Filmkritik The Sisters Brothers - ein schräges Killerpaar

Von Rüdiger Suchsland

Die Psyche des modernen Mannes erkundet der französische Regisseur Jacques Audiard in Form eines Westerns mit Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal. "The Sisters Brothers" erzählt von zwei ungleichen Brüdern, die im Jahr 1851, der Zeit des großen Goldrauschs, als Auftragskiller unterwegs sind.

Komödie über ein schräges Killer-Brüderpaar

Zwei Brüder, Kopfgeldjäger und Profikiller, sind die beiden schrägen Helden dieses überaus merkwürdigen Films. Zwei Traumatisierte, zwei, die aufeinander aufpassen. Ein sehr ungleiches Paar: Der jüngere Eli ist ein Zweifler, der andere, Charlie, immer unbekümmert und gut gelaunt.

"The Sisters Brothers" ist eine Komödie über Killer. Und es ist ein harter Western über die Absurditäten des Lebens, nicht nur im Wilden Westen.

Ein Franzose dreht einen uramerikanischen Western

Außerdem ist dies der seltene und sehr riskante Versuch eines europäischen Filmemachers, des Franzosen Jacques Audiard, einen Film im Rahmen des amerikanischsten Film-Genres zu drehen, das es überhaupt gibt: Des uramerikanischen Western.

Audiard, der vor ein paar Jahren für den Flüchtlingsfilm "Dheepan" in Cannes die Goldene Palme gewann, ist kein ganz typischer französischer Filmemacher. Die amerikanische Erzählweise war ihm schon immer nahe und darum beginnt sein Film auch erst einmal ganz typisch, geradezu konventionell, in den Fahrwassern der Western-Klischees.

Kinostart 08.03. The Sisters Brothers von Jacques Audiard

Oregon im Jahre 1851: Die Sisters Brothers Eli und Charlie sind berühmt berüchtigt. (Foto: WildBunch -)
Oregon im Jahre 1851: Die Sisters Brothers Eli und Charlie sind berühmt berüchtigt. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Der Ältere von Beiden, Eli (John C. Reilly), gilt als ruhig und überlegt. Er ist der Kopf des Duos. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Sein jüngerer Bruder Charlie (Joaqin Phoenix) jedoch ist ein Hitzkopf und kampflustiger Trinker. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Wohin sie auch gehen, Leichen pflastern ihren Weg. Dabei machen sie auch vor Unschuldigen keinen Halt. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Der nächste auf ihrer Liste ist Hermann Warm (Riz Ahmed), der eine Formel zum einfachen Goldwaschen erfand. Die Sisters-Brüder wollen ihn aus dem Weg schaffen und die Formel in den Besitz des Commodore bringen. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Ebenfalls unterwegs zu Warm ist jedoch der Kontaktmann der Sisters-Brüder, Jim Morris (Jake Gyllenhaal), der ganz eigene Ziele verfolgt. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Als die Vier schließlich aufeinandertreffen, geht es allen voran um Leben und Tod. WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Jaques Audiard (rechts) arbeitete für den Film erstmals mit amerikanischen Schauspielern zusammen, was er sehr genoss: "Diese Schauspieler kommen super vorbereitet ans Set und wissen, wie nahe ihre Figur dem Leben ist. Sie haben sich genau informiert, wie diese Figur sich hinsetzt und wie sie sich in Gesellschaft anderer verhält – ob sie nun jemanden anblickt oder nicht, wenn sie mit ihm spricht. Sie wissen, wo die Kamera steht und warum, sie wissen immer, wie man sich optimal in Szene setzt, sie wissen, welche Einzelheiten ihres Ausdrucks eingefangen werden. Ich fand das beeindruckend, einfach mitreißend." WildBunch - Bild in Detailansicht öffnen

Blutige Spur durch Amerikas Südwesten

Im Jahr 1851, der Zeit des großen Goldrauschs, suchen die zwei Brüder einen Mann namens Warren, der angeblich eine chemische Formel gefunden, hat um einfacher als bisher Gold zu finden. Und während sie eine blutige Spur durch den Südwesten Amerikas ziehen, töten und foltern, wachsen die Zweifel, ob es so weitergehen kann.

Glänzend: John C. Reilly und Joaquin Phoenix

Dies ist vor allem großes Schauspielkino: John C. Reilly und Joaquin Phoenix glänzen als die Brüder, die in ihrer Jugend unter ihrem gewalttätigen Vater gelitten haben. Jake Gyllenhaal spielt den Privatdetektiv, der für sie einen Chemiker aufspüren soll. Aber irgendwann beginnt der auf eigene Rechnung zu arbeiten.

John C. Reilly und Joaquin Phoenix glänzen als die Brüder Eli und Charlie Sisters. (Foto: WildBunch -)
John C. Reilly und Joaquin Phoenix glänzen als die Brüder Eli und Charlie Sisters. WildBunch -

Mit den klassischen Western, wie sie John Ford, Howard Hawks und Anthony Mann drehten, hat das nicht viel zu tun. Sie sind eher als Zitate vertreten. Stattdessen ist der Western hier schon längst zu Ende und dient als Folie, auf der die Psyche des modernen Mannes verhandelt wird.

The Sisters Brothers - ein lustiger, wahnwitziger Film

Dazu müssen alle in diesem Film viel reden und zwischendurch natürlich schießen. "The Sisters Brothers" ist ein so lustiger wie wahnwitziger Film. Ein bisschen Komödie, ein bisschen harter Western. Ganz geht diese Kombination aber nicht auf.

Dauer
STAND