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SWR Doku Festival würdigt Regisseur Georg Stefan Troller für sein Lebenswerk: Ehrenpreis für einen Jahrhundertmann

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Mehr als 150 Filme hat der Regisseur Georg Stefan Troller gedreht und zwischen 1.200 und 2.000 Interviews geführt – unter anderem mit Romy Schneider, Muhammed Ali oder auch Leonhard Cohen. Auf dem SWR Doku Festival 2021 ist er nun mit dem erstmalig verliehenen „Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises“ ausgezeichnet worden.

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Überraschend andere Reportagen

Mit seiner sehr persönlichen, überraschenden Herangehensweise hat Georg Stefan Troller Maßstäbe im Dokumentarfilm gesetzt — seine Sprechertexte sind dabei stets literarische Kunstwerke. Mit dem „Pariser Journal“ etwa, das er von 1962 bis 1971 für die ARD realisierte, brachte Troller den Nachkriegszuschauer*innen das Nachbarland, seine Licht-, aber vor allem auch seine Schattenseiten näher.

Zwei Männer sitzen auf einem Sofa in einer Wohnung. Der Blick geht durch eine Glastür ins Zimmer. Vor den Männern steht ein kleiner Couchtisch mit Kaffeetassen darauf und einem großen Aschenbecher. Das Bild ist Schwarz-Weiß. Der linke Mann, Georg Stefan Troller, wird vom rechten Mann interviewt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / United Archives/Pilz | Siegfried Pilz)
Georg Stefan Troller wird 1967 in seiner Pariser Wohnung interviewt. picture alliance / United Archives/Pilz | Siegfried Pilz

Richtig berühmt würde der gebürtige Wiener dann aber mit seiner „Personenbeschreibung“ im ZDF, die 1971 startete: Georg Stefan Troller porträtierte mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten, darunter Stars und Künstler*innen wie Charles Bukowski, Liv Ullmann oder Leonard Cohen.

Für den Südwestfunk berichtet Troller 1963 live von der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags:

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Empathie und Offenheit

Für die Reihe war Troller in der ganzen Welt unterwegs, aber vor allem auch in den Vereinigten Staaten. Dort zeigt der Regisseur Veteranen, die sich gegen den Vietnam-Krieg einsetzen, Strafgefangene, und berichtet mit viel Einfühlungsvermögen von Verletzungen und Leid.

Troller kriecht den Menschen dabei regelrecht unter die Haut, „frisst sie auf“, wie er sagt. „Journalist zu sein, war für mich ein Mittel der Selbstheilung und Lebensrettung“, erinnert sich der Filmemacher. Ende der 1930er Jahre muss der Sohn eines jüdischen Pelzhändlers auch Wien vor den Nazis in die USA fliehen.

Filmreife Lebensgeschichte

Er verliert viele Angehörige im Holocaust — kehrt selber als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg zurück und interviewt die befreiten Gefangenen des KZ Dachau. Danach wird er nie wieder in Österreich heimisch — seit 1949 lebt Troller in Paris. Diese eigene Geschichte hat der inzwischen fast 100-jährige Dokumentarfilmer lange im Hintergrund gehalten.

Das SWR Doku Festival würdigt den Autor und preisgekrönten Filmemacher nun mit dem neugeschaffenen Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Neugeschaffener Preis 2021 Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises für Georg Stefan Troller

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