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„Deep Water“ mit Ben Affleck und Ana de Armas — Grandiose Highsmith-Verfilmung

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Die Romane von Patricia Highsmith sind grandioses „Futter“ für Filmregisseure. Ob für Wim Wenders, Claude Chabrol oder Anthony Minghella, um nur drei von vielen zu nennen. Am 18.3. startet bei Amazon Prime Video „Deep Water“ von Adrian Lyne mit Ben Affleck und Ana de Armas in den Hauptrollen.

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Menschliche Abgründe

Die Eheleute Vic und Melinda in „Deep Water“ sind typische Patricia-Highsmith-Figuren aus deren gleichnamigen Roman, den Michel Deville 1981 schon einmal mit Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant verfilmt hat. Nun also Ben Affleck und Ana de Armas als Vic und Melinda.

Der Titel beschwört auf der einen Seite einen möglichen Tatort, zwei Tote, einer im Swimmingpool, einer im Fluss, vielleicht aber noch mehr. Auf der anderen Seite kann das „tiefe Wasser“ auch als Metapher für die menschlichen Abgründe von Melinda und Vic verstanden werden.

Trailer „Deep Water“ ab 18.3. bei Prime Video

Betrug und Mord als Fundament einer Ehe

Nur auf den ersten Blick führen Vic und Melinda eine dysfunktionale Ehe – sie die Betrügerin, er der Betrogene. Doch tatsächlich bilden Melindas Ausbrüche für Vic die Brücke, den Mörder in sich zu wecken. Man darf fragen: Ist das alles zwischen den beiden ein unausgesprochenes, abgekartetes Spiel? Was möglicherweise abstrus klingt, bei Patricia Highsmith und ihren Figuren ist es durchaus vertraut.

Patricia Highsmith (Foto: Salzgeber und Company)
Patricia Highsmith 1942, mit 21 Jahren Salzgeber und Company

Anti-Helden sind die Passion von Patricia Highsmith

Patricia Highsmith interessierte die Aufklärung eines Mordes kaum, sondern die seelischen Abgründe ihrer Anti-Helden. Böse Schattenspiele, denen Alfred Hitchcock folgte in „Zwei Fremde im Zug“ von 1951 wie auch Wim Wenders in „Der amerikanische Freund“; Anthony Minghella in „Der talentierte Mr. Ripley“.

Geschichten über die Verfassheit von Menschen

Oder jetzt eben Adrian Lyne. Was die Schöpferin des Mörders Tom Ripley einmal sagte, das könnte auch für Vic, den gehörnten Ehemann in „Deep Water“ gelten aber ebenso für seine promiskuitive Gattin Melinda.

„Ich schildere ihn als jemanden, der nicht wie üblich Schuld verspürt“, sagt die Schriftstellerin über ihren berühmtesten Mörder Tom Ripley in der Doku „Loving Highsmith“, die bei uns im April im Kino anläuft. „Es stört ihn einfach nicht, wie es sollte, oder nicht so, wie die meisten Leute es denken.“

Patricia Highsmith (Foto: Salzgeber und Company)
Patricia Highsmith, um 1955. Die Kinodoku „Loving Highsmith“ von Eva Vitija startet am 7.4. Salzgeber und Company

Patricia Highsmith schrieb Geschichten über die Verfasstheit des Menschen. Grundthemen: Schuld und Sühne. Doch die Erlösung davon war bei ihr alles andere als konventionell. Was auch gilt für Adrian Lynes wunderbare und angemessen rätselhafte „Deep Water“-Verfilmung. Den Liebhabern von Melinda, Gattin von Vic, geht es jedenfalls am Ende nicht gut — dem Ehepaar aber schon.

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