14. Festival des deutschen Films Film-Sternstunden in Ludwigshafen

Von Annette Lennartz

Das 14. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist nach der Berlinale das größte Besucherfestival in Deutschland. Es präsentiert 70 der besten deutschen Filme von 2017 und 2018. Der besondere Charme des Festivals: die Lage am Rhein, auf der Parkinsel, mit breitem Strand, Liegestühlen und weißen Kinozelten. In diesem Jahr werden wieder mehr als 100.000 Besucher erwartet. Iris Berben wurde mit dem Preis für Schauspielkunst ausgezeichnet.

Start des Filmfestivals vor 2.400 Besuchern

Mit dem Film „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“, ist das Festival am 22.8. gestartet, vor etwa 2.400 Besucher in zwei Zelten.

14. Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen Ein Filmfestival mit großem Flair

Kinozelt (Foto: Festival des deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel)
Zur feierlichen Eröffnung des 14. Festivals des deutschen Films sind gut 2.400 Besucherinnen und Besucher gekommen. Festival des deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
Ludwigshafen bietet einzigartiges Flair, um Filme zu schauen. Nachts leuchtet die Parkinsel im Rhein. Nicht zuletzt wegen dieser beeindruckenden Kulisse hat sich das Festival des Deutschen Films nach der Berlinale zum größten deutschen Besucherfestival entwickelt. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
Der exklusive Veranstaltungsort lockt nicht nur mit seinem Angebot der besten deutschen Filme von 2017 und 2018. Auf Besucher warten auch der Biergarten auf der Parkinsel und ein Open-Air-Restaurant. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
In zwei großen Zelten sind die 70 Filme des Festivals zu sehen. Bis zu 2.400 Besucher können abends dabei sein. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
Einen Großteil der Kosten muss das Festival durch den Ticketverkauf und das Catering erwirtschaften. Deshalb ist die Filmauswahl immer auch ein Balanceakt für das Ludwigshafener Filmfestival, das den Ehrgeiz hat, auch schwierigere Filme zu zeigen. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
Das zweieinhalbwöchige Film- und Lichterspektakel am Rhein kostet 1,8 Millionen Euro. Im letzten Jahr gab es ein Defizit von 100.000 Euro. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
Und auch beim 14. Festival des Deutschen Films gibt es auf der Parkinsel wieder Open-Air-Kino. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen

Eröffnungskomödie mit Corinna Harfouch und Meret Becker

Eine ernste Komödie über die Liebe, mit Corinna Harfouch und Meret Becker. Es geht um Charlotte, die erfährt, dass sie bald sterben wird. 37 Jahre und fünf Monate ist sie verheiratet. Jetzt verlässt ihren langweiligen Mann, nimmt Reißaus in ein neues Leben, mit der Enkelin im Auto. Ein Film mit ganz besonderer Atmosphäre, fast unwirklich.

Szene "Wer hat denn die Liebe erfunden" (Foto: Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: augenschein Filmproduktion)
Eigentlich glaubt sie, schon bald sterben zu müssen. Und doch entdeckt Corinna Harfouch als Charlotte in "Wer hat denn die Liebe erfunden" das Leben wieder neu, hier mit Karl Kranzkowski. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen - Foto: augenschein Filmproduktion

Fast 400 Einreichungen - 70 Filme ausgewählt

Genau solche Schätze sucht Direktor Michael Kötz für das Ludwigshafener Filmfestival: „Denn ein Film lebt von Atmosphäre. Man steigt fasziniert in eine Welt und kommt gar nicht mehr heraus, wie in einem guten Traum.“

Fast 400 Filme wurden zum Wettbewerb eingereicht. Programmdirektorin Daniela Kötz meint, die Auswahl sei sehr gut gewesen.

Richy Müller als ausländerfeindlicher Arbeitsloser

Nicht wenige Filme beschäftigten sich mit Flüchtlingen, Fremdsein und anderen Kulturen, zum Beispiel „Schöne heile Welt“, ein SWR-Spielfilm mit Richy Müller. Er spielt den Langzeitarbeitslosen Willi aus der rechten Ecke. „Bei ihm ziehen zwei illegale dunkelhäutige junge Frauen ein mit einem Jungen. Und er nimmt sich des Jungen an, bringt ihn zum Schlittschuhlaufen. Das ist toll, was es aus ihm macht und wie man das nachvollziehen kann.“

N'Tarila Kouka und Richy Müller in einer Szene von "Schöne heile Welt" (Foto: SWR, SWR Presse/Bildkommunikation - SWR/Alexander Kluge)
Willie (Richy Müller) ist schon lange arbeitslos und auf Einwanderer alles andere als gut zu sprechen. Das ändert sich langsam, als er Franz (N'Tarila Kouka) kennenlernt. SWR Presse/Bildkommunikation - SWR/Alexander Kluge

"Deutschen Film" nicht mit AfD-Politik verwechseln

Wegen der wachsenden Fremdenfeindlichkeit will Michael Kötz das „Deutsche“ Festival öffnen. Er hat eine neue Reihe eingeführt, den „Salon Internationaler Film“: „Gerade wenn man ein Festival des deutschen Films macht, will man nicht mit AfD-Politik verwechselt werden. Damit dieses Risiko nicht besteht, wollte ich diesen Akzent setzen, sozusagen.“

Preis der Schauspielkunst für Iris Berben

Das Festival vergibt sechs Preise. Am höchsten dotiert, jeweils mit 20.000 Euro, sind der Filmkunstpreis und der Publikumspreis. Außerdem gibt es einen Preis für Schauspielkunst, den Iris Berben erhalten wird. Ihr neuer Film „Hanne“ ist am 25.8. im Festspielprogramm.

Szene Tatort "Murot und das Murmeltier" (Foto: Festival des Deutschen Films, Ludwigshafen - Foto: HR)
Kommissar Murot (Ulrich Tukur) wird langsam immer verrückter. Im Tatort "Murot und das Murmeltier" träumt er die Lösung seines Falls schon im vorhinein und kommt schließlich im Bademantel zur Arbeit, mit Kettensäge und Axt. Festival des Deutschen Films, Ludwigshafen - Foto: HR

Die Parkinsel in Ludwigshafen ist in der Branche mittlerweile sehr beliebt. Allein 45 Schauspielerinnen und Schauspieler reisen an, darunter Richy Müller, Joachim Krol und Meret Becker, außerdem 40 Regisseure und ganze Tatort-Teams. Manche feiern ihre Premiere hier ganz groß.

Krimis: Das Richtige zum Austoben

Michael Kötz hat die ARD Tatorte bewusst ins Programm gehoben. „Krimis werden im deutschen Fernsehen oft gemacht, um etwas ganz anderes zu erzählen. Ich habe mittlerweile Krimis von sexbesessenen Kommissaren oder Angsttürmen des Kapitalismus. Ich glaube, dass die Chefs der Redaktionen sagen: Krimis das geht immer und deswegen können wir uns unter dieser Überschrift prima austoben.“

Tatortkommissar Murot (Ulrich Tukur) träumt sogar die Lösung seines Falles, immer und immer wieder. Er wird dabei fast verrückt.

Filmfest ringt mit Defizit

Das zweieinhalbwöchige Festival kostet 1,8 Millionen Euro. Im letzten Jahr gab es ein Defizit von 100.000 Euro. Es war kalt, und manche Filme hatten zu wenig Zuschauer.

Die Auswahl ist immer ein Balanceakt für den Direktor, der den Ehrgeiz hat, auch schwierigere Filme zu zeigen, die vielleicht nicht dreimal das Zelt füllen. Aber er muss 70 Prozent durch Tickets und Catering erwirtschaften.

Michael Kötz: Öffentliche Förderung zu niedrig

30 Prozent öffentliche Förderung seien im Vergleich zu anderen Festivals viel zu niedrig, meint Kötz. „Ich weiß, was das bedeutet, dass zu viele einfach zu konsumierende Filme laufen. Das geht auf Kosten der Qualität. Das darf nicht passieren.“

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