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„Atomkraft Forever“ in der ARD-Mediathek: Regisseur Carsten Rau im Interview

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AUTOR/IN
Marie Gediehn

In diesem Jahr steigt Deutschland endgültig aus der Atomkraft aus. Weil das Risiko zu hoch ist, die Technik nicht beherrschbar. Doch der nukleare Albtraum geht weiter: mit Zigtausenden Tonnen radioaktiven Mülls, dessen Lagerung völlig unklar ist. Vom Ziel „Grüne Wiese“ bei der Abwicklung der Atomstrom-Ära sind wir noch viele Jahre entfernt. Das zeigt die Doku „Atomkraft Forever“ des Hamburger Filmemachers Carsten Rau.

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Rückbau von AKWs dauert über 30 Jahre

Im Gespräch mit SWR2 berichtet Filmemacher Rau vom Anfang seiner Recherchen zu dem Thema. Als Beispiel nennt er den Rückbau des aus DDR-Zeiten stammenden AKW Greifswald, 1994 wurde hier mit dem Rückbau begonnen. „Wenn alles gutgeht, wollen die 2028 mit dem Dekontaminieren des Gebäudes fertig sein“, so Rau über den Stand der Arbeiten.

Die so genannte „Entsorgung“ von verstrahltem Material sei nach wie vor ungeklärt. Das Missverhältnis von Betriebszeit und Rückbau-Dauer werde jedoch nicht thematisiert. „Die Nuklearindustrie wird den Teufel tun, darüber zu sprechen“, ist sich Rau sicher.

Atomkraftgegner sind „etwas ältere Semester“

Die langen Zeiträume, die Planung, Bau, Betriebszeit und Rückbau eines Atomkraftwerks benötigten, mache es der Öffentlichkeit in Deutschland schwer, die Gesamt-Problematik im Blick zu behalten. Zudem seien viele Deutsche inzwischen zu jung, um die zurückliegende Kernenergie-Debatte und deren Anlässe zu kennen. Die Atomkraft-Kritiker seien mehrheitlich „etwas ältere Semester“, meint Rau. In anderen Ländern, die nach wie vor auf Atomkraft setzen, wie Frankreich, Finnland oder Schweden fehle ein „Brennglas“ wie die Proteste um das Endlager im niedersächsischen Dorf Gorleben.

„Wenn wir über Atomindustrie und Atomstrom reden, dann muss man sich mit den gesamten Konsequenzen von Atomstrom reden“, findet Rau und kommt zu dem Urteil: „Atomenergie ist nicht in der Lage, uns energiepolitisch den Hals zu retten.“ Sie liefere nur zehn bis elf Prozent des Strombedarfs weltweit. Sie sei schlicht insgesamt zu teuer, weshalb sein Urteil laute: „Ich halte das für keine Alternative.“

Atomkraft Forever in der ARD Mediathek

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Marie Gediehn