Gespräch

„Er war eine Ikone für uns“ – Volker Schlöndorff zum Tod von Jean-Luc Godard

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INTERVIEW
Frauke Oppenberg

Volker Schlöndorff erinnert sich an seine Begegnung mit dem jungen Jean-Luc Godard: „Eine eigenartige Erscheinung im schwarzen Mantel mit hochgeschlagenem Kragen und schwarzer Brille – und sehr aggressiv in seinen Kritiken anderer Filme. Wir waren von ihm so verblüfft und eingeschüchtert, dass ich damals nicht mit ihm geredet habe.“

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Filmregisseur Volker Schlöndorff 2018 im Garten seines Hauses in Babelsberg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Filmregisseur Volker Schlöndorff 2018 im Garten seines Hauses in Babelsberg Picture Alliance

Umso erstaunlicher sei Godards erster Film dann für ihn gewesen, sagt Schlöndorff in SWR2: „'Außer Atem' mit Jean Paul Belmondo und Jean Seberg war einerseits natürlich revolutionär im Schnitt und allem, aber andererseits so verblüffend in der Spontaneität den Emotionen, in dem Bekennenden zum Pathos der Liebe. So gar nicht passend zu der strengen Erscheinung, die er vorher gewesen war. Ich glaube niemand, der damals angefangen oder gearbeitet hat, ist davon unbeeinflusst geblieben.“

Jean-Luc Godard im Jahr 2002 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, KEYSTONE | JANN JENATSCH)
Der französisch-schweizerische Filmregisseur Jean-Luc Godard ist am 13. September im Alter von 91 Jahren gestorben. Godard war einer der einflussreichsten Filmregisseure und ein führender Vertreter der „Nouvelle Vague“. KEYSTONE | JANN JENATSCH Bild in Detailansicht öffnen
Über 40 Spielfilme sowie zahlreiche Kurzfilme, experimentelle Dokumentarfilme, Essayfilme und Musikvideos hat Jean-Luc Godard gedreht. 2010 erhielt er einen Oscar für sein Lebenswerk. KEYSTONE | GAETAN BALLY Bild in Detailansicht öffnen
In einer Villa auf Capri wurde 1963 „Die Verachtung“ gedreht, eine Romanverfilmung nach Moravia, in der Brigitte Bardot eine der Hauptrollen spielt. United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Godard selbst tritt im Film in einer Nebenrolle auf, in der er den Assistenten von Fritz Lang mimt. imago stock&people Bild in Detailansicht öffnen
In „Die Außenseiterbande“ aus dem Jahr 1964 findet das Hausmädchen Odile, gespielt von Godards Frau Anna Karina, eine große Menge frei zugänglichen Bargelds. United Archives / kpa Bild in Detailansicht öffnen
Sie wird zur Komplizin von Franz (Sami Frey) und Arthur (Claude Brasseur), die einen Einbruch in das Haus planen, der jedoch nicht so abläuft, wie geplant. United Archives Bild in Detailansicht öffnen
“Rette sich, wer kann (das Leben)“ feierte 1980 auf den Filmfestspielen von Cannes Premiere und handelt von den Verstrickungen dreier Protagonist*innen. indiv Bild in Detailansicht öffnen
Als gleich zu Beginn des Films in einer Szene mit Paul (Jacques Dutronc) die „Selbstmordarie“ aus Ponchiellis Oper La Giocona ertönt, ist dies ein Vorzeichen auf den späteren Tod des Protagonisten. United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 1983 kamen gleich drei Filme auf dem Markt, die sich des berühmten Carmen-Stoffes bedienten. Godards Adaption lehnt sich allerdings nur lose an den Stoff an. Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
So ist die Carmen-Musik von Georges Bizet in Godards Adaption nur wenige Sekunden zu hören, stattdessen stehen Streichquartette von Beethoven im Fokus. Ronald Grant Bild in Detailansicht öffnen
Doch Godard ist nicht nur für seine Spielfilme bekannt: In den späten 80ern beginnt er ein achtteiliges Filmprojekt mit dem Titel „Histoire(s) du cinéma“, in dem er das Konzept und die Geschichte des Kinos untersucht. Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
Rund zehn Jahre später stellte er die über vier Stunden andauernde Reihe fertig, die heute eines seiner komplexesten Werke darstellt. Mary Evans Picture Bild in Detailansicht öffnen

Gespräch Zum Tod von Jean-Luc Godard: „Er hat Film als Kunst begriffen“

„Er hat Film als Kunst begriffen“, sagt SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland, „und nicht nur als Unterhaltung”. Jean-Luc Godard habe es geschafft, dass Kino in Frankreich auf Augenhöhe war mit der Malerei, der Kunst oder der Musik und “nicht nur ein Wurmfortsatz des Theaters, was es dort lange war”, sagt er weiter. Er habe das Kino auch neu erfunden, es politisch gemacht und es als Teil einer kulturellen Weltrevolution gesehen. “Er war ein linker Filmemacher und hat auf der Straße gedreht”, weiß Suchsland weiter, “kein Film von Godard gleich dem anderen.” Mehr als 40 Spielfilme, zahlreiche Kurzfilme, experimentelle Dokumentarfilme, Essayfilme und Musikvideos hat Godard im Laufe seines Filmschaffens produziert. Zu den wichtigsten Werken gehören Außer Atem, Die Verachtung und Elf Uhr nachts. Der französisch-schweizerische Regisseur ist nun im Alter von 91 Jahren gestorben.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kulturmedienschau Kino-Erneuerer: Zum Tod von Jean-Luc Godard | 14.9.2022

Mit 91 Jahren ist der große französische Regisseur und Kino-Erneuerer Jean-Luc Godard gestorben: Es ist das große Thema auf sämtlichen Kulturseiten der Zeitungen und im Netz: Was man Godard zu Ehren alles schreibt, wie man an sich ihn erinnert: dazu die Kulturmedienschau von Anja Höfer:  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

SWR2 Beiträge zu Volker Schlöndorff

Forstwirtschaft Filmtipp: Volker Schlöndorffs „Der Waldmacher“

Die Mutter Teresa Afrikas – so wird der Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo von vielen genannt. Der Regisseur Volker Schlöndorff hat mit ihm einen eindrucksvollen Film gedreht über Wiederaufforstungs-Projekte in Afrika.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Zeitgenossen Volker Schlöndorff: „Ich habe einfach viel Glück gehabt, mich aber auch immer dem Glück in den Weg gestellt“.

Volker Schlöndorff hat dem deutschen Film weltweites Ansehen geschenkt, wurde für „Die Blechtrommel“ mit dem Oscar und der Goldenen Palme ausgezeichnet. Am 7. April bringt der 82-Jährige seinen ersten Dokumentarfilm in die Kinos: „Der Waldmacher“ über den Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo. Schlöndorff erzählt von seinem Film, von den Chancen, die das Projekt des Alternativen Nobelpreisträgers bietet, von den Problemen Afrikas im Klimawandel, von seiner Sicht auf die Welt und das Kino.  mehr...

SWR2 Zeitgenossen SWR2

Zeitwort 29.7.1974: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ erscheint

Der Bestseller von Heinrich Böll wurde in über 30 Sprachen übersetzt, von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta verfilmt und oft im Deutschunterricht behandelt.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

Homo faber: Der Film Regisseur Volker Schlöndorff im Gespräch

Volker Schlöndorff im Gespräch mit Anja Brockert am 13. Januar 2016 im Literaturhaus Stuttgart. Mit einem poetischen Kommentar von Timo Brunke.  mehr...

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Frauke Oppenberg