Gespräch

Filmfestival San Sebastián – Ein neuer Blick auf den französischen Claude Regisseur Sautet

STAND
INTERVIEW
Philine Sauvegeot

„Er war ein Solitär auf seine Art, also hat nirgendwo ganz reingepasst“, sagt SWR2-Filmkritiker Rüdiger Suchsland über den französischen Regisseur Claude Sautet (1924-2000), dem das Filmfestival San Sebastián 2022 eine Retrospektive widmet. Sautet gilt als wichtiger Vertreter des französischen Films und drehte regelmäßig mit bekannten Schauspielern wie Romy Schneider und Michel Piccoli.

Audio herunterladen (6,3 MB | MP3)

Keine klaren filmischen Aussagen

„Angesichts der Dissonanz die Ruhe bewahren“ – so lautet die Inschrift auf dem Grabstein des französischen Filmregisseurs Claude Sautet. Die Filme von Claude Sautet sind tatsächlich sehr ruhig inszeniert und gleichzeitig von Dissonanzen, dem Fragmentarischen und Ambivalenten geprägt, sagt Rüdiger Suchsland. Sautets Filme hätten keine klaren Aussagen oder klare Weltsicht.

Filme von Claude Sautet in Bildern:

Filmstill des Claude Sautet-Films "Die Dinge des Lebens" (Foto: IMAGO, IMAGO / United Archives)
Wie in vielen weiteren Filmen von Claude Sautet übernehmen Romy Schneider und Michel Piccoli in „Die Dinge des Lebens“ aus dem Jahr 1969 die Hauptrollen. Der Film erhielt im gleichen Jahr den Louis-Delluc-Preis. IMAGO / United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Patrick Dewaere in einer Szene aus „Der ungeratene Sohn" von 1980. Der Film gewann 1981 einen César in der Kategorie Bester Nebendarsteller und war in mehreren Kategorien nominiert. Er handelt von den Problemen eines jungen Mannes, der nach fünf Jahren im Gefängnis wieder in die Freiheit zurückkehrt. IMAGO / United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Erneut ist Romy Schneider an der Seite von Michel Piccoli zu sehen in „Das Mädchen und der Kommissar“. In diesem Kriminalfilm aus dem Jahr 1971 verleitet ein ehrgeiziger Kommissar mit Hilfe einer Prostituierten eine Gruppe kleiner Gauner zu einem Banküberfall, bei dem sie geschnappt werden. IMAGO / United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Michel Piccoli und Yves Montand im Drama „Vincent, François, Paul und die anderen“ aus dem Jahr 1974. Der Film handelt von einer Männerfreundschaft, die durch verschiedene Schicksalsschläge auf die Probe gestellt wird. IMAGO / United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Michel Serrault und Emmanuelle Beart in einer Szene aus „Nelly & Monsieur Arnaud“. Der letzte Film von Claude Sautet handelt von einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen einer jungen Kellnerin und einem alten Richter und erhielt unter anderem den Louis-Delluc-Preis als beste französische Kinoproduktion des Jahres 1995. IMAGO / United Archives Bild in Detailansicht öffnen

Oft stehen Männer im Mittelpunkt der Filme von Sautet. Aber eine Ambivalenz zeige sich auch hier, so Rüdiger Suchsland. Denn seine Frauenfiguren seien zum einen den Männern meist überlegen und zum anderen fungierten sie als eine Art „Wahrheitsspiegel für die Männer“.

Frauen als gleichberechtigte Figuren

Die Männer in Sautet-Filmen seien oft passive, zurückhaltende oder gar lächerliche Figuren. Sautet habe Frauen gleichberechtigt gesehen und ihnen auch filmisch die stärkeren und attraktiveren Parts gegeben.

Kino Französische Filmtage 2021 Tübingen-Stuttgart: Von Céline Dion bis Cinéma d'auteur

Nach corona-bedingten Online-Alternativen melden sich die Französischen Filmtage 2021 als richtiges Filmfestival zurück. Gezeigt werden rund 100 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus dem französischen Sprachraum: Frankreich, Belgien, Afrika oder der kanadischen Provinz Québec, der in diesem Jahr ein Schwerpunkt gewidmet ist. Den Auftakt macht ein Biopic, frei inspiriert vom Leben der Balladenkönigin Céline Dion.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Jean-Luc Godard ist tot: Stirbt mit ihm das Kino?

Eine Ära geht zu Ende, mit dem Tod von Jean-Luc Godard. Am 13. September ist der französische Filmemacher gestorben. Einer der wichtigsten Filmregisseure überhaupt war er, einer, der das europäische Kino revolutioniert hat.

Ein Genie, das man nicht imitieren kann, sagt der Filmregisseur Volker Schlöndorff. Er hat in den 60er Jahren die jungen Wilden der „Nouvelle Vague“ als Filmassistent miterlebt. Godard sei einer, „der konnte nicht anders“: „Er lebte in seiner eigenen Welt. Er war nicht kommunikativ. Er lebte von und für das Kino.“

Aber ist er ab jetzt einfach ein Klassiker unter anderen Klassikern? Der Kulturtheoretiker und Autor Klaus Theweleit glaubt das nicht, er wünscht sich nur mehr Mut bei neuen Produktionen: „Die Filme, die man heute sieht, sind ja nicht schlecht gemacht. Das sind perfekt gemachte Filme, aber wir kennen eigentlich alles, was wir angeboten bekommen.“ Was wir jetzt im Kino oder auf Streaming-Plattformen gezeigt bekommen, sei immer „auf’s Auge gehauen“.
Die Art von Kino, die Godard gemacht habe, nennt Theweleit: „Was man mit Augen nicht sehen kann. Godard gibt uns Einblick in verborgene Realitäten.“

Mehr zum Thema Filme bei "Was geht - Was bleibt?" findet ihr hier: https://www.ardaudiothek.de/episode/was-geht-was-bleibt-zeitgeist-debatten-kultur/globalisierung-auf-dem-filmmarkt-wo-bleibt-deutschland/swr2/10624499/

Habt ihr noch mehr Themen, die wir uns dringend anschauen sollten? Schreibt uns an kulturpodcast@swr.de
Host: Kristine Harthauer
Redaktion: Kristine Harthauer und Max Bauer  mehr...

STAND
INTERVIEW
Philine Sauvegeot