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Der frühere Dax-Konzern Wirecard war weltweit einer der großen Player im Bereich von Online-Abrechnungssystemen. Nach kritischen Zeitungsberichten flog er auf, unter anderem wegen einem nicht existierenden Firmenvermögen auf den Philippinen. In dem Dokudrama von Raymond Lay kommt man durch großartige Darsteller wie Christoph Maria Herbst und Franz Hartwig den Persönlichkeiten hinter dem Skandal ein Stück näher.

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„House of Wirecards“

„House of Wirecards“ - so hat der britische Journalist Dan McCrum von der Financial Times seinen Blog genannt. Darin wies er bereits seit 2015 auf die Machenschaften bei Wirecard hin und wurde so zum Auslöser eines unglaublichen Skandals. McCrum spricht in dem Dokudrama „Der große Fake“ zwar nicht selbst, aber seine Artikel werden zitiert. Und vor allem nutzt auch Filmemacher Raymond Lay die Anlehnung an die US-Serie „House of Cards“. Wie dort spricht eine machthungrige Spielernatur direkt in die Kamera: Franz Hartwig als Jan Marsalek.

Der große Fake - Die Wirecard Story von Raymond Ley (Foto: Pressestelle, TV NOW / Frank Zauritz)
„Der große Fake“ wirft einen Blick hinter die Kulissen der Wirecard AG, in der sich der größte deutsche Finanzskandal der Geschichte ereignete. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen
An der Spitze von Wirecard steht der machtsüchtige CEO Markus Braun (Christoph Maria Herbst), der sich nur ungern in die Karten schauen lässt. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen
Um mehr Investoren zu überzeugen und den Börsenkurs weiter nach oben zu polieren, werden bei Wirecard ein paar Milliarden Umsätze dazu erfunden und auf ominösen philippinischen Konten versteckt. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen
In die krummen Geschäfte ist auch Vertriebschef Jan Marsalek (Franz Hartwig) verwickelt. Durch wagemutige Manöver verdienen er und Braun immer mehr Geld, was die Gier nach Wachstum und noch mehr Reichtum aber wie so oft nicht dauerhaft befriedigt. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen
Die Schlinge für Wirecard droht sich zuzuziehen, als Wirtschaftsjournalistin Maria Sager (Nina Kunzendorf) den Machenschaften auf die Schliche zu kommen scheint. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen
Als sich die ungeahnten Dimensionen des Skandals eröffnen und klar wird, das rund zwei Milliarden Euro verschwunden sind, ist Vertriebschef Marsalek längst untergetaucht. Pressestelle TV NOW / Frank Zauritz Bild in Detailansicht öffnen

Adrenalinjunkie trifft deutschen Steve Jobs

Marsalek wird als selbstverliebter Adrenalinjunkie gezeichnet, der die Kontakte in die Halb- und Unterwelt genießt. Dass das Kartenhaus Wirecard mit Geld aus Porno- und Glücksspielabrechnungen aufgebaut wurde und damit schon früh die Grenzen der Legalität be- und überschritt, geht wohl auf ihn zurück. Auf der anderen Seite steht Markus Braun, der sich gerne als deutschsprachigen Steve Jobs mit Rollkragenpulli und verklärtem Blick inszeniert.

Skrupellosigkeit und Hybris

Es ist diese Mischung aus Skrupellosigkeit und Hybris, die Christoph Maria Herbst und Franz Hartwig auf phantastische Art und Weise nachvollziehbar machen. Als Gegenspielerin wurde eine Journalistin hinzuerfunden, gespielt von Nina Kunzendorf. Durch die Präsenz der Darsteller hat man das Gefühl, den Persönlichkeiten hinter dem Skandal ein Stück näher zu kommen.

Gespräch mit dem Produzenten Marc Lepetit:

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Schwer durchschaubares System

Das System Wirecard bleibt aber schwer durchschaubar: Bilanzfälschungen, Verschleierung, Einschüchterungen. Das versucht der Film mit dokumentarischen wie auch inszenierten Hintergrundgesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern oder Finanzexperten aufzudröseln. Dabei geht er nicht chronologisch vor, erklärt auch nicht sehr viel.

Das erzeugt Spannung, aber wer sich noch nicht mit dem Fall beschäftigt hat, der muss sich zumindest anfangs sehr konzentrieren. Welcher Wirtschaftsprüfer ist für was zuständig, welche Rolle spielen Geheimdienste oder die politische Agenda von Jan Marsalek?

An anderer Stelle ist man dafür überrascht, wie erschreckend simpel manchmal das Verhältnis von Politik und Wirtschaft zu funktionieren scheint.

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