Gabe Klingers melancholischer Spielfilm "Porto" Geheimnisvolle Liebe

DVD-Tipp von Mareike Gries

Mati und Jake treffen sich als Gestrandete in der portugiesischen Hafenstadt Porto. Eine schicksalhafte Begegnung: Sie verbringen nur eine einzige Nacht miteinander, die aber ihr ganzes Leben verändert. Eine bewegende Liebesgeschichte voller Melancholie.

Vorherbestimmung

Ein junger Mann und eine junge Frau liegen einander zugewandt im Bett und schauen sich auf diese staunende Art an, wie es nur frisch Verliebte können. Sie sprechen nicht miteinander, aber die Zuschauer können ihre Gedanken hören.

Jake und Mati - es ist die ganz große Liebe auf den ersten Blick. Eine geheimnisvolle Liebe wie sich zeigen wird. Sie ist Französin, er Amerikaner. Zum ersten Mal begegnen sie einander bei einer Ausgrabung. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin, er ein Hilfsarbeiter.

Die ganz große Liebe

Und es gibt noch mehr Unterschiede zwischen den beiden. Aber das scheint nie ein Problem. Wenige Stunden nach ihrer ersten Begegnung gestehen sie sich gegenseitig ihre Gefühle. Doch dass diese Liebesbegegnung eine kurze sein muss, ahnen die Zuschauer schon früh.

Mati hat einen anderen. Einen, mit dem sie schon länger zusammen ist. Der sie heiraten und eine Familie gründen will. Jake hatte sie davon erzählt. Für ihn stand aber fest, dass ihre gemeinsame Liebe Bestand hat. Für Mati offenbar nicht. „Meine Freiheit ist mir sehr wichtig", gesteht sie ihm.

Filmisches Verwirrspiel

Von all dem erzählt der Film nicht linear. Es gibt Zeitsprünge und Perspektivwechsel. Mal wird die Handlung aus Sicht von Jake erzählt, mal aus der von Mati. Aber auch hier gibt es Abweichungen und Überschneidungen.

Ein Verwirrspiel, das der brasilianische Regisseur Gabe Klinger nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell umsetzt. So sind einige Szenen auf 8-Millimeter-Film gedreht, andere auf 16 oder 35 Millimeter. Zeitliche Bezüge herzustellen wird damit fast unmöglich.

Fest steht nur: Jake und Mati haben nicht mehr als eine Nacht miteinander verbracht. Und sich danach nie wieder gesehen. Mati hat den anderen Mann geheiratet und eine Tochter mit ihm bekommen. Aber die Ehe ging in die Brüche. Auch Jahre nach der schicksalhaften Begegnung mit Jake denkt sie noch an ihn und ihre gemeinsame Liebesnacht.

Hommage an Anton Yelchin

Die bewegenden Gespräche, die sinnlichen Liebesszenen, die mysteriöse Aura der Stadt, die mehr ist als eine beliebige Kulisse - all das erinnert zweifellos an Richard Linklaters „Before Sunrise“. Auch dort treffen sich ein Amerikaner und eine Französin in einer Stadt, die zu schön ist, um wahr zu sein, in Wien nämlich.

Gabe Klinger hat sich für seinen Debutfilm „Porto“ ganz offensichtlich von Linklater inspirieren lassen und dankt ihm dafür sogar im Abspann. Gleichzeitig wird seine Botschaft umso deutlicher: Das Leben ist nicht immer planbar. Seine wunderbaren Momente sollte man auskosten. „Porto“ - ein melancholischer Film wie ein vernebelter Traum. Nicht zu fassen und unfassbar schön.

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