Dokumentation

„Christo und Jeanne-Claude — Die Kunst des Verhüllens“: ARTE-Doku porträtiert das legendäre Künstlerpaar

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Im September 2021 wird posthum der Arc de Triomphe in Paris nach den Plänen des Künstlers Christo verhüllt. Der Dokumentarfilm „Christo und Jean- Claude — Die Kunst des Verhüllens“ porträtiert das Künstlerpaar und zeigt die Arbeiten an ihrem großen Abschlusswerk, der Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris — ein Plan, den das Paar bereits 1961 entwickelt hatte. Mit viel Archivmaterial gibt es Einblicke in dieses Jahrhundertprojekt und die außergewöhnlichen Menschen, die es entworfen haben.

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Eine Liebesgeschichte steht am Anfang

„Das Geheimnis ist: Es gibt keins. Es gibt kein Geheimnis… es geht um Liebe. Viel Liebe zueinander und die Liebe zur Kunst“, so beschreibt Jeanne-Claude einem Reporter den Kern der Kunst von ihr und Christo. Die Vollendung ihres größten Projektes, die Verhüllung des Triumphbogens in Paris, werden beide nicht mehr erleben, Christo starb 2020, Jeanne-Claude bereits 2009. Nun setzt der Neffe Christos mit seinem Team die Pläne und Zeichnungen um.

Christo und Jeanne-Claude: Schwarz-weiß Bild eines Mann-Frau-Paares im Look der 1960er Jahre vor einem verhüllten Auto. Sie schauen sich gegenseitig an, beide haben dunkle Haare. Der Mann trägt eine Brille. (Foto: Pressestelle, bpk/Charles Wilp)
Christo und Jeanne-Claude, jung und verliebt vor einem verhüllten Fahrzeug. Pressestelle bpk/Charles Wilp

Der junge Bulgare Christo Javacheff kommt Ende der 1950er Jahre nach Paris und lernt dort seine spätere Ehefrau Jeanne-Claude Denat de Guillebon kennen. 1964 zieht das Paar nach New York. Hat Christo anfangs noch bewegliche Gegenstände verhüllt, so verhüllt er 1968 die Kunsthalle in Bern, wenig später das Amerikahaus in Heidelberg. Aber auch die Natur spielte in ihrem Werk eine Rolle: So findet 1969 mit der Verhüllung eines Küstenabschnittes in Australien, nördlich von Sydney, ein Wechsel zu geografischen Räumen statt.

Raum und Zeit in der Kunst abbilden

Später verhüllten sie in Colorado in den USA ein Tal mit dem sogenannten „Valley Curtain“, erinnert sich Christos Fotograf Wolfang Volz. Durch einen Sturm stand der safranfarbene Vorhang aber nur gut einen Tag lang, erzählt er: „Und ich bin dann zu Christo hingegangen und dachte, jetzt ist der total fertig, und stinkig, nee, der war voller Glück: Did you see that? Did you see that? Ich habe gesagt: Spinnst Du, es ist kaputt... Ja, aber es war 28 Stunden ganz.“

Ihre Arbeiten sollten stets öffentlich und kostenfrei zugänglich sein und zu einem Gemeinschaftserlebnis einladen. Ihre Kunstprojekte sind Ausnahmefälle spannender Annäherung von Kunst und Leben, die unterschwellig auch die Begriffe Raum und Zeit verhandeln. Wie schauen wir auf die verhüllten Werke? Was bleibt davon in Erinnerung, wenn die jeweilige Aktion zu Ende ist?

Kunscht über die Verhüllung des Arc de Triomphe:

Verhüllen als Mittel zum Zweck

Matthias Koddenberg, Kunsthistoriker und langjähriger Freund des Paars erzählt im Film, dass Christo am Anfang eigentlich kein Verhüllungskünstler werden wollte: „Ich glaube es ging ihm am Anfang eher darum, dreidimensionale Figuren, irgendwas Haptisches zu schaffen, und der Stoff war im Grunde günstiges, dankbares Material, das er bearbeiten konnte, und dem er leicht eine Form geben konnte.“ Christos Arbeiten waren unterschwellig durchaus politisch: Immer wieder sagte Christo, wie dankbar er sei, Ende der 1950er Jahre aus Bulgarien geflohen zu sein und nun seine Ideen verwirklichen zu können.

Viele, bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen

Der Film, der mit vielen noch unveröffentlichten Aufnahmen aus den 1980er Jahren aufwartet, hat auch so manchen Überraschungsmoment zu bieten. Etwa als schon 1981 Willy Brandt ins New Yorker Atelier von Christo kommt und sich von der Idee des verhüllten Reichstags überzeugen lässt. Damals wurde noch heftig über das Projekt gestritten. Die Reichstags- Verhüllung erlebte Willy Brandt selbst dann leider nicht mehr.

Christo 2019 in seinem Atelier mit einer Zeichnung für "L'Arc de Triomphe, Wrapped". (Foto: Pressestelle, 2020 Christo and Jeanne-Claude Foundation, Foto: Wolfgang Volz)
Christo 2019 in seinem Atelier mit einer Zeichnung für „L'Arc de Triomphe, Wrapped“. Pressestelle 2020 Christo and Jeanne-Claude Foundation, Foto: Wolfgang Volz

Christos und Jeanne-Claudes Kunst – das war stets immer ein Spiel mit der Vergänglichkeit, so erzählt es im Film Matthias Koddenberg. Das Künstlerpaar war davon überzeugt, dass ihre Kunst nur in ihrer Zeit wirken konnte: „Natürlich muss man sich vor Augen führen, dass die zeitliche Begrenzung auch einen ganz besonderen Wert den Projekten gegeben haben, denn dieses Wissen über die kurze Zeit macht das Erlebnis des Projektes sehr viel reicher und sehr viel besonderer“, so Koddenberg.

Die ganze Doku bis 13.12.2021 in der ARTE Mediathek:

Kunst Verhüllter Triumphbogen in Paris: Christos posthumes Meisterwerk

Am Samstag, 18. September 2021 ist es endlich soweit: Der verhüllte Arc de Triomphe in Paris, das letzte Projekt des Künstlers Christo, wird feierlich eröffnet. Der Neffe des 2020 verstorbenen Künstlers hat die Umsetzung der Pläne koordiniert. Die ersten Entwürfe des Jahrhundertprojekts „L'Arc de Triomphe Wrapped“ von Christo und seiner Frau Jeanne-Claude entstanden bereits in den 1960er Jahren. Sie läuft vom 18.September bis 3. Oktober 2021.  mehr...

Paris

Gespräch „Arc de Triomphe“ in Paris wird verhüllt - Stuttgarter Ingenieursbüro ist beteiligt

Als letztes Großprojekt von Christo wird die Verhüllung des Triumphbogens in Paris jetzt vom Stuttgarter Ingenieurbüro „Schlaich Bergermann Partner“ posthum realisiert.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Das Auge von Christo und Jeanne-Claude – der Fotograf Wolfgang Volz

Seine Fotos trugen die Projekte des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude in die Welt und halten sie für die Ewigkeit fest – doch Wolfgang Volz ist mehr als der Fotograf der Verhüllungskunst.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Christo nach Corona: Eine Hommage an den Verpackungskünstler im Centre Pompidou in Paris

Ausstellung im Centre Pompidou, Paris  mehr...

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