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Jean-Luc Godard ist auch 70 Jahre nach seinem atemberaubenden Debüt „Außer Atem" ein Provokateur und Erneuerer seines Mediums geblieben. Weiterhin dreht er wache zeitgenössische Werke. Erst 2018 feierte „Das Buch des Bildes“ bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere. Nun wird der Mitbegründer der „Nouvelle Vague“ 90 – und bleibt der beste lebende Regisseur.

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Die Geburt des europäischen Kinos

Jean Luc Godard hat das Kino gleich mehrfach revolutioniert. Ende der 50er Jahre wurde er mit einigen meist gleichaltrigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern zum Begründer der Nouvelle Vague, der „Neuen Welle" Frankreichs. Jetzt erst unterschied sich das Kino Europas von Hollywood.

Regisseur Jean-Luc Godard wird 90 (Foto: Imago, indiv)
Regisseur und Drehbuchautor Jean-Luc Godard wird am 3. Dezember 2020 90 Jahre alt. Wir blicken zurück auf ein paar der Filme, die ihn zu einem der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte machten. Imago indiv Bild in Detailansicht öffnen
In einer Villa auf Capri wurde 1963 „Die Verachtung“ gedreht, eine Romanverfilmung nach Moravia, in der Brigitte Bardot eine der Hauptrollen spielt. Imago United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Godard selbst tritt im Film in einer Nebenrolle auf, in der er den Assistenten von Fritz Lang mimt. Imago imago stock&people Bild in Detailansicht öffnen
In „Die Außenseiterbande“ aus dem Jahr 1964 findet das Hausmädchen Odile, gespielt von Godards Frau Anna Karina, eine große Menge frei zugängliches Bargeld. Imago United Archives / kpa Bild in Detailansicht öffnen
Sie wird zur Komplizin von Franz (Sami Frey) und Arthur (Claude Brasseur), die einen Einbruch in das Haus planen, der jedoch nicht so abläuft, wie geplant. Imago United Archives Bild in Detailansicht öffnen
“Rette sich, wer kann (das Leben)“ feierte 1980 auf den Filmfestspielen von Cannes Premiere und handelt von den verstrickten Geschichten dreier Protagonist*innen. Imago indiv Bild in Detailansicht öffnen
Als bereits zu Beginn des Films in einer Szene mit Paul (Jacques Dutronc) die „Selbstmordarie“ aus Ponchiellis Oper La Giocona ertönt, ist dies ein verheißungsvolles Zeichen für den späteren Tod des Protagonisten. Imago United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 1983 waren gleich drei Filme auf dem Markt, die sich des berühmten Carmen-Stoffes bedienten. Godards Adaption lehnt sich allerdings nur lose an den Stoff an. Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
So ist die Carmen-Musik von Georges Bizet im Film nur wenige Sekunden zu hören, stattdessen stehen Streichquartette von Beethoven im Fokus. Imago Ronald Grant Bild in Detailansicht öffnen
Doch Godard ist nicht nur für seine Spielfilme bekannt: In den späten 80ern beginnt er ein achtteiliges Filmprojekt mit dem Titel „Histoire(s) du cinéma“, in dem er das Konzept und die Geschichte des Kinos untersucht. Imago Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
Rund zehn Jahre später stellte er die über vier Stunden andauernde Reihe fertig, die bis heute eines seiner komplexesten Werke darstellt. Imago Mary Evans Picture Bild in Detailansicht öffnen
Über 40 Spielfilme und zahlreiche Kurzfilme hat Jean-Luc Godard bis heute gedreht. Wir wünschen weiterhin alles Gute! Imago Leemag Bild in Detailansicht öffnen

Neue Leichtigkeit beim Filmemachen

Godard übersetzte den Begriff des Autorenfilms in die Praxis und machte ihn für die neuen technischen Möglichkeiten fruchtbar: Raus aus den Studios und einfach mit Freundinnen und Freunden Filme machen.

Auf einmal waren Filme nicht mehr nur die Fortsetzung des Theaters mit anderen Mitteln, sondern sie handelten unmittelbar vor der konkreten Realität der jungen Generation der Nachkriegszeit: Von ihren Sorgen, aber vor allem von ihren Träumen und Begierden, ihrer Mode und ihrer Musik.

Kino als Teil der Pop-Kultur

Kino wurde plötzlich Teil der Pop-Kultur. Und zugleich wurde es intellektuell: Godards Themen, mit leichter Hand inszeniert, sind die Weltgeschichte, die Filmgeschichte, Philosophie, Psychologie, Soziologie. Schließlich war Godard immer schon ein selbstkritischer, mit sich hadernder Filmemacher, einer, der sich mit jedem Film selber neu erfand.

Heute ist Godard Seele und Weltgeist der Kinokunst, der beste lebende Regisseur. Wer sollte es sonst sein, wenn nicht er? Es gibt viele sehr gute Regisseure, aber keine zweiten Godard.

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