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Die DDR im Film: Fokus beim Festival „Heimat Europa“

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AUTOR/IN
Sabine Mahr

„Solo Sunny“ (1979), der letzte Film von Konrad Wolf, wurde in der DDR Kult – und die unangepasste Sängerin Sunny für eine ganze Generation von Frauen zum Vorbild in Sachen Emanzipation. Gezeigt wird er im Rahmen der filmhistorischen Reihe „Die DDR im Film“ auf dem Festival „Heimat Europa“ in Simmern. Die zentralen Fragen: Welche Filme waren in der DDR möglich, welche verboten? Welche Bilder vom ehemaligen Ostdeutschland spiegeln sich in den Dramen, Thrillern oder Komödien seit der Wiedervereinigung bis heute?

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Auch Filme aus der Zeit nach dem Mauerfall sind dabei

Das Simmerner Festival „Heimat Europa“ widmet seinen historischen Rückblick in diesem Jahr dem Thema „Die DDR im Film“. Mit dabei sind aber nicht nur Produktionen aus der Zeit bis zum Mauerfall, sondern auch aus den zwei Jahrzehnten danach.

Gerade um die Jahrtausendwende zeichnen viele Filme ein sehr schwarzes oder sehr weißes Bild. Einerseits dominieren düstere Dramen um Flucht und Stasi-Gewalt, gipfelnd im Oscar-Gewinner „Das Leben der Anderen“. Andererseits erzählen Komödien vom Alltagsgefühl der DDR mit einem Hang zur Ostalgie. Beispiele: „Sonnenallee“ und „Good Bye Lenin“.

Die Genres werden diverser

Erst ab den 2010er Jahren ändert sich das Bild, es wird „grauer“. So zeichnet Christian Petzold 2012 mit „Barbara“ das komplexe Porträt einer Frau, die sich letztlich gegen die Flucht aus der DDR entscheidet. Und Andreas Dresen dreht einen Film über Gundi Gundermann – Baggerfahrer, Sänger und Stasi-IM.  

In den letzten Jahren werden sogar die Genres diverser: Sie reichen von der „Stasikomödie“ über das Biopic eines rebellischen Poeten bis hin zum Agententhriller: 

„Wir haben neuerdings sogar Satiren, die das Agentendasein übersteigern. Bei „Deutschland 83“, einer Fernsehserie, die Amazon Prime in Deutschland ausgestrahlt hat. Oder ganz neu „Cleo“ auf Netflix, eine Stasi-Killerin die in Tarantino-Manier ihre ehemaligen Vorgesetzten ermordet.“ so der Leipziger Filmexperte Andreas Kötzing.

Neue Vielfalt in der medialen DDR-Erinnerung

Weg von politischen Schwarz-Weiß-Stereotypen hin zur Buntheit diverser Erzählformen und Lebensentwürfe – der Trend zur neuen Vielfalt in der medialen DDR-Erinnerung kann auch gegen Frustration und Ostalgie helfen, sagt Andreas Kötzing:       

„Wenn in der Öffentlichkeit so eindimensionale DDR-Bilder immer wieder bedient werden, in denen sich die Leute nicht wiederfinden können, neigt man vielleicht stärker dazu, das Leben in der DDR zu idealisieren, weil man sich seine eigene Biografie nicht schlechtreden lassen möchte. Und da, glaube ich, kann man ansetzen. “

Film „Leander Haußmanns Stasikomödie“: Klamaukig-milde DDR-Nostalgie

Darf man über die Stasi lachen? Der Regisseur Leander Haußmann findet: das darf man unbedingt! Nach seinen Filmen „Sonnenallee“ und „NVA“ kommt der Abschluss seiner DDR-Trilogie ins Kino: „Leander Haußmanns Stasikomödie“. Darin porträtiert er die Stasi als tollpatschige Gurkentruppe, die sich doch eigentlich auch nur nach Liebe sehnt.  mehr...

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