Tatort

Der Spezialist für Abgedrehtes beim Tatort: „Die Ferien des Monsieur Murot“

STAND
AUTOR/IN

Jeder Tatort mit Kommissar Ulrich Tukur als Felix Murot ist ein Abenteuer für die Zuschauer*innen. Murot ist Spezialist für Abgedrehtes beim Tatort und so verwundert es nicht, dass er bei seinem neuen Fall auf seinen eigenen Doppelgänger – natürlich auch gespielt von Ulrich Tukur – trifft.

Audio herunterladen (4,8 MB | MP3)

Murot begegnet sich selbst im Biergarten

Es könnte alles auch nur ein skurriler Traum von Felix Murot sein. Denn er ist im Urlaub im Taunus, das ist sowieso schon ungewöhnlich. Mit Edgar Allan Poes Doppelgängergeschichte „William Wilson“ auf dem Bauch schläft er in seinem Hotelzimmer ein.

Kurz darauf hat er im Biergarten einen Begegnung mit sich selbst – oder besser gesagt, mit einem Menschen, der ihm absolut gleicht. Außer, dass das schüttere Haar nach hinten gekämmt und nicht zur Seite gescheitelt ist.

Tatort: Die Ferien des Monsieur Murot von Grzegorz Muskala (Foto: ard-foto s2-intern/extern, hr /  Bettina Müller)
Tatort-Komissar Felix Murot (Ulrich Tukur) macht Ferien im Taunus. Im Restaurant bekommt er eine Haxe serviert, die er nicht bestellt hat. Als er sich fragend umsieht, macht er eine erstaunliche Entdeckung. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Ein paar Tische weiter sitzt Walter Boenfeld, ein Automobilverkäufer, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Die beiden kommen ins Gespräch und sind sich sofort sympathisch. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Nach ein paar Gläsern Wein verlagern die beiden Männer ihre Feier ins Haus Boenfelds, wo Murot am nächsten Morgen in Boenfelds Kleidern erwacht, die er am Vorabend nach einem Saunabesuch angezogen hatte. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Murot findet heraus, dass Boenfeld in der Nacht auf der Landstraße totgefahren wurde. Ein paar Stunden zuvor hatte er Murot noch erzählt, dass er fürchtet, seine Frau wolle ihn ermorden. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Kurzerhand entscheidet sich Murot dazu, die Identität des Verstorbenen anzunehmen und undercover den Mörder zu finden. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem Boenfelds Frau Monika (Anne Ratte-Polle) fühlt er auf den Zahn. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Doch das neue Leben gefällt Murot – er überlegt kurzzeitig, einfach Walter Boenfeld zu bleiben. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen
Seine Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) hat das falsche Spiel des Ermittlers jedoch längst erkannt und wird ihn nicht so einfach davonkommen lassen. ard-foto s2-intern/extern hr / Bettina Müller Bild in Detailansicht öffnen

Urlaub vom eigenen Leben

Walter Boenfeld leitet ein Autohaus, trägt das Hemd über dem Goldkettchen offen und ist auch sonst ziemlich anders als Murot. Trotzdem begießen die beiden diese Begegnung der dritten Art und landen schließlich bei Boenfeld zu Hause in der Sauna. Wo der Murot ein vertrauensvolles Geständnis macht und ihm im Überschwang Murot einen kleinen Rollentausch vorschlägt – Urlaub vom Leben.

Dankbare Doppelrolle für Ulrich Tukur

Die Doppelrolle ist ein gefundenes Fressen für den Könner Ulrich Tukur. Die wird bald noch auf die Spitze getrieben, denn während Murot besoffen einschläft, läuft sein Doppelgänger in Murots Klamotten und mit seinem Ausweis in der Tasche durch die Gegend und wird brutal überfahren: Offiziell ist Kommissar Murot nun tot.

Ermittlungen inkognito

Fortan ermittelt der tote Kommissar eher wortkarg und ist irgendwann inkognito sogar ein bisschen verliebt. Mit Anne Ratte-Polle als Ehefrau ergibt sich ein interessantes Rollenspiel aus Misstrauen und verstörter Verliebtheit. Das ist erfrischend, andererseits wirken die Figuren in diesem ganzen Setting auch seltsam ferngesteuert.

Anspielung auf Jaques Tati und französische Filmklassiker

Filmfans werden bei dem Titel aufhorchen – „Die Ferien des Monsieur Murot“ sind eine Anspielung an Jaques Tatis Filmklassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Man ist es gewohnt, dass es bei Murot vor Filmzitaten nur so hagelt. Diesmal scheint die Filmgeschichte aber weniger konsequent eingebunden. Es gibt ein paar Reminiszenzen, nicht nur an Tati, überhaupt an französische Filmklassiker.

Spiel mit der Krimikonvention

Von der Musik bis hin zu einem Gartenzwerg, der wie in der „fabelhaften Welt der Amélie“ durch die Gegend getragen wird. Es ist am Ende ein Urlaubsflirt mit einer anderen Identität und ein Spiel mit der Krimi-Konvention, dem man gerne zuschaut, das man aber am nächsten Morgen fast schon wieder vergessen hat. Wie einen romantischen Traum.

Forum 50 Jahre Krimi-Kult – Warum ist der „Tatort“ so erfolgreich?

Bernd Lechlerdiskutiert mit
Dr. Hendrik Buhl, Medienwissenschaftler
Brigitte Dithard, SWR-Redakteurin
Claudia Tieschky, Journalistin  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Film Stuttgarter Tatort „Der Welten Lohn“: Hervorragende Psychostudie

Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz ermitteln bei einer Stuttgarter Autozulieferfirma. Ein Mitarbeiter, der jahrelang wegen Korruption in den USA im Gefängnis saß, kommt aus der Haft zurück und will Wiedergutmachung. „Der Welten Lohn“ ist mehr Psychostudie als ein klassischer Kriminalfall. Dennoch ein grundsolider Tatort, der vor allem mit seinen hervorragenden Darstellern punkten kann.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Fernsehfilm Nah an den Gefahren der Klimakrise: „Ökozid“ von Andres Veiel mit Ulrich Tukur

In Andres Veiels Film „Ökozid“ steht Angela Merkel vor Gericht. Im Jahr 2034 wird aber nicht sie persönlich, sondern die Bundesrepublik Deutschland angeklagt, für die Umweltpolitik der Regierungen Merkel und Schröder. Gibt es tatsächlich ein „Recht auf Unversehrtheit der Natur“, das Staaten des globalen Südens einklagen könnten? Veiel hat aus der Frage ein prominent besetztes Gerichtsdrama gemacht, mit Edgar Selge, Nina Kunzendorf und Ulrich Tukur. Der Film lässt vieles vermissen, was die Klassiker dieses Genres auszeichnet. Und doch rückt er die persönliche Verantwortung von Politikerinnen und Wirtschaftsbossen viel näher als das einem Dokumentarfilm möglich wäre.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

STAND
AUTOR/IN