Gespräch

„Durch Recht zur Gerechtigkeit“: Ferdinand von Schirach über das ARD-Film-Experiment „Feinde“

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„Gerechtigkeit ist meines Erachtens ein Ziel, so wie Glück oder Liebe Ziele des Lebens sind“, sagt Ferdinand von Schirach über das ARD-Projekt „Feinde“, nach einer Story des Bestsellerautors. Erzählt wird einerseits die Entführung eines zwölfjährigen Mädchens und andererseits, wie der Ermittler den Tatverdächtigen foltert, um den Aufenthaltsort der Entführten zu erfahren.

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Juristisch ist das Geständnis nicht zu verwerten, weil unter Folter erzwungen. Der Entführer muss schließlich freigesprochen werden. Ist das gerecht? In welchem Verhältnis stehen das moralische Empfinden und das juristische Verfahren? „Durch Recht zur Gerechtigkeit ist wahrscheinlich am Ende die einzige Möglichkeit zur Gerechtigkeit zu kommen“, sagt Ferdinand von Schirach.

"Feinde" nach Ferdinand von Schirach von Nils Willbrandt (Foto: ard-foto s2-intern/extern, ARD Degeto)
Auf dem Weg zur Schule wird die zwölfjährige Lisa von Bode (Alix von Heyblom) entführt. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Ihre Eltern erhalten kurz darauf eine Lösegeldforderung: fünf Millionen Euro in Bitcoins. Für Familie von Bode spielt das Geld keine Rolle - Sie wollen um jeden Preis ihre Tochter zurück. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Für den erfahrenen Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) gibt es schon bald keinen Zweifel, dass der Täter aus dem engeren Umfeld der wohlhabenden Familie kommen muss. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Als Nadler den Sicherheitsmann Georg Kelz (Franz Hartwig) kennenlernt, sagt ihm seine Intuition: Das ist der Täter. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Kelz schweigt in allen Vernehmungen und der Ermittler verliert die Nerven. Allein, ohne Zeugen, erzwingt Nadler mit brutaler Gewalt von Kelz den Aufenthaltsort des Mädchens. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Kelz verspricht dem Kommissar, den Grund seines überraschenden Geständnisses für sich zu behalten. Der Fall landet vor dem Gericht und die Verurteilung scheint reine Formsache. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Doch Strafverteidiger Biegler (Klaus Maria Brandauer) setzt auf eine hieb- und stichfeste Argumentation, ganz im Sinne des Rechtsstaats. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Er will aufzeigen, dass der Angeklagte für das Geständnis gefoltert wurde und es daher nichtig ist. Die Schuldfrage spielt für ihn keine Rolle. Er fordert Freispruch und eine Bestrafung des Polizeibeamten. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto Bild in Detailansicht öffnen

Das große ARD-Projekt „Feinde“ ist ein Experiment: Dieselbe Geschichte wird in zwei Filmen gezeigt – der eine aus Sicht des folternden Ermittlers, der andere aus Sicht des Strafverteidigers, der auf Freispruch plädiert. Dazwischen läuft eine Doku über „Recht oder Gerechtigkeit?“.

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ISBN 978-3-630-87658-0
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