Fernsehen

ARD Biopic zum 80. Geburtstag von Alice Schwarzer – Ein bisschen frech, ein bisschen langweilig

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AUTOR/IN
Pia Masurczak

Mit keiner anderen Person ist der Feminismus in Deutschland so eng verbunden wie mit Alice Schwarzer. Zum 80. Geburtstag schenkt die ARD der heftig umstrittenen Ikone ein Biopic. Regisseurin Nicole Weegmann begleitet darin die junge Alice von ihren ersten Jahren als Au-pair im Paris der 60er-Jahre bis zur Gründung der EMMA, als Alice Schwarzer zur bundesweit bekanntesten Frauenrechtlerin wurde.

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Journalistische Anfänge im Postkarten-Paris

Alice Schwarzer ist bereits mit Anfang 20 ein kritischer, unbequemer Geist. Noch lebt sie als Au-pair im Postkarten-Paris und versucht, als junge Journalistin über Frauen und ihre Probleme im Patriarchat zu schreiben. Das finden die Chefredakteure und Verleger – allesamt fast schon karikaturenhafte Chauvis – irrelevant oder lächerlich, selbst dann noch, als der Stern die spektakuläre Titelstory „Wir haben abgetrieben" von Alice veröffentlicht.

TV-Streitgespräch mit Esther Vilar macht Alice Schwarzer schlagartig bekannt

Irgendwann will Alice auch in Deutschland die Verhältnisse in Bewegung bringen – und wird durch ihr im Fernsehen übertragenes Streitgespräch mit der glühenden Antifeministin Esther Vilar zum Star. Ein Status, der für Feministinnen damals wie heute verlässlich auch Anfeindungen mit sich bringt.

Filmstill (Foto: © rbb/Alexander Fischerkoesen)
Alice Schwarzer (Nina Gummich) und Esther Vilar (Katharina Schüttler) im TV-Duell. Durch diese live im Fernsehen übertragenes Streitgespräch mit der glühenden Antifeministin Esther Vilar wird Alice Schwarzer zur umstritenen Leitfigur der deutschen Frauenbewegung. © rbb/Alexander Fischerkoesen

Glatter als das Leben von Alice Schwarzer

Das große Problem des ARD Zweiteilers: Er ist ein bisschen langweilig. Nicht, weil das Leben von Alice Schwarzer langweilig wäre oder ihre Themen altbacken. Sondern weil alles so glatt bleibt. Interessant wird es, wenn hinter der patenten, selbstbewussten Frau mehr aufscheint. Wenn die Frauen zu Wort kommen, über die Schwarzer schreibt: Arbeiterinnen, Mütter, Prostituierte. Oder wenn die anderen Aktivistinnen der Frauenbewegung und ihre Kritik an Alices Rolle als Frontfrau sichtbar werden.

Filmstill (Foto: © rbb/Alexander Fischerkoesen)
Nina Gummich (l.) und Alice Schwarzer (r.) am Set. Der Zweiteiler „Alice“ beruht vor allem auf Gesprächen mit Alice Sxchwarzer. © rbb/Alexander Fischerkoesen

Weniger ruhmreiche Episoden von Schwarzer ausgespart

„Alice“ zeigt ein wichtiges Stück deutsch-französischer Zeitgeschichte, das bequemerweise mit der ersten Ausgabe der EMMA 1977 endet und damit die wenig ruhmreichen Episoden rund um Schwarzers Attacken auf islamische Feministinnen oder ihre Werbekampagne für die Bild ausspart. Man merkt dem Film an, dass er vor allem auf Gesprächen mit Alice Schwarzer selbst beruht – der bekanntesten und lautesten Feministin der zweiten Welle und einer grandiosen Selbstdarstellerin.

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Sittengemälde der Reeperbahn Sittengemälde und Sündenpfuhl: Dokuserie „Neonstaub: Die Straßen von Sankt Pauli“ portraitiert das Hamburger Hafenviertel

Verrucht, mysteriös und sagenumwoben: Das Rotlicht von St. Pauli hat schon immer eine besondere Anziehungskraft. Die Dokuserie „Neonstaub“, eine lebendige Chronik dieses so bunten, schillernden Ortes, erzählt Geschichten von korrupten Polizisten, Bürgerwehr und Selbstjustiz, von Geldwäsche und Auftragsmorden – aber auch von Familie, Sippschaft und Zusammenhalt.

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Alice Schwarzer gründete die feministische Zeitschrift, um die Em(ma)nzipation voran zu treiben. Die EMMA erscheint heute noch mit einer Auflage von knapp 30.000

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