Filmkritik Spider-Man: Far From Home

Von Julia Haungs

Der 23. Superhelden-Film des Marvel-Universums „Spider-Man: Far from Home“, inszeniert von Jon Watts, erzählt von einem verliebten 16-Jährigen, der einfach in Ruhe die Klassenfahrt nach Venedig genießen möchte. Stattdessen soll er wie gewohnt eben mal schnell die Welt retten.

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Der junge Spider-Man ist ein Zauderer

„Bereit sein“ ist alles, heißt es schon bei Hamlet. Doch wie der Dänenprinz ist der junge Spiderman Peter Parker ein Zauderer. Zur Erinnerung: Im Vorgängerfilm „Avengers: Endgame“ starb der geniale Tüftler Tony Stark alias Ironman, der die Avengers anführte.

„Spider-Man: Far from Home“ spinnt die Geschichte weiter. Peter Parker trauert um seinen Mentor und fühlt sich in keiner Weise bereit, in dessen große Fußstapfen zu treten.  

Keine Lust die Welt zu retten

Die Superheldentruppe braucht jedenfalls dringend einen neuen Anführer oder zumindest einen, der kurzfristig verhindert, dass die Welt mal wieder zerstört wird. Peter passt das nur gar nicht. Denn eigentlich will der 16-Jährige diesen Sommer einfach in Ruhe die Klassenfahrt nach Venedig genießen und seiner Mitschülerin MJ seine Liebe gestehen.

Ermüdungserscheinungen bei den Superhelden

Was ihm aber mindestens so schwer vorkommt wie eben mal schnell die Welt zu retten. Deswegen erteilt er Nick Fury, dem furchteinflößenden Dienstplanmacher der Avengers, erstmal eine Absage. 

Nach 22 Marvel-Filmen machen sich offenbar auch bei den Superhelden gewisse Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der Film greift sie mit einem Augenzwinkern auf.

Kinostart 4.7. Spider-Man: Far from home von Jon Watts

Tom Holland als Peter Parker in Spider-Man (Foto: Sony Pictures -)
Peter Parker (Tom Holland) möchte sein Superhelden-Dasein ein paar Wochen hinter sich lassen. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit seinen Freunden (v.l.n.r.) MJ (Zendaya), Ned (Jacob Batalon) und dem nervigen Flash (Tony Revolori) geht es auf Klassenfahrt nach Europa. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Die heile Welt wird jedoch jäh von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gestört, der Peters Trip unterwandert. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit seiner Assistentin Maria Hill (Cobie Smulders) braucht Fury die Hilfe von Spider-Man: er soll mysteriöse Angriffe von Monstern aufklären, die aus Elementen bestehen. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Hilfe bekommt Spider-Man dabei von Mysterio (Jake Gyllenhaal), der seine Heimat an die Monster verloren hat und Rache schwört. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem nimmt Mysterio den nach den Ereignissen in "Avengers: Endgame" noch aufgewühlten Peter Parker unter seine Fittiche. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Gemeinsam verfolgen sie im Film, der die Fortsetzung von „Spider-Man: Homecoming“ aus dem Jahr 2017 ist, ihre Widersacher quer durch Europa. Sony Pictures - Bild in Detailansicht öffnen

Der Film startet als leichtfüßige High School Romantic Comedy

Anders als in den verlustreichen All Star Team-Schlachten in „Avengers: Endgame“ beginnt „Spiderman“ als leichtfüßige High School Romantic Comedy. Vor Europas schönsten Postkarten-Motiven vom Markusplatz in Venedig bis zur Prager Karlsbrücke wird viel gekichert, geflüstert und unbeholfen geflirtet. Klassenfahrt eben.

Wasser- und Feuer-Monster bedrohen Europas Altstädte

Aber natürlich kann Peter Parker die ersehnte Normalität nicht lange genießen. An der Seite von Superheld Quentin Beck, dem Jake Gyllenhaal ein freundlich-vertrauenswürdiges Gesicht gibt, muss Spiderman gegen elementare Urgewalten kämpfen. In Gestalt riesiger Wasser- und Feuer-Monster bedrohen sie Europas Altstädte.

Samuel L. Jackson als Nick Fury in Spider-Man (Foto: Sony Pictures -)
Die heile Welt wird jedoch jäh von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gestört, der Peters Trip unterwandert. Sony Pictures -

Der neue Spiderman Tom Holland überzeugt 

Der 23-jährige Brite Tom Holland ist in 17 Jahren der dritte Schauspieler der ins Spinnenkostüm des ewigen Teenies Peter Parker steigt. Als ehemaliger Tänzer und Turner gibt Holland ihm eine absolut überzeugende Physis, und auch den schüchternen, verliebten Jüngling nimmt man ihm ab.

Man hätte ihm und seinen lustigen Co-Stars gerne auch noch länger bei ihren Herzschmerz-Problemen zugesehen. Aber so langsam Regisseur Jon Watts die erste Hälfte des Films anlegt, so rasant gestaltet er die zweite, in der der junge Held weitgehend auf sich allein gestellt ist.

How i met your Mother Star Colbie Smulders in Spiderman. (Foto: Sony Pictures -)
Nick Fury (Samuel L. Jackson), Assistentin Maria Hill (Cobie Smulders) und Spider-Man (Tom Holland) Sony Pictures -

Den Zuschauern fliegt halb Europa um die Ohren

In routiniert spektakulären Actionszenen fliegt den Zuschauern halb Europa um die Ohren. Die interessanteren Kampf-Szenen sind allerdings die, die in psychedelisch anmutende Phantasien abtauchen.

In diesen alptraumhaften Sequenzen webt der Film ein dichtes Netz aus Illusionen. Was ist real? Was Inszenierung? An welche Gewissheiten kann man sich im Zeitalter von Fake News überhaupt noch halten?

Würdiger Abschluss der Avengers-Infinity-Saga

In „Spider-Man: Far from Home“ sind nicht einmal Superhelden vor ihnen geschützt. Mit dieser Doppelbödigkeit zieht der Film eine Metaebene ein, die ihn zu einem würdigen Abschluss der Avengers-Infinity-Saga macht.

Man sollte auf jeden Fall bis zur letzten Minute des sehr langen Abspanns sitzen bleiben. Denn der hält noch einmal zwei Twists bereit, die alles Gesehene hinterfragen.

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