Filmfestspiele Venedig

Die Regisseurin Laura Poitras gewinnt den Goldenen Löwen in Venedig

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Rüdiger Suchsland

„All the beauty and the bloodshed“ von Laura Poitras heißt der Sieger des diesjährigen Goldenen Löwen. In der Preiszeremonie zeichnete die Jury um Hollywoodschauspielerin Julianne Moore zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Festivals einen Dokumentarfilm mit dem Hauptpreis aus. Auch sonst gingen die Preise fast ausschließlich an US-amerikanische Filme, oder an Filme, die in den USA angesiedelt sind.

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Eine Überraschung am Lido

Die Überraschung war gelungen: „All the beauty and the bloodshed“ von der amerikanischen Dokumentarfilmerin Laura Poitras gewinnt den Goldenen Löwen von Venedig. Eine Überraschung war das insofern, als dass kaum einer diesen Film auf seiner Rechnung gehabt hatte.

Nicht der Publikumsliebling „Bones and All“, nicht das Hollywood Biopic „Blonde“, nicht der argentinische Justizthriller „Argentina 1985“ und nicht der poetische Familienfilm „Love Life“ aus Japan war unter den Siegern der Hauptpreise, sondern ein Dokumentarfilm, der bis zum Ende auf der Suche nach seinem roten Faden ist. 

Nan Goldin in „All The Beauty And The Bloodshed" von Laura Poitras (Foto: Nan Goldin)
„All the beauty and the bloodshed“ ist vor allem ein Portrait der US-Fotografin Nan Goldin. Sie zählt zu den wichtigsten Chronistinnen der Punk- und New-Wave-Szene und engagiert sich auch als Bürgerrechtlerin gegen die Pharmaindustrie. Nan Goldin

Filmisches Portrait der US-Photographin Nan Goldin

„All the beauty and the bloodshed“ ist ein Portrait der US-Fotografin Nan Goldin, die zu den wichtigsten Chronisten der Punk- und New-Wave-Szene in New York und Westberlin der 70er und 80er-Jahre gehört und die sich auch als Bürgerrechtlerin engagiert. Im Film ist das ein zweiter Erzählstrang, insbesondere Goldins Kampf gegen die Pharmaindustrie. Ein „Film über die Opioidkrise“ wie jetzt Agenturen melden, ist das aber keineswegs. 

Der emotional stärkste Erzählstrang ist vielmehr der über Goldins Familie und den verdrängten Selbstmord der älteren Schwester – hier zeigt Poitras, die zuvor Edward Snowden portraitiert hatte, eine Suburbiafamilie als Terrorgang. 

Regie-Preis für Kannibalenfilm „Bones and all“

Immerhin den Regie-Preis gab es für „Bones and all“ vom Italiener Luca Guadagnino. Dem ist das Kunststück eines zärtlichen Kannibalenfilms gelungen, der die stärksten Kino-Augenblicke des ganzen Festivals bot. Guadagnino zeigt die Kannibalen sympathisch und voller Gewissensbisse, als liebenswerte Triebtäter – weil er eigentlich von Außenseitern erzählen möchte. Es geht um das Andere, was nicht integrierbar zu sein scheint, und unsere Toleranz auf echte Proben stellt.

Preisverleihung mit wenig Aussagekraft

Das Profil der Mostra war 2022 durchschnittlich, mittelmäßig, unauffällig und wenig aussagekräftig. Kein Film zog das Publikum komplett in seinen Bann, öffnete dem Kino neue Horizonte. 

Und schon wieder ging der Goldene Löwe, zum dritten Mal in den letzten vier Jahren, an einen US-amerikanischen Film. In den letzten Jahren wirkt das Festival am Lido zunehmend wie ein Außenposten der US-Filmindustrie. Diese Amerika-Dominanz wird langsam zur Regel und sie wird ein Problem für dieses Festival.

Offizieller Clip zu „All the beauty and the bloodshed“:

Filmfestival Die 79. Filmfestspiele Venedig: Laura Poitras gewinnt Goldenen Löwen für „All the Beauty and the Bloodshed“

Mit der Verleihung der Filmpreise gingen am 10. September die 79. Filmfestspiele in Venedig zu Ende. Die amerikanische Regisseurin Laura Poitras wurde für den Dokumentarfilm „All the Beauty and the Bloodshed“ mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Für ihre Schauspielleistung wurden Cate Blanchett und Colin Farrell geehrt.  mehr...

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Rüdiger Suchsland