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„Einfach mal was Schönes“ – Berührende Kinderwunsch-Komödie von und mit Karoline Herfurth

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AUTOR/IN
Julia Haungs

Die Schauspielerin Karoline Herfurth festigt ihren Ruf als Regisseurin von unterhaltsamen Komödien mit Tiefgang. „Einfach mal was Schönes“ handelt vom Thema Kinderwunsch und ist eine sehenswerte Romcom, die viel echten Schmerz zulässt.

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Karla will ein Kind

Karla will ein Kind, aber seit Jahren fehlt der richtige Partner. Mit 39 Jahren läuft der Radiomoderatorin allerdings langsam die Zeit weg. Mit zunehmender Verzweiflung hangelt sich Karla von Date zu Date, aber eins ist schlimmer als das nächste. Einzige Stütze: ihre beste Freundin Senay, die die Fehlschläge trocken kommentiert.

Filmszene aus "Einfach mal was Schönes" (Foto: Pressestelle, Warner Bros.)
Die biologische Uhr der Radiomoderatorin Karla (Karoline Herfurth) tickt, und das mittlerweile sehr laut und deutlich. Doch egal, was sie auch tut, sie findet einfach keinen passenden Mann, mit dem sie sich auch eine Familie vorstellen könnte. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Kurz vor ihrem 40. Geburtstag fällt sie die Entscheidung, alleine ein Kind zu bekommen. Wenn sich eben kein Mann findet, muss es auch so gehen. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Doch sie hat nicht mit ihren Eltern Marion (Ulrike Kriener) und Robert (Herbert Knaup) und ihren Schwestern Jule (Nora Tschirner) und Johanna (Milena Tscharntke) gerechnet, die ihre Entscheidung nicht nachvollziehen können - und das, obwohl sie allesamt selber in ihren komplizierten Lebensentwürfen feststecken und nicht weiter wissen. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Die Einzige, die Karla wirklich unterstützt, ist ihre beste Freundin Senay (Jasmin Shakeri). Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Dazu kommt, dass Karla sich in den viel zu jungen Ole (Aaron Altaras) verliebt hat. Wieso tritt ausgerechnet jetzt Karlas Traummann in ihr Leben, wo sie doch gerade ihre Zukunft geplant hat? Das Chaos scheint perfekt. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen

Karlas Versuch, mithilfe einer Agentur für Co-Elternschaft einen passenden Kindsvater zu finden, scheitert in letzter Minute. Sie beschließt, die Sache alleine durchziehen und meldet sich bei einer Samenbank an.

Doch dann tritt der zehn Jahre jüngere Ole in ihr Leben: wunderschön, supernett, aber einfach noch nicht bereit für Kinder. Und wieder einmal hadert Karla mit ihrer Entscheidung.

Frauen stehen unter öffentlicher Beobachtung

In ihrem letzten Film „Wunderschön“ thematisierte Karoline Herfurth den gesellschaftlichen Druck, den Frauen in Bezug auf ihr Äußeres spüren. In ihrer vierten Regiearbeit „Einfach mal was Schönes“ geht es mit dem Kinderwunsch um eine vermeintlich private Entscheidung, die aber gesellschaftlich auch unter genauester Beobachtung und Bewertung steht.

Wer darf ein Kind haben und in welcher Konstellation muss es groß gezogen werden? Braucht es nach wie vor zwei Elternteile, selbst wenn sich das Modell der traditionellen Kernfamilie wie in Karlas Fall als dysfunktional erwiesen hat?

Herfurth erweitert das Thema ‚Mutterschaft‘, indem sie Karlas alkoholkranker Mutter einen eigenen, für eine romantische Komödie untypisch deprimierenden Handlungsstrang widmet. Ulrike Kriener spielt grandios eine Frau, die an der gesellschaftlich überfrachteten Mutterrolle gescheitert ist. Mit ihrer Hilfsbedürftigkeit macht sie es den erwachsenen Töchtern schwer, sich abzunabeln.

Komödie ohne lupenreines Happy End

Mit „Einfach mal was Schönes“ ist es Herfurth wieder gelungen, relevante Themen in eine mainstreamkompatible Form zu gießen. Als Hauptdarstellerin scheut sie keine Peinlichkeit. Als Regisseurin und Co-Autorin verrät sie ihre Figuren aber nie und nimmt jede einzelne mit ihren Ängsten, Frustrationen und Sehnsüchten ernst.

So ergeben sich viele komische aber auch einige tief berührende Momente. Ein lupenreines Happy End gibt‘s nicht. Manchmal muss sogar im Kino am Ende einfach mal was Schönes reichen.

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