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Vier Preise für afrikanische Filme – am 1.11.2020 ging gerade noch vor dem Lockdown eine insgesamt sehr gute DOK Leipzig zu Ende, mit spürbar frischem Wind durch einen neuen Leiter und eine etwas andere Ausrichtung. Und zum letzten Mal für vier Wochen mit Menschen im Kino.

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Die Straffung des Filmfestivals, das 2020 mit 150 Filmen nur noch ungefähr halb so viele Beiträge zeigte wie in manch anderem Jahr, kann als Erfolg verbucht werden, meint SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland. Die Konzentration auf das Wesentliche habe die durchweg ausgezeichneten Filme verstärkt zur Geltung kommen lassen.

„Politischer Willen“ bei der Preisvergabe

Bei der Preisvergabe will Suchsland allerdings einen gewissen „politischen Willen“ erkennen, den Wunsch nach einer Signalwirkung. Dass 2020 mehrheitlich afrikanische Dokumentarfilme ausgezeichnet worden seien, habe seine Gründe auch in kultureller Projektion und Exotismus.

Die goldene Taube im Internationalen Wettbewerb ging an „Downstream to Kinshasa“ von Dieudo Hamadi, für Suchsland ein Fall von unverhohlenem politischem Aktivismus im Film. Die Dokumentation begleitet Kriegsversehrte im Kongo, die um ihre Rechte kämpfen.

Öffentliche und private Räume im Fokus

Im Gegensatz dazu bewege sich der mit der silbernen Taube ausgezeichnete „The Poets Visit Juana Bignozzi“ viel mehr in privaten Räumen, so Suchsland. Bei der argentinischen Produktion führten Mercedes Halfon und Laura Citarella Regie, sie erinnere, so die Jury-Begründung, teilweise an die Nouvelle Vague.

Im deutschen Wettbewerb setzte sich „Lift Like A Girl“ von Mayye Zayed durch, das mehrere Jahre lang eine anfangs 14-Jährige in Alexandria auf ihrem schweißtreibenden Weg zur Gewichtheberin begleitet.

Im Kurzfilm-Wettbewerb wiederum wurde „Trouble Sleep“ ausgezeichnet, eine französisch-nigerianische Produktion von Alain Kassanda, ein rhythmisch-dynamisches Portät der Stadt Ibadan.

Digital DOK Neuland: Neue dokumentarische Erzählformen durch virtuelle Realität

Beim internationalen Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig vom 26. Oktober bis 1. November 2020 gibt es die Ausstellung DOK Neuland zu sehen, bei der es um digitales Erzählen geht. Kein geschlossener Kinoraum, sondern ein offener Erfahrungsort, wo sich mit neuesten Technologien in neue Erzählformen eintauchen lässt. Auch persönliche Erfahrungen während des Lockdowns sind hier verarbeitet worden. Impressionen aus der Ausstellung finden sich auf der Website des Festivals DOK Leipzig.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Gespräch DOK Leipzig Festival 2020 – Dokumentarfilme schauen „lernen“

Obwohl die Filmemacher*innen nichts von Corona ahnen konnten, als sie ihre Filme machten, finde man in diesem Jahr ein Thema in vielen Filmen wieder, sagt Christoph Terhechte, der neue Leiter des DOK Leipzig Festivals: „Viele Filmen spielen in den eigenen vier Wänden und in Familienkreisen und beleuchten auf verschiedene Art und Weise, was im Mikrokosmos Familie abläuft und wie sich in diesem Mikrokosmos die Welt spiegelt.“ Das passe natürlich zur Situation des Lockdowns. Insgesamt gebe es in diesem Jahr in Leipzig sehr viele Filme, die ihre Geschichten über Umwege erzählten und ein Gespür dafür hätten, dass Dokumentarfilm nicht mehr einfach nur „die Wahrheit in den Bildern hat“. Wir müssen heute alle lernen, die Bildern zu hinterfragen und dass Bildern lügen können, so Christoph Terhechte. Dadurch dass die Zuschauer noch stärker als früher mit in Anspruch genommen würden, würden man auch eine Erziehung zum „Bilder-Schauen“ in vielen Filmen finden.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

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