Filmkritik Die Maske – polnische Provinz-Satire im Kino

Von Rüdiger Suchsland

Die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska gehört derzeit zu den interessantesten Filmemacherinnen Europas. Ihr neuer Film "Die Maske" ist eine Satire über Provinzialismus, Konsumismus und Katholizismus. In losen Szenen entwirft die Regisseurin ein absurdes und sehr komisches Panorama des heutigen Polen.

Leben in der Polnischen Provinz

Polen auf dem Land. Der größte Spaß der Bevölkerung sind die regelmäßigen Sonderverkäufe wie der "Stampede-Weihnachts-Schlußverkauf" für Unterhosen. Die Jugend vergnügt sich mit Pop-Konzerten in der Dorfdisco am Samstagabend und dem dazugehörigen Wodka-Gelage.

Predigen für zugedröhnte Bauern-Hirne

Sonntags predigt der katholische Priester in die noch zugedröhnten Bauern-Hirne. Ansonsten traurige Gesichter die sich zuhause um die Wahl des Fernsehprogramms streiten. Nur einer ist anders: Die Hauptfigur Jacek, ein junger Mann, der sich als Rocker fühlt, und am liebsten Heavy Metal hört. Jacek will vor allem eines: weg, nach England.

Satire über das Leben in der Provinz

"Die Maske" beginnt als leichtgewichtige, mitunter gerade zu alberne Satire über Provinzialismus und Konsumismus. Man fühlt sich an den Briten Ken Loach und seine Art des sozialrealistisch grundierten politischen Witzes erinnert.

Kinostart 14.03. „Die Maske“ von Malgorzata Szumowska

Mateusz Kosciukiewicz als Jacek in der Satire "Die Maske". (Foto: GrandFilm -)
Jacek (Mateusz Kosciukiewicz) genießt sein Außenseiterleben im konservativen Polen. Er liebt Heavy Metal und ausgedehnte Spaziergänge mit seinem Hund. GrandFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Sein Leben wird durcheinander geworfen, als er auf der Baustelle einen schweren Unfall erleidet. Von nun an ist Jacek entstellt. GrandFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Eine Gesichtstransplantation kann Jacek retten. Nach einem TV-Auftritt feiert ihn das ganze Land als Märtyrer und Nationalhelden. Doch er selbst erkennt sich kaum noch wieder. GrandFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Der polnischen Regisseurin Malgorzata Szumowska ging es nicht darum, eine Familie aus dem ländlichen Polen zu stigmatisieren: "Der Film ist ein Märchen über ein menschliches Wesen, das zum Sonderling wird – nicht nur zum Außenseiter, sondern zu einem Abtrünnigen, in einem gewissen Sinne sogar zu einem Sünder." dpa - Beata Zawrzel Bild in Detailansicht öffnen

Panorama der polnischen Gegenwart

In losen Szenen entwirft die Regisseurin Malgorzata Szumowska ein absurdes und sehr komisches Panorama Polens der Gegenwart. Die Abgründe sind immer präsent: Antisemitismus in Witzen über Juden und Rassismus, etwa wenn ein Hund "Zigeuner" genannt wird.

Riesige Christus-Statue auf Berg

Auch katholische Bigotterie ist allgegenwärtig: Denn diese Gemeinde – diese Episode basiert auf einem realen Fall – hat es sich in den Kopf gesetzt, auf einer Bergkuppe eine riesige Christus-Statue zu bauen.

Das da noch etwas passieren wird, ahnt man auch als unerfahrener Kinogänger schon bald. Denn Jacek, der bei den Bauarbeiten der Christusstatue als Hilfsarbeiter beteiligt ist, hat einen schweren Arbeitsunfall.

Der entstellte Jacek in "Die Maske". (Foto: GrandFilm -)
Eine Gesichtstransplantation rettet Jacek, doch er selbst erkennt sich kaum noch wieder. GrandFilm -

Monsterhaft entstelltes Gesicht

Sein Gesicht wird durch den Unfall brutal entstellt und komplett verändert: Er kann nicht richtig reden und hat ein vernarbtes Gesicht. Im polnischen Original heißt der Filmtitel "Twarz" also "Fratze". Denn im folgenden geht es darum, wie das Dorf auf den monsterhaft entstellten Mann in den eigenen Reihen reagiert.

Vermarktung dank TV-Show

Nach einer ersten Mitleidswelle kommt es zu Distanzierungen. Jacek tritt in einer billigen Fernseh-Show auf, die sein Schicksal verkitscht und vermarktet. Immer wieder nimmt der Film einzelne Gesellschaftsbereiche ins Visier, seien es die Kirche, das Fernsehen oder die Konsumkultur. So will ein Kosmetikhersteller mit Jaceks entstelltem Gesicht eine Gesichtssalbe bewerben. Provinzpolitiker wollen Wasser auf ihre politischen Mühlen gießen.

Politfarce driftet ins Melodrama ab

"Die Maske" fängt großartig an, als Farce über das heutige Polen, das von Rechtpopulisten, katholischen Fundamentalisten und Kryptofaschisten von Europa weggeführt wird. Erst gegen Ende driftet der Film all zu sehr ins Sentimentale ab und bekommt Züge eines kitschigen Melodrams. Was bleibt ist die mitreißende Erlösungsvision der Popmusik. Ein Gegenbild zu der starren Wuchtigkeit der Jesusstatue, deren Monumentalität das Polen von heute verkörpert.

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