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„Generation 9/11“ im Doku-Porträt: Wie war das, als Papa starb?

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Wie ist das, wenn man sich an das vielleicht prägendste Ereignis des eigenen Lebens kaum noch oder gar nicht erinnert? Die Regisseurin Liz Mermin porträtiert in ihrer Dokumentation „Generation 9/11“ sieben junge US-Amerikaner*innen, die bei den Anschlägen vor 20 Jahren ihre Väter verloren haben.

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Ein Querschnitt der US-amerikanischen Gesellschaft

Dina, Ronald, Megan, Claudia, Fares, Nick, Luke und die anderen haben am 11. September 2001 ihre Väter verloren – ihr Leben, das Leben ihrer Familien sollte danach nicht mehr dasselbe sein. Insgesamt starben 105 werdende Väter an jenem Tag. Eine Qualität des Films ist es, dass er eine sehr heterogene, durchaus auch repräsentative Mischung quer durch die amerikanische Gesellschaft hinbekommt: Eher arm – eher wohlhabend, schwarz, weiß, republikanisch oder demokratisch denkend, hetero oder schwul – all diese Eigenschaften finden sich auch unter den sieben interviewten Jugendlichen.

Die zweiteilige Doku „Generation 9/11“ von Regisseurin Liz Mermin nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine Reise in die letzten 20 Jahre – und rekapituliert dabei auch 20 Jahre US- Innen- und Außenpolitik. Der von Präsident Bush ausgerufene „War on Terror“ wurde in anderen Teilen der Welt mit Misstrauen und Angst betrachtet, etwa im Jemen, aus dem einer der Protagonisten stammt. Doch die meisten der sieben jungen Erwachsenen bekommen davon nicht viel mit. Sie waren damals noch zu klein, um sich für Politik zu interessieren. Das Interesse entwickelte sich erst im Laufe der Zeit

Sie haben den 11. September 2001 selbst kaum erlebt

Ein Generationenbild will der Film sein, denn für einige der mittlerweile jungen Erwachsenen ist durchaus nicht klar, dass 9/11 eine solch große Bedeutung für sie hat. Das sei viel mehr die Geschichte seiner Mutter als seine, sagt beispielsweise Nick. Die Erfahrung der Black Lives Matter-Proteste und der Corona-Pandemie, auch das zeigt die Dokumentation, sind mindestens ebenso prägend für diese Generation.

Sehenswerte Dokumentation

Wird die Generation Z also anders mit den drängendsten Fragen der Zeit umgehen, als vergangene Generationen? Darauf weiß auch der Film keine Antwort. Einer der jungen Erwachsenen ist zur Armee gegangen, wie sein Vater, eine andere studiert Rechtsmedizin und will so der Gesellschaft dienen. Das Leben muss irgendwie weitergehen, sagt einer der Protagonisten. Das könnte auch als Überschrift über dieser sehenswerten Dokumentation stehen.

„Generation 9/11“ auf Arte:

„Generation 9/11“ wird in zwei Teilen am 31.8.2021 um 20:15 Uhr auf Arte ausgestrahlt und ist in der Arte Mediathek bis 28.12.2021 verfügbar.

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