmy Kimmel. Und auch Katharina Wilhelm aus dem ARD-Studio Los Angeles zeigt sich im Gespräch mit SWR2 nicht ganz sicher, wie sie diese „besondere“ Gala einordnen soll. „Ganz verdient und überraschend“ findet Wilhelm hingegen die Auszeichnung für die Mini-Netflix-Serie „Unorthodox“, die Regie führte die deutsche Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader. Die meisten Emmys des Abends gingen an die Macher und Schauspieler der Science-Fiction-Serie „Watchmen“.  mehr...

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Zeitgenossen Regina Ziegler, Filmproduzentin

Ein Leben mit Filmstars, Festivals und einem heißen Draht zum Bankberater: Regina Ziegler ist für manche immer noch die "mächtigste Frau im deutschen Filmgeschäft". Auf jeden Fall war sie die erste deutsche Filmproduzentin, als sie im Jahr 1973 mit geliehenem Geld und viel Enthusiasmus ihre eigene Produktionsfirma gründete. In einer Zeit, als Frauen beim Film entweder als Schauspielerin oder allenfalls als Assistentin ihr Geld verdienten. Ihr erster Film "Ich dachte, ich wäre tot", mit ihrem späteren Mann Wolf Gremm als Regisseur, gewann gleich den Bundesfilmpreis. Es folgten mit "Die große Flatter", "Solo für Klarinette“ oder der Fernsehserie "Weissensee" über 500 Film- und Fernsehproduktionen. Viele Erfolge, einige Rückschläge und ein Leben unter dem Motto "Geht nicht, gibt’ nicht!“.  mehr...

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Erich Mielke: „Aber ich liebe doch alle Menschen“

13.11.1989 | Stasi-Chef Erich Mielke war in der DDR ein gefürchteter Mann – bis zu seinem Rücktritt zwei Tage vor dem Mauerfall am 7. November 1989. Eine knappe Woche später – also vier Tage nach der Maueröffnung tagt die Volkskammer. Und Mielke wird dorthin zitiert. Er spricht dort zum ersten und einzigen Mal, die Sitzung am 13. November 1989 wird live im Fernsehen übertragen. Die ganze Nation hört wie sich einer der Abgeordneten über die Anrede „Genossen“ beschwert. Mielke, der jahrzehntelang die Verbrechen der Stasi verantwortet hatte, antwortet mit einer bizarren Liebeserklärung, die in die Geschichtsbücher eingeht.  mehr...

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