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„Ein Skandal, der nicht eintraf“: „Sparta“ von Ulrich Seidl feiert Weltpremiere beim Filmfestival San Sebastian

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Kristine Harthauer

„Der Film ist überraschend gut angekommen“, sagt SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland über den vorab vieldiskutierten Film „Sparta“ des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl, der nun beim baskischen Filmfestival San Sebastian Weltpremiere feierte.

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Zuvor hatte es schwere Vorwürfe gegen den Film gegebenen: Bei den Dreharbeiten mit minderjährigen Laiendarsteller*innen sei die Jugendschutzpflicht nicht eingehalten worden. Seidl und die Produktionsfirma weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

Die eigentlich geplante Uraufführung des Films beim Toronto Film Festival war abgesagt worden. In San Sebastian habe man deshalb „große Aufregung“ erwartet, aber es sei ein Skandal, der nicht eintraf, so Suchsland.

Milan, Photocall film Rimini by Ulrich Seidl (Foto: IMAGO, IMAGO)
Ulrich Seidl ist bei der Weltpremiere seines neuesten Films in San Sebastian nicht anwesend. IMAGO

Im Gespräch mit SWR2 bezeichnet Rüdiger Suchsland „Sparta“ als einen „humanistischen und warmherzigen Film“. Bei der Premiere habe es Applaus und Standing Ovations gegeben.

„Sparta“ ist der zweite Teil eines Tandems: Der erste Teil, der Film „Rimini“, feierte auf der Berlinale 2022 Premiere. Die Filme handeln von den beiden traumatisierten Söhnen eines alten Nazis.

Gespräch „Nicht ich erhebe Vorwürfe, sondern die Kinder“ – Spiegel-Journalistin über ihre Recherchen zu Ulrich Seidl

„Was mit den Eltern der Kinder abgesprochen wurde, kann ich nicht sagen, was ich sagen kann, ist, dass die Eltern der acht Laiendarsteller uns gegenüber angeben, dass ihnen über das Thema Pädophilie explizit nichts gesagt wurde“, so die Journalistin Pascale Müller im Interview mit SWR2 Kultur Aktuell. Sie ist Teil des Recherche-Teams des Magazins „Der Spiegel“, das schwere Vorwürfe gegen die Dreharbeiten bei Ulrich Seidls neuem Film „Sparta“ erhebt. So sollen in Rumänien minderjährige Laiendarsteller ausgenutzt und schlecht behandelt worden sein sollen.
In einem gerade veröffentlichten Statement hält Seidl entgegen, dass er die Familien sehr wohl über das Thema seines Films informiert habe: „Allerdings verwendet er nicht das Wort „Pädophilie“, sondern spricht von ambivalenten Verhältnissen der Hauptfigur gegenüber Kindern“, so Müller. Die Eltern der Kinder hätten ihr gegenüber angegeben, keine ausreichende Vorbereitung und Information bekommen zu haben. Auch über eine Duschszene sollen sie nicht informiert worden sein: „Was ich sagen kann, ist, dass Kinder uns gegenüber angegeben haben, dass sie bis auf die Unterhose entkleidet waren und ihnen dies unangenehm war. Das scheinen wohl Szenen gewesen sein, wo ihnen nicht erklärt worden sei, warum sie gedreht wurden.“ Am Freitag soll „Sparta“ beim Toronto International Film Festival Premiere haben.  mehr...

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Film „Rimini“ von Ulrich Seidl: Alles andere als leichte Kost im Wettbewerb der Berlinale

Von Sodomie über Sex- und Safaritourismus bis zu Abgründigem im Keller: Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl ist dafür bekannt, dorthin zu schauen, wo es weh tut. Manche bezeichnen ihn deshalb als zynischen Sozialpornographen, andere feiern seine Spielfilme und Dokumentationen für ihren schonungslosen Realismus. Im Wettbewerb der Berlinale ist Seidl mit „Rimini“ vertreten, alles andere als leichte Kost.  mehr...

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