Deutsches Roadmovie „25 km/h“ mit Lars Eidinger und Bjarne Mädel

Von Julia Haungs

Bei der Beerdigung ihres Vaters stehen sich die Brüder Georg (Bjarne Mädel) und Christian (Lars Eidinger) nach Jahrzehnten erstmals wieder gegenüber. Doch statt einer herzlichen Umarmung gibt’s erstmal ein paar aufs Maul.

Zum Wiedersehen eine Keilerei

Bei Georg hat sich mächtig viel Hass auf den jüngeren Bruder angestaut. Der hat ihn damals mit dem schwierigen Vater im Schwarzwald sitzen lassen, um als Topmanager Karriere zu machen.

Quer durch Deutschland auf klapprigen Mofas

Als Christian auf dem Dachboden des Elternhauses die Tischtennisplatte entdeckt, taut Georg langsam auf. Die beiden liefern sich ein Match wie in alten Zeiten. Irgendwann liegen sie betrunken unter der Platte und entdecken eine alte Karte, auf der sie als Jugendliche die Regeln für eine Reise aufgestellt haben, die sie dann nie gemacht haben:

Spontan holen sie die klapprigen Mofas aus dem Schuppen und knattern los. Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg schicken ihre Easy Rider mit „25 km/h“ vom Schwarzwald bis an die Ostsee.

Dauer

Reise in die eigene Vergangenheit

Natürlich ist diese Reise quer durch Deutschland vor allem eine Reise in die eigene Vergangenheit. Alte Verletzungen kommen hoch, die Trauer um verpasste Lebenschancen, die plötzliche Hoffnung, doch noch etwas ändern zu können. Ein Midlife-Crisis-Trauerspiel ist der Film dennoch nicht, sondern ein durchaus komischer Selbsterfahrungstrip.

Die ungleichen Brüder stolpern von einer kuriosen Episode zur nächsten: auf einem Weinfest überzeugen sie als Könige des Stepptanzes, auf dem Campingplatz bestreiten sie ein episches Tischtennismatch gegen einen furchteinflößenden Bodybuilder und auf einem nächtlichen Ökofestival diskutieren sie mit anderen die großen Fragen des Lebens.

Bilder aus dem Film „25 km/h“ von Markus Goller

Bjarne Mädel und Sandra Hüller in dem Film 25 kmh. (Foto: sony pictures -)
Auf der Beerdigung seines Vaters trifft Georg (Bjarne Mädel) Tanja (Sandra Hüller). Und zum ersten mal seit 30 Jahren sieht er seinen Bruder wieder, mit dem er sich zerstritten hatte. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Während Georg seinen Vater bis zuletzt pflegte, war sein Bruder als erfolgreicher Manager in Europa unterwegs. Georg hat ihm nie verziehen, dass er ihn mit der Situation allein ließ. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer von Alkohol geprägten Nacht finden die Brüder Georg und Christian (Lars Eidinger) wieder zueinander. Die beiden beschließen eine Mofa-Tour zu machen, von der sie mit 16 immer geträumt hatten. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Noch in der selben Nacht brechen Christian und Georg völlig betrunken auf. Das Ziel: einmal quer durch Deutschland. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Verkatert stellen die Brüder am nächsten Tag fest, dass sich so ein Trip mit über 40 eher unbequem gestaltet. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Doch die Brüder fahren unermüdlich weiter und erleben auf ihrer Mofatour allerhand kuriose Situationen. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Nach und nach stellen Georg und Christian fest, dass es bei ihrem Trip nicht nur um die Reise als solche geht, sondern auch darum, den Weg zueinander wieder zu finden. sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Markus Goller schätzte bei der Produktion vor allem die Freiheit: "Bei dem großartigen Cast zeigt sich wieder die Freiheit, als Produzent selbst entscheiden zu können. Bei der Filmmusik genauso." sony pictures - Bild in Detailansicht öffnen

Der Film lebt vom Zusammenspiel von Lars Eidinger und Bjarne Mädel

Abgesehen von der Tatsache, dass beide Brüder in einer Lebenskrise stecken und die Annäherung nach Jahren der Entfremdung schwierig ist, hat „25 kmh“ im Grunde keinen Konflikt. Der Film lebt vom Zusammenspiel von Lars Eidinger als hochtourigem Alphatier und Bjarne Mädel als schüchternem Melancholiker. Beide Schauspieler porträtieren ihre Figuren mit großer Natürlichkeit, zeigen ihre Verletzlichkeit genauso uneitel wie ihren Hüftspeck.

Stargespickt bis in die Nebenrollen

Die Spiellust und die feine Selbstironie des Duos hilft dem Film aus manch klischeebeladener Verlegenheit und sorgt dafür, dass man ihnen gerne auf diesen Roadtrip folgt. Dazu kommt ein bis in die Nebenrollen stargespicktes Ensemble, ein exzellenter Soundtrack und natürlich die Mofas! Sie verleihen dem Ganzen einen sympathischen Retrocharme, der beweist: Für die große Freiheit muss es gar nicht immer der Highway und die Harley sein. Manchmal reichen eine Landstraße, ein Mofa und ein paar abseitige Ideen.

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