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„Faking Hitler“: Mini-Serie über die gefälschten Hitler-Tagebücher

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Am 25. April 1983 kündigte das Nachrichtenmagazin „Stern“ eine Sensation an: die Veröffentlichung der geheimen Tagebücher von Adolf Hitler. Drei Tage später erschienen die ersten Auszüge, die Auflage explodierte, weltweit war das Interesse riesig. Eine Jahrhundertstory für die das Magazin über 9 Millionen DM bezahlt hatte. Kurz nach der Veröffentlichung stellte der BND klar: es handelte sich um Fälschungen. RTL + erzählt die Geschichte neu als sechsteilige Serie mit Moritz Bleibtreu und Lars Eidinger.

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Hitler intim und privat

Der Kunstfälscher Konni Kujau verdient sein Geld mit Nazireliquien. Durch einen Zufall macht er Hitlers Handschrift nach und stößt auf ungeahntes Interesse. Das Nachrichten Magazin „Stern“ bekommt Wind von den angeblichen Tagebüchern Hitlers. Auch dort gibt es merkwürdige Nazivorlieben: Starreporter Gerd Heidemann leistet sich nicht nur ein Verhältnis mit der Tochter von Hermann Göring, sondern hat auch sonst eine Schwäche für alles, wo ein Hakenkreuz drauf ist.

Filmstill (Foto: Foto: RTL / Martin Valentin Menke)
Gerd Heidemann (Lars Eidinger) braucht einen echten Knüller. Der Star-Reporter des „Stern“ hat schon lange nichts mehr geliefert und steht unter Druck. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Konrad Kujau (Moritz Bleibtreu) wiederum braucht Geld. Er lebt davon, als Dr. Konrad Fischer gefälschte NS-Devotionalien an Altnazis und Devotionaliensammler zu verkaufen. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Als er ein Bild Hitlers mit dessen Widmung versieht und damit für Begeisterung bei seinen Abnehmern sorgt, ist die Idee geboren: Hitlers Tagebücher zu schreiben. Über Umwege gelangt eines der Bücher in die Hände Heidemanns – und es ist genau der Knüller, von dem er geträumt hat, er muss die Bücher unbedingt für den „Stern“ sichern. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Ein Echtheitsgutachten der Tagebücher erfordert Vergleichsschriften. Heidemann bittet Kujau um Hilfe, woraufhin Kujau einige Briefe Hitlers an den „Stern“ schickt – ebenfalls von ihm gefälscht. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Pressekonferenz in der „Stern“-Redaktion: Gerd Heidemann präsentiert die Hitler Tagebücher und liest aus ihnen vor. Endlich steht er im Mittelpunkt. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Suche nach Beweisen für die Echtheit der Tagebücher reist Gerd Heidemann nach Brammbach in die DDR. Er sucht nach Überresten eines Flugzeugs, das mit persönlichen Dokumenten Hitlers an Bord abgestürzt sein soll. Stasimann Schubert (Moritz Führmann) begleitet den Journalisten. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Um die Persönlichkeitsrechte von Hitlers Erben zu sichern, reist Heidemann nach Boston und trifft eine Cousine Hitlers (Karin Johnson, l.) in Boston im Park. Edda Göring (Jeanette Hain) ist nicht erfreut. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen
Heidemann führt Verhandlungen mit dem US-Medienmogul Clark, um den Ankauf weiterer Tagebücher finanzieren zu können. Die Übergabe eines Faktendossiers endet in einem Desaster. Es droht eine Vorveröffentlichung in Amerika. Beim „Stern“ muss es nun schnell gehen. Foto: RTL / Martin Valentin Menke Bild in Detailansicht öffnen

Die Mutter aller Fake News

Dass diese Hitler-Tagebücher gefälscht waren, war natürlich in erster Linie ein Knaller. Und an sich schon so schreiend komisch, für den Sensationsjournalismus der 1980er Jahre so unfassbar entlarvend, dass man nur eine beißende Satire wie Helmut Dietls „Schtonk“ draufsetzen konnte. In „Faking Hitler“ versucht Autor Tommy Wosch, dem Ganzen mit etwas mehr Ernst zu begegnen, zum Beispiel mit der Frage: Was wäre eigentlich gewesen, wenn Kujau damit durchgekommen wäre? Die Tagebücher quasi als „Mutter aller Fake News“.

Lars Eidinger und Moritz Bleibtreu machen die Serie unbedingt sehenswert

„Faking Hitler“ wird man sich in erster Linie wegen der beiden Hauptfiguren anschauen. Lars Eidinger als Heidemann ist eine fast tragische Gestalt, unter Druck vom Verlag, getrieben von Ehrgeiz und Selbstverliebtheit.

Moritz Bleibtreu schlawinert sich als Kujau mit Pornobalken im Gesicht so charmant durch die Geschichte, dass er die ernsteren Aspekte der Serie schon fast wieder unterläuft. So ist „Faking Hitler“ vor allem gut gemachte Unterhaltung, mit vielen Fremdschäm-Momenten. Über eine Zeit als erfundener Nazidreck noch Sammlerwert hatte.

Trailer „Faking Hitler“

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