Film und Serie

Golden Globes 2022: Jane Campion und „The Power of the Dog“ große Gewinner bei unspektakulärer Zeremonie

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AUTOR/IN
Samira Straub

Traditionell gelten die Golden Globes in Hollywood als die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars: Bei den Nominierungen für die 79. Verleihung der „Globes“, die nach heftiger Kritik 2022 erstmals ohne TV-Gala stattfand, stachen Produktionen aus dem Hause Netflix hervor: So auch das schließlich mit dem Golden Globe für das beste Drama ausgezeichnete „The Power of the Dog“ von der ebenfalls ausgezeichneten Regisseurin Jane Campion.

Die Golden Globes stehen seit 2021 unter Beschuss

Nach der letzten Verleihung der Golden Globes im Januar 2021 war die HFPA, die die Preise vergibt, ins Feuer scharfer Kritik geraten: Zu wenig Diversität, Ausschluss von fremdsprachigen Filmen und eine bestechliche Jury waren nur einige der Dinge, die man den Organisatoren der „Globes“ vorwarf. Die HFPA gelobte Besserung, stellte sich teilweise neu auf und veränderte einige Richtlinien.

Nachdem der Fernsehsender NBC, der die Verleihung jahrelang ausstrahlte, seine Partnerschaft kündigte, fand 2022 keine Übertragung der Verleihung statt. Nicht einmal ein Live-Stream im Internet wurde angeboten, die Gewinner*innen der einzelnen Kategorien wurden über Social Media bekannt gegeben.

Jane Campions Netflix-Film „The Power of the Dog“ war ganze sieben Mal nominiert

Neben dem Drama „Belfast“ von Kenneth Branagh, das erst im Februar in den deutschen Kinos anläuft, am häufigsten für einen Golden Globe nominiert war die Netflix-Produktion „The Power of the Dog“ von Jane Campion. In ihrem prominent besetzten Film inszeniert die Regisseurin eine Sozialstudie des Middle-West-Amerika anhand von zwei Brüdern.

Neben der Auszeichnung als bestes Drama konnte Campion den Regie-Preis für sich verbuchen. Ferner nominiert für das beste Drama waren „Coda“ von Siân Heder und Reinaldo Marcus Greens „King Richard“. „Belfast“ erhielt den Golden Globe für das beste Drehbuch.

Nicht durchsetzen konnte sich Campions Drama in der Kategorie bester Hauptdarsteller mit Benedict Cumberbatch, Kody McPhee wurde jedoch für seine Rolle als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Jonny Greenwood, der die Filmmusik zum Film beisteuerte, hat Chancen auf den Preis für die beste Filmmusik.

„Dune“ und „West Side Story“ bleiben unter den Erwartungen

Denis Villeneuves fast dreistündige Umsetzung des Science Fiction Stoffes rund um den Wüstenplanet „Dune“ ging ebenfalls um den prestigeträchtigen Preis für das beste Drama ins Rennen, Villeneuve selbst war für die beste Regie nominiert. Weitere Nominierungen blieben jedoch aus: Nur Hans Zimmer, der sich für die musikalische Komposition des Filmes verantwortlich zeigte, gewann am 9. Januar einen weiteren Golden Globe für seine Sammlung.

Spielbergs Version von Leonard Bernsteins Musical Klassiker „West Side Story“ konnte immerhin in drei Kategorien abräumen (beste Komödie/Musical, Rachel Zegler als beste Haupstdarstellerin und Ariana DeBose als beste Nebendarstellerin) – eine vergleichbar gute Ausbeute für den Film, der an den Kinokassen nicht für die erwünschten Erfolgte sorgte.

Außerdem auf der Nominierungsliste für den besten fremdsprachigen Film gelandet waren die viel diskutierten Filme von Pedro Almodóvar und Paolo Sorrentino. Am Ende setzte sich der japanische Film „Drive My Car“ durch.

Lady Gaga und Billie Eilish nominiert

Nach ihrem geglückten Schauspiel-Debüt in „A star is born“ war Pop-Ikone Lady Gaga erneut für eine schauspielerische Leistung nominiert — ihre Verkörperung der Patrizia Reggiani in „House of Gucci“. Pop-Kollegin Billie Eilish wurde für ihren Bond-Song „No time to die“ für den besten Film-Song ausgezeichnet.

Bei den Serien hat sich die HBO-Serie „Succession“ durchgesetzt — als beste Serie und mit Jeremy Strong als bestem Hauptdarsteller. Der koreanische Überraschungserfolg „Squid Game“ von Netflix, in dem anhand von brutalen Kinderspielen eine harsche Gesellschaftskritik gezeichnet wird, erhielt eine Auszeichnung für Oh Young-soo als bestem Nebendarsteller.

Außerdem ausgezeichnet wurden unter anderem Michael Keaton für seine Rolle in der Opioid-Drama-Serie „Dopesick“ und Kate Winslet für ihre Rolle in der Crime-Serie „Mare of Easttown“. Mit MJ Rodriguez wurde außerdem die erste Trans-Person in der Geschichte der Golden Globes ausgezeichnet — als beste Hauptdarstellerin in „Pose“. Die Serie taucht ein in die legendäre New Yorker Ball Culture der 1980er Jahre.

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Samira Straub