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Der Goldene Löwe für „L'Evenement“ von Audrey Diwan: Venedig will mehr sein als eine Oscar-Startrampe

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Eine junge französische Regisseurin gewinnt den Goldenen Löwen beim Filmfestival von Venedig: „L'Évènement“ von Audrey Diwan war der beste Film aus Sicht der Jury um den koreanischen Regisseur Bong Joon-ho („Parasite“). Damit stellte Diwan berühmte Regiekollegen wie Jane Campion, Paolo Sorrentino und Pedro Almodóvar in den Schatten. Diwan erzählt nach dem gleichnamigen Buch „Das Ereignis“ von Annie Ernaux die Geschichte einer jungen Studentin, die 1963 ungewollt schwanger wird, ihr Kind nicht bekommen will und dabei immer wieder am Puritanismus und an der Kälte der Gesellschaft verzweifelt.

Eine Auszeichnung, die deutlich macht, dass die Filmfestspiele von Venedig mehr sind als eine Oscar-Startrampe. Denn „L'Evenement“ ist kein kommender Oscar-Gewinner — dafür ist der Film viel zu europäisch und zu anti-puritanisch. Die übrigen Preise fielen allerdings etwas eindimensional aus und konzentrierten sich wieder zu sehr auf USA-Taugliches: Paolo Sorrentinos neuer Film „Die Hand Gottes“ gab vielen Rätsel auf, erfüllt aber die Klischees großer Filmkunst. Er ist ebenso von Netflix produziert wie Jane Campions Post-Western „The Power of the Dog“, der den Regiepreis gewann, und andere Preisträgerfilme. Hier unternahm die Jury den Kotau — die ehrerbietige Verneigung — vor der Industrie, den sie im Hauptpreis vermieden hatte.

In Jane Campions „The Power Of The Dog“ spielen Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons zwei ungleiche Brüder auf einer Ranch in Montana in den 1920er Jahren. (Foto: imago images, IMAGO / ZUMA Press)
In Jane Campions „The Power Of The Dog“ spielen Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons zwei ungleiche Brüder auf einer Ranch in Montana in den 1920er Jahren. IMAGO / ZUMA Press

Buchkritik Annie Ernaux – Das Ereignis

Frankreich im Oktober 1963: Alles deutet darauf hin, dass die junge Literaturstudentin Annie schwanger ist. Ihre Periode bleibt aus, sie leidet unter Magenverstimmungen. Ein Gynäkologe bestätigt den Verdacht, und doch verdrängt die Ich-Erzählerin die Realität.  mehr...

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Auf die Neuverfilmung des Science-Fiction Blockbuster „Dune" nach Frank Herberts Kultklassiker musste man lange warten. Am 3.9. wurde sie stargespickt bei den Filmfestspielen von Venedig präsentiert: Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård und Charlotte Rampling sind dabei. Am 16.9. startet der Film in Deutschland.  mehr...

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Gespräch 78. Filmfestspiele von Venedig: Zwischen Balzac-Verfilmung und Horror-Thrillern

Venedig bietet wieder eine große Spannbreite an Filmen und sei ein Festival, das auch die „niederen Instinkte der Zuschauer“ anspreche, zwischen Literaturverfilmung und Horror-Thrillern, berichtet SWR2-Filmkritiker Rüdiger Suchsland. Die Balzac-Verfilmung „Verlorene Illusionen“ von Xavier Giannoli sei eine hochinteressant gemachte Literaturverfilmung, die über eine klassische Erzählerstimme den Stoff aus dem 19. Jahrhundert aktualisiere. Auch Ana Lily Amirpour verknüpfe mit „Mona Lisa and the Blood Moon“ den Horror-Thriller und die große Kunst und analysiere mit einem im Grunde genommen lustigen Film die Gewaltstrukturen in den USA, vor allem auch die Gewalt gegen Frauen.  mehr...

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