Krimi-Serie auf Sky "Der Pass" mit Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek

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Von Karsten Umlauf

Auf Sky läuft seit 24.1. eine deutsch-österreichische Serie, die in die Grenzregion zwischen Bayern und Österreich führt: "Der Pass". Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek spielen zwei gegensätzliche Ermittler, die es mit einer düsteren Mordserie in den Bergen zu tun haben.

Grenzstein mit Leiche

Eine Landschaft aus grau, schwarz und schneeweiß. Kalt ist es, unwirtlich starren die Berge. Und genau auf dem Grenzstein zwischen Deutschland und Österreich kauert eine Leiche. Für die Polizisten Stocker und Winter der Anlass für eine denkwürdige Begegnung.

Clash der Polizeikulturen

Die skandinavische Serienidee der "Brücke" führt in der deutsch-österreichischen Variante zu einem Clash der Polizeikulturen. Ohne Klischees kommt der zwar nicht aus, entwickelt durch die Klasse seiner Darsteller aber schnell eine ganz eigene Dynamik.

Der Pass (Foto: Sky Deutschland / Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG / Sammy Hart - Sky Deutschland / Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG / Sammy Hartky)
Nicholas Ofczarek als desillusionierte österreichischer Ermittler Gedeon Winter  Sky Deutschland / Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG / Sammy Hart - Sky Deutschland / Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG / Sammy Hartky

Arroganter Einzelgänger aus Österreich

Nicholas Ofczarek spielt den Einzelgänger Gedeon Winter, ein arroganter Zyniker und verfetteter Kaffeehaus-Hocker, der gar nicht erst versucht, seine kaputte Psyche zu verstecken.

Der Pass (Foto: sky - sky)
Julia Jentsch ist die unbedarfte deutsche Polizistin Ellie Stocker sky - sky

Beliebte Kollegin aus Deutschland

Julia Jentsch dagegen ist als Elly Stocker das komplette Gegenteil. Verbindlich, freundlich, bei den Kollegen beliebt. Mit ihrer roten Winterjacke sticht sie auch visuell heraus, denn in der Bildsprache dominieren ansonsten sogar in den Innenräumen ungesättigte Grau- und Sepia-Töne.

Allein das sorgsam komponierte Farbkonzept, die exzellente Kameraarbeit und das von Hans Zimmer produzierte wuchtige Sounddesign der Serie, macht "Der Pass" sehenswert.

Der Pass (Foto: sky - sky)
Die Autoren Cyrill Boss und Philipp Stennert orientieren sich in "Der Pass" am TV- Genre des SkandiNoir, des dunklen Thrillers aus skandinavischen Ländern. sky - sky

Vorbild SkandiNoir

Ein Serienmörder inszeniert Ritualmorde, verschickt düstere Prophezeiungen, ein Journalist will daraus Kapital schlagen. Immer wieder zeigen Wald und Berge ihre kalte Schulter.

Die schwerblütige Erzählweise wirkt manchmal etwas manieriert. Sie passt aber zu dem Genre-Begriff des SkandiNoir, des dunklen Thrillers, den die Vorlage der "Brücke" mitgeprägt hat.

Die Autoren Cyrill Boss und Philipp Stennert spielen den Begriff der "Grenze" auf mehreren Ebenen durch.

Alte Bräuche und Computertechnik

Die Grenze zwischen diffusen Erinnerungen und Gegenwart, die zwischen der Sacharbeit der Ermittler und der Welt der Naturmystik. Zwischen alten Bräuchen und dem Einsatz modernster Computertechnik müssen die Ermittler Stocker und Winter auch ihr eigenes Verhältnis zur Natur überdenken.

Eine der interessantesten deutschsprachigen Serien des Jahres

Hinter dem Kriminalfall scheint immer wieder eine tief verwurzelte Zivilisationskritik auf. Ein auf Tradition und Vorurteilen basierendes Unbehagen, das sich in Heimattümelei einerseits und Weltflucht andererseits äußert. Oder in brutaler Mordlust.

Neben seiner großartigen Optik und der immer steiler ansteigenden Spannungskurve dürfte "Der Pass" damit eine der interessantesten deutschsprachigen Serien des Jahres sein.

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