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Im neuen Tatort haben es Charlotte Lindholm und ihre neue Kollegin Anaïs Schmitz mit mysteriösen Vorgängen um einen Bundeswehr-Einsatz in Mali zu tun. Der Film steht von Anfang an unter einer künstlichen Hochspannung. Er berührt Fragen, die man sich im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle stellen muss, unter anderem: Kann moderne Militärtechnik Menschen manipulieren? Insgesamt aber ein schleppender Technik-Krimi, der vor allem Verschwörungstheoretiker*innen gefallen dürfte.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
8:07 Uhr
Sender
SWR2

Ein Mann bedroht Charlotte Lindholm mit einem Messer, ihre Kollegin Anaïs Schmitz zögert kurz und erschießt ihn dann. Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang des neuen NDR-Tatorts.

Tatort: Krieg im Kopf von Jobst Christian Oetzmann (Foto: ard-foto s1, Manju Sawhney)
Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) muss sich schnell entscheiden, da die Situation zu eskalieren droht. Tötet sie den Mann und kann sie damit Charlottes Leben retten? ard-foto s1 Manju Sawhney

Höchste Dramastufe

Der Mann, der die Stimmen im Kopf nicht mehr ertragen hat, Benno Wegener, entpuppt sich als Soldat. Scheinbar konnte er einen misslungenen Kriegseinsatz nicht verwinden.

Als Wegeners Frau am gleichen Abend ermordet aufgefunden wird, liegt die Vermutung eines Familiendramas nahe. Wie sich herausstellt, haben andere Überlebende des Mali-Einsatzes Selbstmord begangen.

Film Tatort Göttingen „Krieg im Kopf“ von Jobst Christian Oetzmann

Tatort: Krieg im Kopf von Jobst Christian Oetzmann (Foto: ard-foto s1, Manju Sahwney)
Ihr neuer Fall beginnt für Komissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit einer gefährlichen Situation: Ein unbekannter Mann überwältigt sie, hält ihr ein Messer an den Hals und erzählt wirre Dinge von Stimmen in seinem Kopf. ard-foto s1 Manju Sahwney Bild in Detailansicht öffnen
Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) muss sich schnell entscheiden, da die Situation zu eskalieren droht. Tötet sie den Mann und kann sie damit Charlottes Leben retten? ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem die beiden Kommissarinnen den mysteriösen Angreifer überwältigen konnten, stößt das Team schon bald auf eine weitere Leiche. ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen
Lindholm und Schmitz stolpern über einen offenbar fehlgeschlagenen Auslandseinsatz der Bundeswehr in Mali und planen der Sache auf den Grund zu gehen. ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen
In einer Vorlesung werden die beiden Kommissarinnen Zeuginnen eines mysteriösen Vorfalls, der sie auf eine heiße Spur bringt. ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen
Der Verdacht: Die Bundeswehr experimentiert mit speziell entwickelten Helmen an Menschen. ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen
Doch sind diese Menschenversuche auch der Grund für die Stimmen, die Lindholms Angreifer hörte? Und was hat Professor Bloch (Joachim Bißmaier) damit zu tun? Schmitz und Lindholm suchen nach der Lösung des verworrenen Falls. ard-foto s1 Manju Sawhney Bild in Detailansicht öffnen

Staksige Annäherungs- und Abgrenzungsversuche

Wie es das Drehbuch will, haben auch die beiden Kommissarinnen nach der Eingangsszene mit Traumabewältigung zu kämpfen. Was dem Fall eher im Weg steht, denn ihre staksigen Annäherungs- und Abgrenzungsversuche und was sonst noch an privaten Seitengeschichten dranhängt, nimmt man den beiden Alpha-Frauen bis zum Ende nicht wirklich ab. Zumal auch Anaïs irgendwann anfängt Stimmen zu hören und Bilder zu sehen.

Tatort oder James Bond-Science Fiction-Park?

Interessant wird dabei die Spur, die zum Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr führt. Und zu einem Rüstungsunternehmen, das Hightech-Militärhelme herstellt und für das Produkt Exoskull 23 auch mit einem Hirnforscher zusammengearbeitet hat.

Mikrowellen, die auf einzelne Personen gerichtet werden und Halluzinationen auslösen oder gar noch Schlimmeres anrichten können. Ein dunkler Kastenwagen, der überall schon ist, wo die Kommissarinnen gerade ankommen. Forschung, die im medizinischen Bereich  Revolutionen auslösen könnte. Manchmal fragt man sich, ob man gerade in einem James Bond-Science Fiction-Park gelandet ist.

Moderne Demokratie und Rüstungskontrolle

Der Tatort wirft durchaus Fragen auf, die man sich in modernen Demokratien im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle stellen muss: Inwieweit wird insgeheim an Techniken geforscht, die nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch im zivilen Bereich in der Lage sein könnten, Menschen zu manipulieren, in die Irre zu führen — zum Beispiel um Demonstrationen zu verhindern oder Gemütszustände zu steuern?

Schleppender Technik-Krimi für Verschwörungstheoretiker

Vieles davon habe auf jeden Fall einen reale Grundlage, sagt Drehbuchautor Christian Jeltsch, vor allem in der US-Militärforschung. Im Film werden diese Fragen aber mit diffusen Warnungen vor 5G und alten CIA-Experimenten zu einem schleppenden Technik-Krimi verschnitten, der vor allem Verschwörungstheoretiker*innen gefallen dürfte.

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