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Nach dem Tod des Schriftstellers Siegfried Lenz 2014 tauchte in seinem Nachlass ein unveröffentlichter Roman auf. Die Geschichte eines Soldaten, der zur Roten Armee überläuft war 1952, zu Beginn des Kalten Krieg unerwünscht. Unter dem Titel „Der Überläufer“ wurde der Roman 2016 posthum veröffentlicht und zum Bestseller. NDR, Degeto und SWR haben das Buch als Miniserie verfilmt.

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Aus Pflichtgefühl zurück an die Front

Ein Hofgut in Ostpreußen. Die Sonne scheint, die Ostfront ist noch weit, aus Pflichtgefühl zieht es Walter Proska zurück zu seinen Kameraden der Wehrmacht. Auch wenn er Schwester und Schwager zurücklassen muss und mit Führer und Vaterland relativ wenig am Hut hat.

Serie „Der Überläufer“ von Florian Gallenberger

Der Überläufer von Florian Gallenberger (Foto: ard-foto s1, NDR)
Im letzten Kriegssommer im Jahr 1944 ist der Wehrmachtsoldat Walter Proska (Jannis Niewöhner) nach einem Heimaturlaub auf dem Weg zurück zur Front. Im Zug lernt er die junge Polin Wanda (Malgorzata Mikolajczak) kennen, die im Zug eine Bombe deponiert. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Proska kann die Bombe zwar rechtzeitig entfernen, doch wenig später fährt der Zug auf eine von Partisanen deponierte Mine und explodiert. Proska überlebt und wird kurz darauf von einem kleinen Trupp deutscher Soldaten aufgegriffen. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Die Einheit, der Proska nun zugeteilt wird, soll in den Sümpfen von Rokitno auf einem verlorenen Posten die Bahnstrecken überwachen. Das Kommando dort hat ein versoffener Unteroffizier namens Willy Stehauf (Rainer Bock), der seine Männer dauerhaft schikaniert. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Im Studenten Wolfgang Kürschner (Sebastian Urzendowsky) findet Proska schnell einen Freund. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Als Stehauf im Suff den Dorfpfarrer ermordet, will Kürschner Proska dazu überreden, den Gehorsam zu verweigern und gemeinsam zu den Partisanen überzulaufen. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Doch Proska verweigert. Allein auf Patrouille trifft er plötzlich auf die Polin Wanda, die er im Zug kennenlernte. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Für einen kurzen Augenblick geben sich die beiden der Leidenschaft hin und verlieben sich ineinander. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen
Als wenig später die Partisanen das deutsche Lager stürmen und die Soldaten abführen, schenkt Wanda ihrem Geliebten die Freiheit. ard-foto s1 NDR Bild in Detailansicht öffnen

Siegfried Lenz erzählt eine Liebesgeschichte mitten im Krieg

Der Glaube an den „Endsieg“ wabert immer noch durchs deutsche Reich, mit Klauen und Zähnen werden einzelne Stellungen verteidigt, und doch befindet sich die Armee vor allem an der „Ostfront“ überall auf dem Rückzug. Und was macht Siegfried Lenz? Er erzählt eine Liebesgeschichte.

Walter und Wanda, eine Liebe auf den ersten Blick. Nach einer Kontrolle verlieren sie sich wieder aus den Augen. Sie entpuppt sich kurz darauf als polnische Partisanin, aber das ist die humanistische Botschaft, die dem Buch zugrunde liegt: Menschliche Beziehungen können Frontlinien außer Kraft setzen. Und Wege sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit immer wieder kreuzen

Kafakesker Stumpfsinn des Krieges

In der ersten Stunde ist der Film noch relativ eng an Siegfried Lenz’ Vorlage. Im Außenposten „Waldesruh“ mit dem sadistischen Unteroffizier Stehauf erfährt er den kafkaesken Stumpfsinn des Krieges. Man kann nicht sagen, dass die grobe und zum Teil illusionslose Kriegsschilderung nur Staffage ist für das Liebespaar, das inmitten des Irrsinns bittersüße Momente der Zweisamkeit erlebt. Aber der Film scheint doch froh, immer wieder zu Walter und Wanda zurückkehren zu können.

Malgorzata Mikolaiczak als Wanda - schillerndes Energiezentrum des Films

Malgorzata Mikolaiczak als Wanda ist das schillernde, unberechenbare Energiezentrum dieses Films. Die Zeit in der Sowjetischen Besatzungszone, die den zweiten Teil bestimmt, muss weitgehend ohne sie auskommen, was dem Film einiges an Schwung nimmt.

Walter erfährt als Beamter erneut die Borniertheit und Menschenfeindlichkeit eines Staatsgebildes, wechselt wieder die Seiten und hängt seiner alten Liebe nur noch in Gedanken nach.

Die Liebesgeschichte geht im Fernsehen nach dem Krieg weiter

Da wird der Lenz-Roman dann solide fürs Fernsehen weiterererzählt, bis in die Mitte der 50er-Jahre. Wirtschaftswunder, Familie. Aber wie sich herausstellt, ist Walters Seele mit dem Gewicht der Erinnerung zwischen den Fronten hängen geblieben.

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