Film

„Fallende Blätter“ auf dem interkulturellen Festival „Forum der Kulturen“

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AUTOR/IN
Tobias Ignée

Aus Angst davor, selbst einmal auf der Straße zu landen, hat der Perfomancekünstler Danijel Marsanic eine Woche lang in der Stuttgarter Innenstadt auf der Straße gelebt. Sein Dokumentarfilm „Fallende Blätter“, in dem er auch Obdachlose zu Wort kommen lässt, ist ein berührender Selbstversuch und wird beim interkulturellen Festival „Made in Stuttgart“ gezeigt.

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Die Urangst selbst obdachlos zu werden inspirierte Marsanic

August 2018. Der Schauspieler und Performancekünstler Danijel Marsanic sitzt in der Stuttgarter Hauptgeschäftsstraße, der Königsstraße, lächelnd auf einem Kissen. Noch ist er frisch rasiert, die Haare gegelt, sein grauer Kapuzenpullover ist sauber, die Sneaker sind modisch. Er sieht nicht aus wie ein typischer Obdachloser. Nur der Hut und das Schild mit der Aufschrift „bin hungrig“ lassen erahnen, warum er dort sitzt.

Der Grund, warum sich der damals 28jährige Danijel auf Zeit dem Leben auf der Straße aussetzt, ist die Urangst, selbst einmal wirklich auf der Straße zu landen, falls er als freier Künstler seine Existenzgrundlage verlieren sollte. Er möchte begreifen, wie einen das Leben als Obdachloser verändert, wie es ist, nichts zu haben und er möchte die Menschen auf der Straße und ihre Geschichte kennenlernen.

Die Menschen, die Danijel kennenlernt, leben aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Straße

Wie die von Jack, der nach mehreren Schlaganfällen im Rollstuhl sitzt und seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Er hat keine Familie mehr, sagt aber trotzdem, dass er mit der Situation klar kommt. Was Danijel besonders beeindruckt, ist, wie sehr Jack trotz seiner Situation am Leben hängt.

Weniger Verständnis hingegen hat Danijel für Alena, die mit ihrem Hund Lilly täglich zwei, drei Stunden auf der Straße sitzt. Sie hat ein Zuhause, ein Kind und bettelt, um Geld zu verdienen. Ihr Verhalten gehalten gegenüber der Gesellschaft empfindet er als nicht fair. Sie ist gesund, klug, könnte arbeiten und so einen Ausgleich schaffen zwischen Geben und Nehmen.

Wie kann ein Mensch so leben?

Auf der Suche nach einer Schlafstelle streift Danijel durch die dunkle Nacht - ausgerüstet nur mit dem Nötigsten: Zahnbürste, ein Paar Socken, eine Unterhose, Schlafsack und Isomatte. Begleitet wird er bei seinem Selbstversuch von einem Kamerateam, das ihn tagsüber aus der Distanz filmt. In der Nacht ist er auf sich allein gestellt.

Ständige Begleiter: die Angst und die Kälte – im August wohlgemerkt. „Wir haben jetzt halb vier in der Nacht, ich kann nicht schlafen, es ist saumäßig kalt. Hätte ich niemals gedacht. Ich halte es jetzt schon nicht aus. Musst mal überlegen, wenn es Minusgrade hat. Wie kann ein Mensch so leben?“

Nicht aufgeben ist die Botschaft des Filmes

Auch drei Jahre nach seinem einwöchigen Experiment hat Danijel Marsanic darauf noch keine Antwort gefunden. Gelernt hat er aber, wie wichtig es für Obdachlose ist, dass man sie als Menschen wahrzunimmt und ihnen mit Respekt auf Augenhöhe begegnet. Und sein persönliches Fazit: „Egal welche Ausgangssituation man hat, dass man sich nicht aufgeben soll. Also, so lange das Blatt noch am Baum hängt und Saft bekommt, weiterzugehen, sich auch Hilfe zu suchen und ein gutes Leben zu führen. Das ist für mich auch die Botschaft des Filmes.“

Die Premiere von „Fallende Blätter“ läuft im Rahmen des „Made in Stuttgart“-Festivals am Donnerstag, den 18.11.2021 um 19:00 Uhr im Haus der Geschichte in Stuttgart.

Der Trailer von „Fallende Blätter“:

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