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Bankenpleiten haben in Deutschland Tradition - nicht erst seit Wirecard und Lehman Brothers. Spektakulär verzockt hatte sich im Jahr 1974 das private Bankhaus Herstatt aus Köln. Danach standen tausende private Gläubiger kurz davor, ihr Erspartes zu verlieren. Schuld daran war eine verschlafene Bankenaufsicht und zügellose Devisenhändler, die sogenannten „Goldjungs“. Der ARD-Film „Goldjungs“ erzählt die Geschichte nun als bissige Satire auf das Verhältnis der Deutschen zum schnellen Geld.

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Goldjungs im Raumschiff Orion

Wer Anfang der 70er-Jahre bei der Herstatt Bank arbeitet, gehört zur Elite. Ganz neu dabei: Marie Breuer. Für die etwas naive, aber neugierige 20-Jährige ist die Bank wie ein fremder Planet, auf dem sie alles irgendwie faszinierend findet. Egal, ob das ihr kunstbeflissener, aber etwas schmieriger neuer Chef ist, Baron von Broustand, oder der geheimnisvolle runde Tisch mit den vielen Telefonen, genannt „Raumschiff Orion“, an dem später die Goldjungs Platz nehmen.

Filmstill (Foto: ard-foto s1, © WDR/Frank Dicks)
Sie sind eine Truppe wild zockender Broker: Die „Goldjungs" im Handelsraum der Herstatt-Bank. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Mick Sommer (Tim Oliver Schultz, Mitte) ist so etwas wie der Rockstar der Herstatt-Bank. Er ist das hell leuchtende Zentrum der "Goldjungs", der Garant für große Gewinne durch den Devisenhandel. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Ihr Chef Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), Geschäftsführer der Bank, leidet unter spontanen Schlafattacken aufgrund des Pickwick-Syndroms. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Als Marie Breuer (Michelle Barthel) in der Bank eine Stelle als Sekretärin bekommt, betritt sie eine neue Welt. Sie kommt aus kleinen Verhältnissen, ihre Mutter ist Schneiderin und sie selbst gerade mal 20 Jahre alt. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Marie erliegt den Versuchungen der Goldjungs – und ganz besonder dem Charme ihres glamourösen Anführers Mick Sommer (Tim Oliver Schultz). Tagsüber ist er strahlender Held rasanter Geldgeschäfte, abends zentrale Gestalt rauschhafter Ausschweifungen. Maßlose Gier, Sex und Drogen: Mag der Lifestyle der Herren Marie zunächst auch völlig fremd erscheinen – reizlos findet sie ihn nicht. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Der Einzige, der dem Treiben der Goldjungs nicht tatenlos zusehen will, ist Buchhalter Uwe Lennartz (Jan Krauter). Fassungslos beobachtet er, wie die Spekulationen der Devisenhändler immer gewagter werden und einfache Angestellte der Bank immer größere Summen einsetzen. Seine Warnungen will jedoch niemand hören, auch Bankdirektor Herstatt nicht. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen
Marie Breuer (Michelle Barthel) beteiligt sich an den Spekulationen und nimmt dafür nicht nur ihr eigenes Geld, sondern auch die gesamten Ersparnisse der Mutter. Als sich der Kurs des US-Dollars nicht so entwickelt, wie erwartet und gewettet, hat das dramatische Konsequenzen. ard-foto s1 © WDR/Frank Dicks Bild in Detailansicht öffnen

Dollars, Drugs und Rock´n Roll

Porsches in allen Farben des Frühlings, Sonnenbrillen mit Goldrand, Schnurrbärte, Zigaretten und breite Krawatten: Der Auftritt der jungen Devisenhändler ist pompös, sie könnten auch problemlos als Zuhälter oder Dealer durchgehen. Tags wird gezockt, nachts gefeiert, Dollars, Drugs und Rock'n Roll. Man muss kein Finanzexperte sein, um diesen Film zu verstehen. Die Selbstvergessenheit von Bankern, die mit hart erarbeiteten Vermögenswerten jonglieren, ist ja auch ein hinlänglich bekanntes Thema, gerne angesiedelt an der fernen Wallstreet.

Bissige Satire auf das deutsche Bankenwesen

Das gute Drehbuch von  Eva und Volker Zahn macht deutlich: wir sind alle ein bisschen Marie Breuer. Ziemlich ahnungslos, was da mit unserem Geld passiert, aber gerne dabei wenn es nach einer guten Party aussieht. Als bissige Satire aus dem deutschen Bankenwesen reibt einem der Film das sehr unterhaltsam und scharf unter die Nase.

„Goldjungs“ verströmt das lässige Flair der 1970er, mit schrillen Klamotten und energetischer Musik und weist doch über sich hinaus. Immerhin lässt Marie nicht alles mit sich machen. Es besteht also noch Hoffnung. Aber die Prediger der wundersamen Geldvermehrung sterben nicht aus. Die nächsten Goldjungs fahren dann vielleicht E-Auto.

Gespräch Die SWR-Serie "Spätzle arrabbiata" - Ein bisschen unterkomplex, aber bewusstseinsbildend

„Die Mafia ist tatsächlich gar nicht so weit entfernt von Baden-Württemberg oder anderen Orten in Deutschland, wie man gemeinhin denkt“, sagt der Mafia-Experte Sandro Mattioli zum Start der SWR-Serie „Spätzle arrabbiata“. Dabei finde zum Beispiel Geldwäsche in weit größerem Stil statt, als es in der SWR-Serie "Spätzle arrabiata" gezeigt würde.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch 28. Internationales Trickfilmfestival Stuttgart: Animation ist bunt und vielfältig

Animation sei von Anfang an ein Medium der Vielfalt gewesen, erklärt Ulrich Wegenast, Künstlerischer Leiter des Stuttgarter Trickfilmfestivals ITFS, das 2021 wieder online stattfindet. Schon der erste Animations-Langfilm sei in den 1920er Jahren von einer Frau produziert worden.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Janina Fautz als Franka in „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution"

Die Schauspielerin Janina Fautz ist gerade mal 25 Jahre alt und hat bereits in vielen großartigen Filmrollen Publikum wie Kritiker begeistert. Unvergesslich ihre Rolle als Mädchen Erna im Oscarnominierten Drama „Das weiße Band“ von Regisseur Michael Haneke. Und natürlich ist sie allen noch in bester Erinnerung als angebliche Tochter des Kriminalhauptkommissars Frank Thiel im Münsteraner Tatort. Das rotzfreche Mädchen mit den intensiv blauen Haaren galt damals als heimlicher Star des Tatorts.
In ihrem jüngsten Film „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ (ARD) nach Motiven des gleichnamigen Bestsellers von Peter Wensierski verkörpert sie die Rolle der jungen Franka. Der Film spielt in der DDR und erzählt von den Anfängen der Friedlichen Revolution von 1989 anhand der wahren Geschichte einer Gruppe junger Menschen, die sich gegen die Umweltzerstörung auflehnt. Doch schon bald beginnen sie, politisch zu kämpfen und die Grundrechte der Demokratie einzufordern. In SWR2 erzählt Janina Fautz von den spannenden Dreharbeiten und von ihrer Begeisterung für die Schauspielerei seit Kindertagen. Aber auch von ihrer Tätigkeit als Botschafterin für das Kinderhospiz „Sterntaler", dessen Arbeit sie tief beeindruckt.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

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