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Die Queen im Kino: Warum der Film die Monarchie liebt

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Rüdiger Suchsland

Die Queen war vieles auf einmal – eben längst nicht nur eine politische Figur, die manchen als Anachronismus, anderen als letzte Bastion des ewigen England erscheint, sondern auch eine Pop-Ikone und Film-Charakter. Filmkritiker Rüdiger Suchsland über diese Rolle, über die Queen als Figur in Filmen und Serien und darüber, warum das Kino monarchistisch ist.

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Die Royal Family mochte „The Crown“

Die Queen im Kino – ist das überhaupt ein Thema? Natürlich gibt es da die berühmte Netflix-Serie „The Crown“, die Veralltäglichung des royalen Charisma, die angeblich sogar von der Royal Family selbst mit großem Amüsement gesehen wurde. 

Die Queen im Film: Olivia Colman in The Crown (Foto: IMAGO, imago images/Cinema Publishers Collection)
Für ihre Darstellung von Queen Elizabeth II. in der vielfach prämierten Netflix-Serie „The Crown“ gewann Schauspielerin Olivia Colman 2021 einen Emmy als Beste Hauptdarstellerin. imago images/Cinema Publishers Collection

 Helen Mirren als Queen Elizabeth II.

Und dann natürlich „The Queen“ vom Engländer Stephen Frears, der wohl bekannteste Film über Elizabeth II: 2006 wurde etwa die Reaktion der Queen auf den Unfalltod ihrer ehemaligen Schwiegertochter Diana thematisiert.

Helen Mirren erhielt für ihre sehr intime Darstellung der Königin einen Oscar. Frears zeigt die Queen so wie viele sie sehen wollen: Menschlich, außergewöhnlich. Klüger als der Durchschnitt. 

 

Die Queen im Film: Helen Mirren in ihrer oscarprämierten Rolle als Queen Elizabeth II. (Foto: IMAGO, imago stock&people)
Ab 2013 in London und später am New Yorker Broadway war Mirren erneut als Elizabeth II. zu sehen. Dieses Mal in Peter Morgans Theaterstück „The Audience“. Für ihre Leistung erhielt sie die wichtigsten britischen und amerikanischen Theaterpreise. imago stock&people

Eine Darstellung der jungen Elizabeth

Aber ansonsten? Kennen könnte man auch „The King's Speech“, der von ihrem mit seinem Stottern hadernden Vater König Georg VI. handelt. Elizabeth ist darin als Mädchen zu sehen.

 

Die Queen im Film: Colin Firth spielt den Vater von Queen Elizabeth (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
Queen Elizabeth äußerte sich nach einer privaten Vorführung positiv über den Film und fand ihn „bewegend“. Colin Firth in der Rolle ihres Vaters wurde mit dem Oscar prämiert. imago images/Mary Evans

Und der Film zeigt, wie die historisch wichtige Beziehung zu Winston Churchill begründet wird. 

 Auch komödiantische Ansätze werden verfolgt

Gerade in den letzten 15 Jahren gibt es viele Filme um die britische Königsfamilie. Vielleicht ist dies das Symptom für ein konservativer-werden unserer Gesellschaften, für heimliche Sehnsüchte nach Pomp und Ritualen.

In „A Royal Night Out“ von 2015 geht es darum, wie Lilibeth und ihre Schwester Margaret Ende der Vierziger Jahre einmal ausbüxten und sich für ein paar Stunden der Dauerbewachung des Sicherheitspersonals entzogen. 

Angeblich hatte die zukünftige Königin da eine Romanze mit einem Mann aus dem Volk. Unglaublich.

Die Queen im Film: A Royal Night Out (Foto: IMAGO, imago images/Everett Collection)
Mit der Realität hat die Komödie doch nur wenig gemein: In Wirklichkeit verließen die beiden Prinzessinnen den Palast um 22 Uhr mit einer organisierten Gruppe von 16 Leuten, um sich unter die Feiernden zu mischen, und kehrten um 1 Uhr zurück. imago images/Everett Collection

Das Volkstümliche erledigte Diana 

Für das Volkstümliche war später eine andere zuständig: Die "Peoples Princess" Diana Spencer. In „Diana“ wird sie von Naomi Watts gespielt, in „Spencer“, der erst im letzten Jahr in die Kinos kam, verkörpert Kristin Stewart die kulleräugige, nur vermeintlich naive Königin der Herzen. 

Filmstill (Foto: DCM Filmdistribution)
„Spencer“ von Pablo Lorrain wurde vor allem dafür kritisiert, dass das fröhliche Ende nicht zur realen Person passe und dass darin nur ein eindimensionales Porträt eines Opfers präsentiert würde. DCM Filmdistribution

Queen Elizabeth ist da jeweils eine klare Rolle zugeschrieben: Die der kalten Mächtigen, der hartherzigen Prinzenmami und garstigen Schwiegermutter. 

In einer Parodie soll die junge Elizabeth mit Hitler verkuppelt werden

Ganz anders trieb es Regisseur Peter Richardson in unserem persönlichen Geheimtip: „Churchill: The Hollywood Years“ heißt seine wilde Parodie des United Kingdoms in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. 

Dort spielt Christian Slater einen überraschend verjüngten Churchill, der eigentlich ein US-Agent ist, und Neve Campell eine Prinzessin mit Camouflage-Uniform, Krönchen im Haar und Maschinenpistole in der Hand, die sich gegen Nazi-Agenten verteidigt, die sie entführen wollen und zur Braut des Führers machen.

 

Die Queen im Film: Eine Parodie  (Foto: IMAGO, imago images/Mary Evans)
Der Film ist eine Satire auf den Hollywood-Blick auf Geschichte: Auch Pearl Harbour wird hier auf die Schippe genommen. imago images/Mary Evans

Kritische Filme gibt es ebenso

Sind diese Filme nicht eigentlich alle zu unkritisch? Man müsste doch mit so einer anachronistischen Figur wie einer Königin kritischer umgehen?

 Das gibt es sehr wohl im Kino. Im Slapstick-Film „Die nackte Kanone“ von 1988 wird ein Attentat auf die Königin geplant, ihr Double Jeannette Charles tritt darin an der Seite von Leslie Nielsen auf. 

Die Queen im Film: Leslie Nielsen und ein Queen-Double in einer peinlichen Situation (Foto: IMAGO, imago images / United Archives)
„Die nackte Kanone“ ist der erste Teil einer Filmreihe aus dem Jahr 1988. imago images / United Archives

In Zeichentrickfilmen war die Monarchin ebenfalls zu sehen, hatte Auftritte in "Die Simpsons", der Kinder-Serie "Peppa Wutz" und im Animationsfilm "Minions" von 2015.

Die Queen und Paddington Bear:

Demokratie in der Kunst ist ein Widerspruch

Trotzdem: Das Kino jedenfalls ist monarchistisch. Es kennt nur absolute Regenten, und es liebt die Despoten – auf dem roten Teppich auf der Kinoleinwand, ich möchte keine allzu große Differenzierung, keine Demokratie, keinen Widerspruch. 

Die Stars regieren das Kino, und Demokratie in der Kunst ist ein Widerspruch in sich und bewirkt, wo sie auftritt, selten Gutes. 

Auch gute Regisseur*innen sind solche absolutistischen Monarchen. Natürlich nicht, wenn sie ihre Macht missbrauchen. Wo sie das aber nicht tun, da ist man froh, wenn sie einen in ästhetische Gefilde zwingen, an Orte bringen, die wir nicht einmal erahnt haben, uns Erfahrungen bieten, die unser Weltbild auf den Kopf stellen.

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