Kommentar

Filmfestival Max Ophüls: „Moneyboys“ von C.B.Yi ist der Hauptgewinner in Saarbrücken

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INTERVIEW

„Moneyboys“ von C.B.Yi ist der Hauptgewinner beim 43. Filmfestival Max Ophüls in Saarbrücken. Den Publikumspreis erhielt „Everything Will Change“ von Marten Persiel, der das Festival vor 10 Tagen eröffnet hatte.

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Eine Auseinandersetzung des Regisseurs mit seinem Heimatland

„Moneyboys“ heißt der große Sieger in Saarbrücken: Der Film gewann nicht allein den rennomierten Max-Ophüls-Preis, sondern auch den ebenfalls hochdotierten Drehbuchpreis sowie den Preis der ökomenischen Jury.

Dieser Film ist ein ganz besonderer Fall. Der Name des Regisseurs C.B. Yi ist ein Pseudonym. Es handelt sich um einen in Wien lebenden österreichischen Regisseur, der als Kind aus China mit seinen Eltern eingewandert ist, später in Wien Sinologie studiert hat und sich auf diese Weise sehr stark mit seinem Herkunftsland auseinandersetzte. Eine Frucht davon ist dieses Langfilm-Debüt.

Bei einem Aufenthalt in China stieß der Regisseur auf das Thema Prostitution in China, und zwar sowohl männliche wie weibliche. In „Moneyboys“ nun geht es um männliche Prostitution, in einem nächsten, bereits angekündigten Film soll es um weibliche Prostitution gehen.

Ein Spielfilm, der frei von Narzissmus ist

Zugleich erzählt „Moneyboys“ nicht nur von schwulen Strichjungen in einer chinesischen Großstadt, sondern auch von der Rotlichtszene, bei der das organisierte Verbrechen die Fäden zieht. Und vor allem davon, dass Homosexualität in China nach wie vor tabu-besetzt ist.

Ursprünglich als dokumentarisches Projekt angelegt, konnte dieser Film sowohl aus kulturellen, als auch aus politischen Gründen in der Volksrepublik China nicht gedreht werden. Der Regisseur wählte die Spielfilm-Form, und er versetzte seine Geschichte nach Taiwan. Es wird chinesisch gesprochen und C.B. Yi orientiert sich sehr stark an der Film-Ästhetik der "Taiwan New Wave" aus den späten 80er und 90er Jahren.

Die Entscheidung ist verständlich: Denn dies ist tatsächlich ein Film, der von allem Narzissmus frei ist, und der als einer der ganz wenigen im Spielfilm-Wettbewerb nicht um das „Ich“ einer Figur kreist, die weitgehend mit der Regisseurin oder dem Regisseur identisch ist. Und deren Probleme im engen Raum persönlicher Betroffenheit und emotionale Befindlichkeit verharren.

Es geht nicht um Diktatur und Demokratie

Insofern kann man die gleich drei Jurys die sich für diesen Film entschieden haben, loben: Ihr Urteil ist das Votum für einen Film, der mehr will, als Gefühle und korrekte Haltungen ausstellen. Es ist das Votum für einen Film ein universales Thema aufgreift, und der sehr ferne Verhältnisse uns europäischen Wohlstandsgesellschaften so nahe wie möglich bringt.

Zugleich ist dies ein Film, der die Verhältnisse in der Volksrepublik China und in der national-chinesischen Republik Taiwan einmal nicht in der üblichen Schwarz-Weiß-Manier abhandelt, in der man sich gewöhnt hat, auf die chinesischen Verhältnisse zu blicken. Um Diktatur und Demokratie geht es hier nicht, auch wenn das Bild der Polizei keineswegs positiv gezeichnet ist. Aber dieser Film zeigt sehr gut, dass es Korruption und organisiertes Verbrechen selbstverständlich auch in einer Demokratie wie Taiwan gibt.

Ein schwächeres Programm als in den Jahren vor Corona

Ausgezeichnet wurden in Saarbrücken also vor allem zwei Filme und ihre Regisseure, die man nicht mit den gleichen Maßstäben messen kann, wie die allermeisten Nachwuchs- und Studenten-Filme, die dort sonst gezeigt wurden. Beim Eröffnungsfilm von Marten Persiel handelt es sich um einen Regisseur, der bereits mit seinem ersten Film bekannt wurde und bei dem großen Gewinner um den einzigen Film, der nicht deutschsprachig war, und der nicht in Europa spielt.

Das Votum der Jury ist im übrigen auch ein Urteil über die Programmauswahl. Die ließ in diesem Jahr wie bereits im vergangenen spürbar zu wünschen übrig und bot insgesamt bei allen einzelnen Highlights unter den Spielfilmen ein deutlich schwächeres Programm als in den Jahren vor Corona – was schon die Frage nach den Gründen beantwortet.

Denn durch die Pandemie entstehen zurzeit weitaus weniger Spielfilme, und die Auswahlkommission aller Festivals müssen sich aus einem viel schmaleren Fundus bedienen. Auch für die Filmfestivals gilt also: Hoffen auf den Neustart nach der Pandemie.

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„Die Realität wird durch diese Doku sichtbar”, sagt der Dokumentarfilmer Jan-Christoph Gockel in SWR2. Sein Film „Coltan-Fieber“ dreht sich um den Abbau des Erz im Kongo. Für die Herstellung von Smartphones und Handys ist Coltan unverzichtbar. Die Quellen, vor allem in der kongolesischen Region Kivu, sind jedoch häufig zweifelhaft. In „Coltan-Fieber“ begleitet Gockel einen ehemaligen Kindersoldaten an die Orte, wo er als Coltan-Schürfer ausgebeutet wurde.  mehr...

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Gespräch Im Kino und im Stream: 43. Filmfestival Max Ophüls Preis

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Das Filmfestival Max Ophüls Preis ist das wichtigste Festival für den jungen deutschsprachigen Film. Es steht seit über 40 Jahren für die Entdeckung junger Talente aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Festivalwoche läuft noch bis zum 26.01.2022.  mehr...

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