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Gelungene Abschiebungskomödie: „Toubab“ mit Farba Dieng

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Statt bleischweres Sozialdrama ist der Debütfilm „Toubab“ von Florian Dietrich eine ziemlich witzige Komödie über die gar nicht leichten Themen Abschiebung und Homophobie. Hauptdarsteller Farba Dieng ist mit dem Film der Sprung vom Laien- zum begehrten Nachwuchsdarsteller gelungen. Für seine Rolle als Babtou hat er den Bayerischen Filmpreis 2021 als bester Nachwuchsdarsteller erhalten.

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Eine schwule Scheinehe, um der Abschiebung zu entkommen

Babtou ist kaum aus der JVA entlassen, schon wird er wieder verhaftet. Der junge Kleinkriminelle gerät in eine Schlägerei – dabei wollte er doch nur seinen Freund verteidigen. Statt Knast droht ihm dieses Mal die Abschiebung in den Senegal, einem Land, in dem er selbst noch nie gewesen ist und in dem er selbst ein „Toubab“ – ein „Weißer“ wäre.

In Florian Dietrichs Debütfilm „Toubab“ wird die drohende Abschiebung gerade nicht zum Anlass für ein schweres Sozialdrama, sondern zum Motor für eine bitterböse Komödie. Babtous Idee: Mit seinem besten Kumpel eine schwule Scheinehe eingehen.

Ein Schlaglicht auf Rassismus und Homophobie in Deutschland

Das Motiv der Scheinehe ist nicht neu, eher schon vielfach erzählt. Doch in „Toubab“ geht es um noch vielmehr:  Der Film wirft auch ein Schlaglicht auf das Themen Rassismus und Homophobie in Deutschland. 

Regisseur Florian Dietrich verlässt sich dabei ganz auf den charismatischen Laiendarsteller Farba Dieng, der als Schwarzer in Frankreich geboren und in Deutschland aufgewachsen ist. Entdeckt hat er ihn bei einem Straßencasting. 

Rassismus in Deutschland ist für Farba Dieng leider Alltag und er hofft, dass er mit seiner Verkörperung des „Babtou“  dem etwas entgegen setzen kann.

Farba Dieng (Foto: Photopress Müller)
Schauspieler Farba Dieng: „Rassimus gibt es. Jeder sollte die Augen aufmachen. Wenn man die Hautfarbe wegnimmt, die Herkunft wegnimmt, sind wir im Endeffekt alle gleich.“  Photopress Müller

Nötige „Street Credibility“ im Drehbuch

Das Drehbuch für seinen Debütfilm schrieb Florian Dietrich gemeinsam mit Arne Dechow. Mit ihm realisierte er viele Jahre im Jugendgefängnis Wiesbaden Theaterstücke. Und diese Innensicht auf die Schicksale männlicher Gefangener lässt den Film glaubwürdig erscheinen.

Er habe, aus der Perspektive des Art House- Kino-Besuchers formuliert, die nötige „Street Credibility“, sagt Florian Dietrich. Co-Autor Arne Dechow hofft, dass durch den Erfolg des auf der Straße gecasteten Hauptdarstellers Farba Dieng im deutschen Filmbusiness noch mehr in Bewegung kommt.

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