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„The Woman King“: Hollywoods Antwort auf die Schranken von „Gender and Race“

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AUTOR/IN
Simone Reber

Im Königreich Dahomey beschützte ab dem 17. Jahrhundert eine Leibwache von Frauen den König. Ihr Mut und ihre Härte verschafften den Amazonen eine privilegierte Stellung am Hof. Gina Prince-Bythewood verlegt ihre Geschichte in das Jahr 1823, als der Sklavenhandel an der Westküste Afrikas blühte. Besetzt ist der Film fast ausschließlich mit schwarzen Schauspielerinnen und Schauspielern.

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Die Kriegerinnen von Dahomey

Sie feilen ihre Fingernägel zu spitzen Dornen, bis sie die Augen ihrer Feinde ausstechen können. Sie schleifen ihre Macheten mit einem Kieselstein, um ihre Gegner zu köpfen. Und sie schützen sich mit einem Brustpanzer aus geflochtenem Leder, damit sie sich in den Nahkampf stürzen können. Und wenn die Agojie, die Kriegerinnen nach Dahomey zurückkehren, müssen die Bewohnerinnen und Bewohner der Hauptstadt ihren Blick senken. Niemand darf sie ansehen außerhalb der Palastmauern.

Filmstill (Foto: Sony Pictures)
Westafrika, 1823: Das Königreich Dahomey steht unter der Herrschaft des übermächtigen Imperiums der Oyo. Der Dahomey-König Ghezo (John Boyega) ist gezwungen, an die Besatzer Abgaben zu zahlen, was weder ihm noch seiner Generalin Nancisca (Viola Davis) gefällt. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Nanisca ist die außergewöhnliche Anführerin der Agojie, einer Elite-Einheit, die nur aus Frauen besteht und für ihre außergewöhnliche Brutalität bekannt ist. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Gerade als die rebellische Nawi (Thuso Mbedu re.) die anspruchsvolle Ausbildung bei den Agojie begonnen hat, spitzt sich der Konflikt zwischen Dahomey und seinen Besatzern zu. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Die Oyo haben Sklavenhändler geschickt, die das Volk der besetzten Gebiete unterjochen und versklaven sollen. (Thuso Mbedu, Viola Davis und Shelia Atim v.l.n.r.) Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Mit der Invasion sieht Nancisca endlich ihre Chance gekommen, sich an dem Oyo-Krieger Oba Ade zu rächen, der sie einst vergewaltigte. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Die Finanzierung von „The Woman King“ mit einem Cast, der vor allem aus Schwarzen Frauen besteht, die zudem abgesehen von Viola Davis noch keinen so großen Namen in Hollywood haben, war langwierig. Mehrere Major-Studios lehnten die auf wahren Begebenheiten basierende Story wegen kommerzieller Bedenken ab. (Shelia Aim als Amenza) Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Von wahren Ereignissen inspiriert, erzählt „The Woman King“ von der emotionalen und epischen Reise der Generalin Nanisca (Viola Davis li.), die eine nachfolgende Generation von Kriegerinnen rekrutiert und auf den Kampf gegen einen Feind vorbereitet, der ihre Lebensweise zu zerstören droht. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Für Produzentin und Hauptdarstellerin Viola Davis und Regisseurin Gina Prince-Bythewood war der martialische historische Actionthriller „The Woman King“ ein Herzensprojekt. Sony Pictures Bild in Detailansicht öffnen

Oscarpreisträgerin Viola Davis als Generalin der Frauenarmeee

Die 19jährige Mawi wird von ihrem Stiefvater am Tor der Königsresidenz abgegeben, weil sie sich gegen eine Zwangsheirat gewehrt hat. Jetzt soll Mawi zur Agojie trainiert werden. Abends im Bad trifft sie zufällig Nasisca, die Generalin der Frauenarmee. Viola Davis spielt die Veteranin mit Irokesenfrisur, der muskulöse Körper von Narben übersät. Ihre herben, abgekämpften Züge werden etwas weicher, wenn sie die unsichere Rekrutin Mawi beobachtet. Später erfahren wir, dass eine gemeinsame Vergangenheit die beiden Frauen miteinander verbindet.

Filmstill (Foto: Sony Pictures)
Die Agojie, eine rein weibliche Einheit von Kriegerinnen, verteidigten das afrikanische Königreich von Dahomey im 19. Jahrhundert mit ihren bemerkenswerten Kampfkünsten und einer Heftigkeit, die die Welt so bisher nicht erlebt hatte. Sony Pictures

Rasante Kampfszenen in der afrikanischen Savanne

Regisseurin Gina Prince-Bythewood nutzt die Form des Historiendramas und bezieht sich bis hin zur musikalischen Anmutung auf Ridley Scotts Gladiator. Genüsslich kostet sie die rasanten Kampfszenen aus, die hier in der afrikanischen Savanne stattfinden. Der Verachtung ihrer Feinde begegnen die Agojie ohne mit der Wimper zu zucken. Das schwarze Ensemble baut ungeheure Intensität auf. Zwar ist König Ghezo etwas holzschnittartig gezeichnet, aber die einzelnen Kämpferinnen haben klare Konturen. Die schmalgliedrige Priesterin, die verschmitzte Ausbilderin und natürlich die Generalin.

Booster-Shot Empowerment auch für weiße Kinobesucherinnen

Gina Prince-Bythewood umgeht politisch korrekte Stereotypen und hält sich an die Geschichte. Vor allem ist es ein Gedanke, den „The Woman King“ radikal zu Ende denkt: Was wäre, wenn Frauen genauso stark wären wie Männer, genauso kampfbereit? Wenn sie in der Lage wären, Vergewaltiger, schlagende Ehemänner, lieblose Väter oder vielleicht auch nur gewöhnliche Straßenräuber zu besiegen? Da wirkt „The Woman King“ wie ein Booster-Shot Empowerment und auch die weiße Zuschauerin verlässt am Ende das Kino mit etwas breiteren Schultern.

Trailer „The Woman King“ ab 6.10. im Kino

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