Kino Filmkritik: "Ein königlicher Tausch" von Marc Dugain

Royaler Menschenhandel

Der französische Regisseur Marc Dugain kam auf Umwegen zum Film. Er schrieb acht Bestseller-Romane, zwei davon verfilmte er selbst. Sein aktueller Film „Ein königlicher Tausch“ schildert wie vier Kinder im 18. Jahrhundert durch eine Doppelhochzeit das Verhältnis zwischen Spanien und Frankreich befrieden sollten.

Prinzessinnen-Austausch

Ein genau durchchoreographiertes Hofzeremoniell begleitet den Austausch der beiden Prinzessinnen. Und doch wirkt es wie ein Geisel-Austausch, wenn die beiden Mädchen an einem farblich zweigeteilten Teppich auf die jeweils andere Seite wechseln.

All das feierliche Gewese kaschiert kaum, um was es sich hier handelt: ein machtpolitisches Tauschgeschäft zwischen den verfeindeten Königshäusern Spanien und Frankreich.

Kinderhandel zwischen europäischen Königshäusern

Der Herzog von Orleans, der für seinen 11-jährigen Neffen Ludwig XV. das Land regiert, hat es 1721 eingefädelt. Seine eigene Tochter, die 12-jährige Louise Elisabeth, verschachert er an den spanischen Thronfolger, den 14-jährigen Don Luis. Dessen 4-jährige Schwester soll im Gegenzug die zukünftige Königin von Frankreich werden.

Spielbälle der Politik

Regisseur Marc Dugain beschäftigt sich in „Ein königlicher Tausch“ mit einem vergessenen Kapitel der europäischen Geschichte. Die Schicksale dieser vier Kinder, die zum Spielball der Politik werden, verfolgt er mit großer Anteilnahme und arbeitet das Unmenschliche dieser früh arrangierten Ehen heraus.

Kinostart 28.02. Ein königlicher Tausch von Marc Dugain

Frankreich, 1721: Damit der Frieden mit Spanien wiederhergestellt wird, fädelt Regent Herzog Philipp (Lambert Wilson)einen gewagten Prinzessinnentausch ein. (Foto: alamode Film -)
Frankreich, 1721: Damit der Frieden mit Spanien wiederhergestellt wird, fädelt Regent Herzog Philipp (Lambert Wilson) einen gewagten Prinzessinnentausch ein. alamode Film - Bild in Detailansicht öffnen
Die vierjährige Infantin Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau) aus Spanien soll Ludwig den XV. heiraten, die ältere Ellisabeth (Maya Sansa) soll den spanischen Kronprinzen zum Gemahl nehmen. alamode Film - Bild in Detailansicht öffnen
Der Regent verspricht sich vom Tausch endlich anhaltenden Frieden. Doch dabei hat er die Rechnung ohne die Vermählten gemacht, die ihren eigenen Willen haben. alamode Film - Bild in Detailansicht öffnen
Obwohl die kleine Maria alle am französischen Hof für sich begeistern kann, bringt die Ehe Probleme mit sich. Das Volk wünscht sich Kinder, was für viele Jahre ausgeschlossen bleibt. alamode Film - Bild in Detailansicht öffnen
Während Maria das Leben in Frankreich auf den Kopf stellt, ist Elisabeth in Spanien mehr als nur unglücklich. Sie weigert sich, bei ihrem Ehemann zu schlafen und erregt so die Gemüter. alamode Film - Bild in Detailansicht öffnen

Permanente Überforderung

Lange verweilt die Kamera auf den weichen Gesichtern. Sie spiegeln die Einsamkeit, die Ängste, die permanente Überforderung der kindlichen Herrscher. Während die Jüngste ihr Schicksal, mit vier Jahren allein in ein fremdes Land geschickt zu werden, mit frühreifer Ernsthaftigkeit annimmt, hadern die anderen.

Die Infantin Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau) in "Ein königlicher Tausch" (Foto: alamode Film -)
Die Infantin Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau) alamode Film -

Pubertierende, mit null Bock auf gar nichts

Der verträumte Ludwig zieht sich völlig zurück und verzweifelt an der Aufgabe, ohne große Kenntnisse ein Reich zu regieren. Der unsichere Luis weiß nicht, wie er sich seiner Gattin nähern soll. Diese rebelliert am strengen spanischen Hof gegen alle an sie gestellten Ansprüche: eine Pubertierende, die null Bock auf gar nichts hat.

Historische Königinnen boomen in TV und Kino

Dramen über historische Königinnen liegen stark im Trend. Im Fernsehen feiert die Serie „The Crown“ Erfolge. Im Kino laufen Josie Rourkes „Maria Stuart“ und „The Favourite“ von Yorgos Lanthimos. Die Herangehensweisen an die historischen Stoffe könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein.

Konventioneller Kostümfilm

„The Favourite“ nutzt das Historiendrama, um mit überbordender Exzentrik eine heutige Geschichte von starken Frauen zu erzählen. „Ein königlicher Tausch“ bleibt dagegen sowohl erzählerisch als auch visuell in den Bahnen des konventionellen Kostümfilms.

Mit genauem Blick erzählt Dugain von der Ohnmacht der Frauen in einem patriarchalischen System. Prinzessinnen sind einzig zum Heiraten da und zum Aufrechterhalten der Dynastie, heißt es an einer Stelle: eine Ware, die zurückgeschickt werden kann, wenn sie nicht gefällt.

Hervorragende Kinderdarsteller

Der Film ist opulent ausgestattet und stilvoll in Szene gesetzt. Sehenswert machen ihn vor allem die hervorragenden jungen Darsteller, die die Unmöglichkeit zeigen, als Kinder die riesige Verantwortung zu tragen, die die Monarchie ihnen aufbürdet.

Melancholische Bilder von Tod und Verfall untermalen dieses stimmige Sittengemälde der untergehenden Monarchie.

Dauer
STAND