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„Fabian", der berühmte und zugleich für seine Zeit ungewöhnliche Roman von Erich Kästner, erzählt von einem jungen Mann, der im Berlin der späten Weimarer Republik mitten in der Weltwirtschaftskrise zu überleben versucht. Dominik Grafs Film ist das bezaubernde, bittersüße Porträt einer vergangenen Epoche und kommt im laufenden Berlinale-Wettbewerb gleich für mehrere Preise infrage.

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Untypische Literaturverfilmung

Eine Liebesgeschichte, die auch zum Verzweifeln ist: „Fabian oder der Gang vor die Hunde", der neue Kinofilm des  Münchner Regisseurs Dominik Graf, ist der erste von fünf deutschen Filmen im diesjährigen Wettbewerb um den Goldenen Bären. Es ist ein überraschend zärtlicher und intimer Film, und alles andere als eine typische Literaturverfilmung.

"Fabian oder der Gang vor die Hunde" von Dominik Graf (Foto: Pressestelle, Berlinale)
Im Berlin des Jahres 1931 lässt sich der Germanist und Werbetexter Fabian (Tom Schilling) durch das Leben treiben. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Tagsüber arbeitet er als Texter in einer Zigarettenfabrik, nachts streift er mit seinem Kumpel Labude (Albrecht Schuch) durch die Unterweltkneipen, Bordelle und Künstlerateliers der Stadt. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Das sorglose Leben der beiden jungen Männer wird durch eine durch Kommunisten und Nationalsozialisten geteilte Gesellschaft zunehmend bedroht und auch Labude träumt davon, dass die Klassen gegen die Obrigkeit revolutionieren. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Fabian kann mit dem politischen Umbruch nicht viel anfangen und kommentiert die Geschehnisse ironisch. Alles verändert sich, als er eines Tages in einem Atelier auf Cornelia (Saskia Rosendahl) trifft. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Er verliebt sich sofort in sie und sein Leben nimmt eine dramatische Wendung. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Er fällt einer Entlassungswelle zum Opfer. Cornelias Karriere als Schauspielerin nimmt dagegen mächtig an Fahrt auf. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Dominik Graf Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen

Großartige Hauptdarsteller Tom Schilling und Saskia Rosendahl

Der ungewöhnliche Roman von Erich Kästner erzählt von einem jungen Mann, Fabian, gespielt von Tom Schilling, der im Berlin der späten Weimarer Republik mitten in der Weltwirtschaftskrise zu überleben versucht. Die Verhältnisse sind zutiefst unglücklich und werden noch unglücklicher, als Fabian, der zunächst als Werbetexter arbeitet, arbeitslos wird.

Es ist der erste große Favorit im Berlinale-Wettbewerb, geeignet für viele Preise: für seine Kamera, seine Regie, für die großartigen Hauptdarsteller Tom Schilling und Saskia Rosendahl, für seine Ausstattung.

Vergangenheit wird greifbar

Dies ist ein trauriger Film. Dies ist aber auch ein wunderschöner Film. Vor allem ist er unerwartet, überraschend und berückend in der Weise, in der er die Vergangenheit nie verleugnet, doch Gegenwärtigkeit herstellt, zu jeder Sekunde. Nie sieht hier irgendetwas wie Kulisse aus. Immer ist es anfassbar, haptisch, materiell. Dies ist vielleicht die größte Kunst des Filmemachers Dominik Graf, die Vergangenheit so greifbar, so gegenwärtig zu machen.

Film Durchwachsenes Resümee zur Pandemie-Berlinale 2021

„Aus meiner Sicht wird die Berlinale als solche beschädigt“, sagt SWR2-Filmexperte Rüdiger Suchsland. Im Gespräch kritisiert er die Entscheidungen der Berlinale-Jury scharf: „Alle Filme in diesem Wettbewerb, die etwas Neues wollten, sind komplett leer ausgegangen.“ Stattdessen stünde die Berlinale in dieser Form nur noch für „Inhaltismus“: „Der typische Berlinale-Film ist politisch korrekt, künstlerisch nicht besonders interessant, sehr humanistisch, hat starke politisch Thesen, aber das ist eigentlich nicht der Sinn des Kinos.“  mehr...

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Für ihre Rolle der Wissenschaftlerin Alma in der SWR Produktion „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader erhält Maren Eggert den Silbernen Bären der 71. Berlinale (beste Schauspielerin). In der Tragikomödie testet die Wissenschaftlerin Alma das Zusammenleben mit einem humanoiden Roboter. Tom wurde extra programmiert, um sie glücklich zu machen.  mehr...

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Die Berlinale Series sind seit ein paar Jahren Bestandteil des Festivals und schlagen in diesem Jahr einen weiten Bogen. Machismo aus Argentinien, Krimi aus Skandinavien, eine US-Doku oder die neue Serie des Briten Russell T Davies über die Anfänge der AIDS-Pandemie im London der 80er Jahre: „It’s a Sin“. „Extremismus“ im positivsten Sinn nennt das Sektionsleiterin Julia Fidel.  mehr...

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Berlinale Kammerspiel in der Eckkneipe: Daniel Brühl in seinem Regiedebüt „Nebenan“

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Berlinale Tom Schilling und Saskia Rosendahl überzeugen in „Fabian“ von Dominik Graf

„Fabian", der berühmte und zugleich für seine Zeit ungewöhnliche Roman von Erich Kästner, erzählt von einem jungen Mann, der im Berlin der späten Weimarer Republik mitten in der Weltwirtschaftskrise zu überleben versucht. Dominik Grafs Film kommt im laufenden Berlinale-Wettbewerb gleich für mehrere Preise infrage, auch durch die großartigen Hauptdarsteller Tom Schilling, Saskia Rosendahl und Albrecht Schuch.
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„Es ist eine sehr schöne Auswahl in diesem Jahr", freut sich die ungarische Filmregisseurin Ildiko Enyedi. 2017 gewann sie mit ihrem Film „Körper und Seele“ den Goldenen Bären. Dieses Jahr ist sie Jurymitglied einer Berlinale, bei der alles anders ist. Die digitale Pandemie-Ausgabe des Festivals werde eine Erfahrung, „an die wir uns alle ein ganzes Leben lang erinnern werden."  mehr...

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Wegen enger Zeit-Slots auf diesem Portal könnten Filmkritiker*innen gar nicht alle Filme sehen und so ihrer Aufgabe als Berichterstatter und dem Wunsch des Publikums nicht gerecht werden, erklärt Rüdiger Suchsland. Weil es keine Pressekonferenzen gebe, könnten Filmkritiker*innen auch keine Fragen stellen. Darüber hätten sich auch viele Filmemacher*innen beschwert, weil sie keine Reaktionen auf ihre Filme bekämen.
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