ZDF neo Thriller-Serie „Parfum“ nach dem Roman von Patrick Süskind

Von Karsten Umlauf

„Das Parfum“ von Patrick Süskind ist einer der erfolgreichsten deutschen Romane des letzten Jahrhunderts. Mehr als 20 Millionen mal verkauft, übersetzt in 48 Sprachen. Tom Tykwer hat die Geschichte über den Parfumeur Grenouille mit mäßigem Erfolg verfilmt. Jetzt kommt bei ZDF neo eine sechsteilige Serie dazu. Dort erinnern nur noch wenige Motive an den Roman. Die Faszinationskraft der großen Buchvorlage erreicht die Serie nicht.

„Parfum“ verzichtet auf die Welt von Patrick Süskind

Fischiger Seine-Gestank, nach Leder riechende alte Bücher, der Duft junger Mädchenhaut - all das springt einem aus Patrick Süskinds Buch entgegen, in quasi olfaktorischer Überwältigungsästhetik.

Genau das aber blendet die Serie „Parfum“ erst einmal komplett aus. Schauplatz sind nicht die bevölkerten Gassen von Grasse in der Provence des 18. Jahrhunderts, sondern es herrscht die Tristesse der Gegenwart.

Handlung am Niederrhein statt in der Provence des 18. Jahrhunderts

Niederrheinische Provinz: Felder, Nebel, lange schnurgerade Straßen. Hier also wird eine Frau ermordet und brutal zugerichtet: sämtliche Haare weg, alle Körperstellen, die Geruch produzieren säuberlich seziert.

zdf neo ab 14.11. Parfum von Philipp Kadelbach

Parfum von Philipp Kadelbach (Foto: zdf neo - zdf neo)
Die Ermittlungen zum Mord an der rothaarigen Sängerin K am Niederrhein führen Profilerin Nadja Simon (Friederike Becht) in Folge 1 der ZDF neo Serie "Parfum" in die Vergangenheit von fünf ehemaligen Internatsschülern. zdf neo - zdf neo Bild in Detailansicht öffnen
Profiler Nadja Simon (Friederike Becht, l.) und Staatsanwalt Grünberg (Wotan Wilke Möhring, r.) stehen sich nicht nur beruflich sehr nah. zdf neo - zdf neo Bild in Detailansicht öffnen

Die Serie geht nicht gerade zimperlich mit ihrem Publikum um. Sie mutet ihm auch eine Vielzahl von Fährten zu, denen sie mit ihrem eher gemächlichen Erzähltempo selbst kaum hinterherkommt.

Wotan Wilke Möhring und Friederike Becht

Eine führt zu Nadja Simon, der Spezialistin für Sexualverbrechen, die auch in eigener Sache ermittelt: ob ihre Affäre mit dem leitenden Staatsanwalt echt ist oder vor allem aus gegenseitiger Ausnutzung besteht.

Wotan Wilke Möhring und Friederike Becht spielen die einzigen Figuren, denen so etwas wie menschliche Nähe zugestanden wird. Die Haupt-Tatverdächtigen sind nämlich ziemliche Freaks, die sich nach der gemeinsamen Schulzeit nun am Grab wieder treffen.

Auch als Literaturadaption ziemlich weit hergeholt

Alle haben sie die schöne Katharina, das Opfer, begehrt und oder gehasst. Als Jugendliche hatten sie eine gemeinsame Passion: sie versuchten, jetzt kommt’s, dem Geruchsgenie Grenouille aus Süskinds Roman nachzueifern

Das nennt sich Literaturadaption, ist aber in erster Linie sehr weit hergeholt. Immerhin versucht die Serie, dem auch augenscheinlich Rechnung zu tragen, in dem sie eine ziemlich artifizielle, klaustrophobische Atmosphäre kultiviert.

Überproduzierter Soundtrack - simpler Plot

Die vielen Rückblicke in die Jugendzeit erscheinen in einem fast unwirklichen grünstichigen Licht, es wird wenig gesprochen, noch weniger erklärt. Der intensiven Bildsprache steht aber ein überproduzierter Soundtrack und ein zuweilen erschreckend simpler Plot gegenüber.

Die Kamera blickt in die Gesichter von Ken Duken, August Diehl oder Natalia Belitski, die viel erzählen wollen. Zum Beispiel, wie aufregend und wie zerstörerisch das Zusammenspiel von Lust, Liebe und Macht sein kann. Und dass es doch kein Mittel gibt, die Liebe zu erzwingen.

Keine komplette Enttäuschung - aber keine faszinierende Serie

Aber zu oft sind ihre Figuren damit beschäftigt, ihre Abgründe prätentiös vor sich herzutragen. Vom Roman selbst bleiben so einzelne Motive, die kaum mehr sind als Reminiszenzen.

Als hochambitionierter Versuch gestartet, ist „Parfum“ keine komplette Enttäuschung. Aber letztendlich sind es vielversprechende Ingredienzien, die zusammengerührt keinen charaktervollen Serienduft verströmen. Jedenfalls keinen, für den man zum Mörder werden müsste.

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