Film

„Die Kaiserin“ bei Netflix: Sissi schielt nach dem Vorbild „The Crown“

STAND
AUTOR/IN
Karsten Umlauf

Das Begräbnis von Elisabeth II. hat es wieder gezeigt: Das Interesse an Königlichem ist riesig, wenn es in historische Dimensionen geht und die adelige Familie genügend Gesprächsstoff bietet. Vor knapp einem Jahr ist RTL mit einer Sissi-Serie an den Start gegangen, jetzt zieht Netflix nach. „Die Kaiserin“ erzählt erneut die Geschichte von Elisabeth und ihrem Kaiser Franz.

Audio herunterladen (3,8 MB | MP3)

West gegen Ost, damals wie heute

Europa ist Mitte des 19. Jahrhunderts in Aufruhr: West kämpft gegen Ost, Frankreich und England gegen Zar Peter. Und der versucht alles, das Habsburgische Riesenreich in den Krieg hineinzuziehen. Der junge moderne Kaiser Franz setzt auf Diplomatie und die Kraft des Fortschritts. Klingt alles irgendwie nach den Nachrichten von heute, weshalb man auch die Faszination für die Zeit und ihre Umbrüche gut nachvollziehen kann. Es ist der Rahmen, in dem sich die Lovestory zwischen Franz und Elisabeth abspielt.

Filmstill (Foto: Netflix)
Als die rebellische Elisabeth („Sisi“, gespielt von Devrim Lingnau) Franz, den jungen Kaiser von Österreich (Philip Froissant), kennenlernt, bringt die rauschhafte Liebe des Paares das Machtgefüge der Herrscherfamilie durcheinander. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Nach der Hochzeit muss sich die junge Kaiserin nicht nur in einer für sie fremden Welt orientieren. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem muss sie sich auch gegen ihre Schwiegermutter Sophie (Melika Foroutan, li.) durchsetzen, die bis dahin mächtigste Frau am Wiener Hof. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Auch stellt Maximilian (Johanes Nussbaum), der als Zweitgeborener im Schatten seines Bruders Franz steht, die Gefühlswelt von Elisabeth auf eine harte Probe. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Während sich an den Grenzen des Habsburger Reiches feindliche Truppen formieren, liegt in Wien eine neue Revolution in der Luft. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Elisabeth muss herausfinden, wem sie vertrauen kann und wie hoch der Preis ist, Kaiserin und Hoffnungsfigur für ein ganzes Volk zu werden. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
„Unsere Elisabeth in ,Die Kaiserin‘ ist ein kreatives, ungezähmtes, revolutionäres Geschöpf, das in seiner Zeit keinen Platz hat. Trotzdem – oder gerade deshalb – verliebt sich ausgerechnet ein Herrscher in sie.“ (Headautorin Katharina Eyssen) Netflix Bild in Detailansicht öffnen
„Helene (Elisa Schlott) ist Elisabeths ältere Schwester und in der Familie bislang ihre einzige Verbündete. Eigentlich hätte sie Franz Joseph heiraten sollen, bis er sich überraschend für Elisabeth entscheidet. Das ist die bekannte Geschichte. Bei uns ist Helene jedoch mehr als die enttäuschte Rivalin. Sie ist eine tragische Figur, weil sie übersehen wird. Dabei wäre sie wahrscheinlich eine gute Kaiserin geworden.“ (Headautorin Katharina Eyssen) Netflix Bild in Detailansicht öffnen
„Franz Joseph ist der unerfahrene Kaiser von Österreich. Noch steht er im Schatten seiner übermächtigen Mutter. Doch im Herzen ist Franz, wie ich ihn interpretiere, schon in jungen Jahren der Monarch, der er später einmal werden wird: ein weiser, progressiver, beliebter Kaiser.“ (Headautorin Katharina Eyssen) Netflix Bild in Detailansicht öffnen

"The Crown“ ist das große unerreichte Vorbild

Immer wieder wird in der Serie von Katharina Eyssen der große Bogen erkennbar, den sie gerne in  Richtung des britischen Vorbilds, der Serie „The Crown“, geschlagen hätte. Leider tut sie das zu spät, mit halber Kraft und hinterlässt dann doch den Eindruck, dass Geschichte hier zur Kulisse wird für den altbekannten romantic plot: Wildfang vom Land trifft auf grüblerischen, aber grundsympathischen Thronfolger.

Filmstill (Foto: Netflix)
"Unsere Elisabeth (Devrim Lingnau mit Philip Froissant als Franz) ist ein kreatives, ungezähmtes, revolutionäres Geschöpf, das in seiner Zeit keinen Platz hat. Trotzdem – oder gerade deshalb – verliebt sich ausgerechnet ein Herrscher in sie." (Headautorin Katharina Eyssen) Netflix

Schluß mit Sissi: "Nennen Sie mich Elisabeth“

Devrim Lingnau ist eine sehr gute Besetzung, man muss aber auch sagen: So niederschwellig und nahbar wie sie durfte noch keine die Sissi spielen. Und das mit dem Kosenamen ist dann auch vorbei. Sie und Philip Froissant als Franz sprechen und geben sich als wären sie aus einem Liebesroman des 21. ins 19. Jahrhundert gefallen. Das ist einfühlsam erzählt und genau so weit weg von der Sex&Crime-Ästhetik der letzten RTL-Verfilmung wie vom 50er Jahre Kitsch, an dem auch schon Romy Schneider gelitten hat.

Royalisten kommen auf ihre Kosten

Keine Frage, die Royalisten unter den Serienfans werden auch „Die Kaiserin“ lieben. Bildkräftig sucht die fantastische Ausstattung die Balance zwischen modernem Look und historischer Ernsthaftigkeit. Die Serie ist eine gelungene Aktualisierung einer der am häufigsten erzählten Liebesgeschichten des europäischen Adels. Nicht weniger, aber in dieser ersten Staffel auch noch nicht viel mehr.

Trailer "Die Kaiserin", ab 29.9. auf Netflix

Film Sisi neu entdeckt: Das Münchner Filmfest startet mit „Corsage“ von Marie Kreutzer

Sissi mal ganz anders - der Eröffnungsfilm des Filmfest München von Marie Kreutzer bildet den Auftakt zu zehn Tagen Sommerfestival mit 120 Filme aus 52 Ländern. Das Filmfest ist wieder im Guten wie Schlechten das „Cannes an der Isar“ und wiederholt einige Filme aus dem diesjährigen Cannes Programm. Wirklich neu sind die Kinofilme im deutschen Wettbewerb und die Serien.

SWR2 am Morgen SWR2

Forum Sisi für das 21. Jahrhundert – Was bleibt von der Kaiserin der Herzen?

Gregor Papsch diskutiert mit
Alfons Schweiggert, Autor, München
Mag. phil. Katrin Unterreiner, Historikerin und Kunsthistorikerin, Wien
Dr. Martina Winkelhofer, Historikerin, Wien

SWR2 Forum SWR2

Serie „Sissi“ 2.0: Der Romy Schneider- Klassiker neu verfilmt

Es kommt Bewegung ins festgefahrene Filmprogramm der Weihnachtsfeiertage: Sissi, der Romy- Schneider-Klassiker aus den 1950er Jahren ist in einer Neuverfilmung mit Desiree Nosbusch, Jannik Schümann und Dominique Devenport in ihrer ersten großen Rolle bei RTL+ zu sehen. Ein gelungenes Debüt, mit tollen Kostümen, überraschend wenig Kitsch und bemerkenswert viel Sex!

SWR2 Journal am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN
Karsten Umlauf