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Gefängnis-Dramaserie „Il Re“ mit Luca Zingaretti: Trauriger Einblick in italienischen Knastalltag

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Karsten Umlauf

Die Kriminalfilme um Commissario Salvo Montalbano (Luca Zingaretti) nach Geschichten von Andrea Camilleri sind im italienischen Fernsehen sehr beliebt. Jetzt ist Charakterdarsteller Luca Zingaretti in einer neuen Sky-Serie zu sehen, als Gefängnisdirektor, der seinen Knast mit absoluter Macht regiert. „Il Re“ – „Der König“ heißt die Serie, die auch einen traurigen realen Hintergrund hat: Die Zustände in italienischen Gefängnissen sind erbärmlich, vor einem Jahr erregte brutale Gewalt in einem Gefängnis bei Neapel Aufsehen.

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Sky-Serie "Il Re": Der Gefängnisdirektor Bruno Testori (Luca Zinaretti, vorne am Geländer) herrscht mit absoluter Macht über seine Insassen und setzt seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit durch. (Foto: Sky)
Sky-Serie "Il Re": Der Gefängnisdirektor Bruno Testori (Luca Zinaretti) herrscht mit absoluter Macht über seine Insassen und setzt seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit durch. Sky

Raue Sitten im italienischen Knast

Ein Gefangener hängt nackt kopfüber an einem Dachvorsprung, gehalten von mehreren Gefängniswärtern. Es geht rau zu im Gefängnis San Michele. Ein Denkzettel von Direktor Bruno Testori dafür, dass der Gefangene vorher einen Wärter angegriffen hatte. "Hier drin mache ich was ich für richtig halte", sagt Testori, und sein Sinn für Gerechtigkeit hat mit bürokratischen Vorgaben, Menschenrechtsbestimmungen oder ähnlichem nicht unbedingt was zu tun. Insassen werden mit alter Abhörtechnik auf Schritt und Tritt kontrolliert, Spitzel erstatten Bericht. Drogenhandel wird mehr als geduldet, weil er die Gefangenen ruhig hält.

Der König gerät ins Wanken

Ein Sadist ist Testori nicht, aber er hat seinen Laden mit ruhiger, harter Hand im Griff: ein buntes Sammelsurium von komplizierten Kriminalfällen. Als sein Freund, der Lagerkommandant Iaccarino im Gefängnis ermordet wird, geraten die Dinge ins Rutschen, erst recht, als kurz darauf ein vertrauter Gefangener angeblich Selbstmord begeht. Die Staatsanwältin rückt Testori auf die Pelle. „Il Re“, „Der König“ wankt, aber er fällt nicht.

 Tribut an Colonel Kurtz aus Coppolas „Apocalypse Now"

Mit Bruno Testori haben die Autorinnen um Peppe Fiori und Stefano Bises eine zwiespältig schillernde Figur erfunden. Anklänge an Colonel Kurtz aus Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now" sind beabsichtigt. Testori ist vielleicht nicht so wahnsinnig, aber genau so überzeugt, dass sein moralischer Kompass in die richtige Richtung zeigt. Ein Mann, der in sich gefangen ist, ohne damit ein größeres Problem zu haben.

Luca Zingaretti verkörpert ihn mit einer faszinierenden Mischung aus Empathie und Kälte, Berechnung und Sorge. Wie überhaupt das Ensemble mit seinen gemeißelten italienischen Gesichtszügen stark aufspielt. Innerhalb der roten Ziegelmauern und der veralteten Zellentrakte herrscht bei „Il Re" 70er-Jahre-Retroatmosphäre, filmisch hat sich Regisseur Giuseppe Gagliardi an Vorbildern wie Martin Scorsese oder Brian DePalma orientiert.

Brutale Gewalt regiert in italienischen Gefängnissen

Das Ganze hat auch einen traurigen realen Hintergrund: Die Zustände in italienischen Gefängnissen sind erbärmlich, vor einem Jahr erregten Vorfälle von brutaler Gewalt gegen Insassen in einem Gefängnis bei Neapel Aufsehen. Überbelegung, Diskriminierung, schlechte Organisation. Die Serie greift das auf und stellt Fragen, die aus den Gefängnismauern quasi in die moderne Gesellschaft diffundieren: wie geht man mit potentiellen Bedrohungen um, wie organisiert man das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf begrenztem Raum? Angebote von moralisch und politisch fragwürdigen Führungsfiguren gibt es, aber sie sind mit Sicherheit kein Königsweg.

Trailer „Il Re“ auf Sky

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